DFL in Dilemma
Unterhaching plant Gerichts-Marathon

Die SpVgg Unterhaching gibt nicht klein bei und stürzt die Deutsche Fußball-Liga (DFL) in ein bislang einmaliges Dilemma. Ausgerechnet der "Underdog" aus Bayern bringt mit der Ankündigung eines Gerichts-Marathons das Lizenzierungsverfahren der DFL ins Wanken. "Wir kämpfen weiter. Sie können sicher sein, dass wir nochmal nachlegen werden", sagte Unterhachings Manager Norbert Hartmann. Präsident Engelbert Kupka will schon an diesem Donnerstag einen weiteren Antrag in der DFL-Zentrale in Frankfurt einreichen.

dpa MÜNCHEN/FRANKFURT/MAIN. Über die Inhalte der neuen Forderungen wollte sich Kupka einen Tag nach der schmerzhaften Niederlage bei der DFL-Mitgliederversammlung noch nicht äußern. Der Vereins-Chef wies jedoch darauf hin, dass die Bayern trotz der abgelehnten Zweitliga-Aufstockung nach dem momentanen Stand immer noch Zweitligist sind und demnach gar nicht in der Regionalliga spielen könnten.

Ausgerechnet DFL-Präsident Werner Hackmann hatte die Unterhachinger darauf hingewiesen, dass der Verein gegen das Urteil des DFL-Schiedsgerichts von Stuttgart Rechtsmittel einlegen könne. Nun wird die DFL die Geister, die sie rief, nicht mehr los. Am kommenden Dienstag befasst sich das Oberlandesgericht Stuttgart mit dem Schiedsspruch zu Gunsten von Eintracht Frankfurt.

Die beim Landgericht Frankfurt beantragte Einstweilige Verfügung auf Aussetzung der Lizenzerteilung für die Eintracht bis zu diesem Termin wurde am Mittwoch aus Rechtgründen abgelehnt. Sie wäre ohne Belang, da DFL-Boss Hackmann am Dienstag erklärt hatte, die Liga werde bis zur endgültigen Klärung des Falles keine Änderungen ihrer bisherigen Entscheidung in Sachen Eintracht treffen. Und die lautete am 19. Juni auf Lizenzentzug.

Offiziell hat daran bis jetzt auch der Schiedsspruch von Stuttgart nichts geändert. Kupka rechnet in der OLG-Verhandlung fest mit einem Erfolg: "Wir gehen davon aus, dass das Urteil aufgehoben wird." Sollte es dazu kommen, muss ein neues Schiedsgericht den Fall Eintracht Frankfurt erneut bewerten und beurteilen. Dies bringt die Eintracht-Verantwortlichen ins Schwitzen, auch wenn sie sich äußerlich gelassen geben. "Wir planen weiter für die 2. Liga. Ich habe keine Bedenken", erklärte Aufsichtsratschef Volker Sparmann.

Die Münchner Vorstädter argumentieren damit, dass es in dem Stuttgarter Verfahren eine Reihe von formellen Fehlern gegeben habe. So hätte der am Oberlandesgericht Stuttgart tätige Richter Wolf- Dieter Treuer in seinem Gerichtsbezirk gar nicht als Schiedsmann aktiv werden dürfen. Vom OLG Stuttgart war bereits zu vernehmen, dass die Verhandlung am vergangenen Mittwoch nicht als Ruhmesblatt angesehen wird.

Gleiches darf wohl auch für den Ablauf des Lizenzverfahrens gelten. Erst Reutlingen raus und wieder rein, dann Frankfurt raus und wieder rein - am Ende hatte kaum noch jemand den Durchblick. Und dann stehen immer noch Gerüchte im Raum, dass es bei der Bürgschaft der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) für Eintracht Frankfurt nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Nach Ansicht der Unterhachinger bewegen sich die daran Beteiligten auf dünnem Eis.

Trotz des Durcheinanders sieht der vorsitzende DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub das Lizenzierungsverfahren "im Prinzip nicht gefährdet". Immerhin denkt die DFL aber bereits über Reformen nach. "Wir müssen die Mängel aufarbeiten, die durch die Gerichte offen gelegt wurden", erklärte Straub. Gleich im ersten Jahr musste der Dachverband der 36 Profi-Vereine viel Lehrgeld zahlen, DFL - Geschäftsführer Heribert Bruchhagen sprach gar von einer Lektion. Nach Ansicht von Straub führe der Weg daher wahrscheinlich zurück zur alten Regelung, die im Falle eines Lizenzentzuges die Reduzierung der Liga vorsah.

Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser bewertete die Entscheidung der DFL-Mitglieder als positiv. "Im Ergebnis halte ich sie für richtig. Bemerkenswert ist, mit welcher Souveränitat vor allem die Zweitliga-Clubs mit dem Thema umgegangen sind. Alle Vereine standen auf dem Standpunkt, dass die Schiedsgerichtsbarkeit maßgeblich ist und nicht das ganze System in Frage gestellt werden darf." Dies beabsichtigen die Unterhachinger nach eigener Aussage auch gar nicht. "Wir greifen nicht das Schiedsgericht an, sondern das Verfahren", erklärte Anwalt Wolf-Rüdiger Bub.

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