DFL-Krisensitzung am Donnerstag
Kirch will weniger TV-Geld zahlen

Die sich zuspitzende Finanz-Krise der Kirch Gruppe hat jetzt auch die Fußball-Bundesliga erreicht. Um den finanziell angeschlagenen Pay-TV-Sender zu retten, soll der TV- Vertrag nachverhandelt werden.

dpa HANNOVER. Die Bundesligisten würde eine Reduzierung der vereinbarten Zahlungen von 1,54 Milliarden Euro (3 Milliarden Mark) bis 2004 zwar empfindlich treffen. Aber angesichts eines drohenden Konkurses des Bezahlsenders ist zumindest ein Teil der Profivereine willens, einen nachträglichen Preisnachlass in Kauf zu nehmen.

Nach Informationen der dpa haben Verantwortliche der Spitzenclubs Bayern München und Bayer Leverkusen gegenüber Premiere - Geschäftsführer Georg Kofler Verhandlungsbereitschaft signalisiert.

Noch liegt nach Angaben von Liga-Chef Werner Hackmann kein Verhandlungsangebot auf dem Tisch, aber das für Donnerstag geplante Treffen des Ligavorstandes wird gezwungenermaßen zur Krisensitzung: "Das wird sicher zwangsläufig zu einem Thema." Hackmann zeigte sich allerdings verärgert über die Vorgehensweise der Kirch Gruppe. Denn der Geschäftsführer des Kirch-Tochterunternehmens Premiere World hatte die anstehenden Nachverhandlungen in der "Süddeutschen Zeitung" jetzt auch öffentlich gemacht: "Wir müssen unsere Vereinbarungen der Wirklichkeit anpassen und können nicht für Abonnenten zahlen, die nicht da sind." Hackmann kritisierte dies als "ungewöhnlich" und sagte: "Wir führen unsere Verhandlungen nicht über die Medien."

Allerdings gab es schon vor zwei Wochen erste Gespräche mit wichtigen Bundesliga-Managern. Am Randes des Gastspiels von Bayer Leverkusen beim FC Bayern München tastete Kofler bei den Verantwortlichen der beiden Topclubs vor und erhielt das Signal, dass mit einem gewissen Entgegenkommen zu rechnen sei.

Die kleineren Clubs dürften sich dieser Meinung anschließen. 1860- Präsident Karl-Heinz Wildmoser sagte der dpa: "Die Vereine wären sicher bereit etwas nachzugeben. Wir würden uns der Mehrheit anschließen." Allerdings sind (noch) nicht alle Bundesligisten kompromissbereit. Wolfsburgs Manager Peter Pander erklärte: "Verträge sind dazu da, dass sie eingehalten werden."



Weniger Einnahmen würde viele Vereine hart treffen

Premiere

hat mit rund 2,4 Millionen Kunden die eigenen Ziele weit verfehlt und gilt als Hauptgrund für die finanzielle Notlage der nach eigenen Angaben mit 6,5 Milliarden Euro verschuldeten Kirch Gruppe. Das Medienunternehmen hat inzwischen eingeräumt, dass der Bezahl- Sender nicht mehr aus eigener Kraft zu retten ist. Spätestens im Herbst fällt eine Entscheidung, ob und wie Premiere überlebt. Dann ist eine Rückzahlung von rund 1,75 Milliarden Euro an Rupert Murdochs BSkyB fällig.

Knapp die Hälfte des Bundesliga-Fernsehgeldes stammt aus dem Pay- TV. Jeder Erstligist erhält derzeit aus dem TV-Topf durchschnittlich rund 15 Millionen Euro, jeder Zweitligist rund vier Millionen Euro. Für die Saison 2003/2004 war bisher eine Steigerung um fast 30 Prozent vereinbart.

Eine reduzierte Einnahme würde viele Vereine, die teilweise mehr als die Hälfte ihres Etats mit dem Fernsehgeld decken, hart treffen. "Das Problem ist, dass die Verträge mit den Spielern auf den erwarteten TV-Einnahmen basieren", sagte 1860-Präsident Wildmoser und fügte an: "Die Vereine geben vielleicht nach, aber die Spieler nicht."

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