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DFL leitet in Wettaffäre Untersuchungen ein

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) geht im Kampf gegen möglichen Wettbetrug und Spielmanipulationen in die Offensive.

dpa MÜNCHEN. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) geht im Kampf gegen möglichen Wettbetrug und Spielmanipulationen in die Offensive.

"Wir werden die Wettanbieter auffordern, alles offen zu legen", sagte Wilfried Straub, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, der dpa und kündigte als Folge aus der Wettaffäre um den Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen für die kommenden Tage Kontaktaufnahme mit den Wettanbieter und "sehr konsequente" Untersuchungen an. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der den Fall vorerst zu den Akten gelegt hat, wird womöglich die Ermittlungen wieder aufnehmen, wenn es das Gutachten der DFL und die gleichzeitig laufenden Ermittlungen der Staatsanwalt Duisburg erfordern.

"Der Sport darf nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Es geht um unseren Ruf und die Glaubwürdigkeit. Da darf ein Verdacht schon gar nicht aufkommen", begründete Straub die Kehrtwende in der Frankfurter Fußball-Zentrale. Horst Hilpert, Vorsitzender des DFB - Kontrollausschusses, hatte in der vorigen Woche nach Sichtung der Beweismittel "keinen hinreichenden Tatverdacht" festgestellt und die Ermittlungen zu dem angeblich manipulierten Zweitligaspiel zwischen dem FC Erzgebirge Aue und Oberhausen (2:0) am 12. Dezember eingestellt.

Der europäische Buchmacherverband hatte am Wochenende seine Bereitschaft erklärt, auf eigene Kosten Ermittlungen zu führen, doch die DFL will selbst für Aufklärung sorgen. "Wir brauchen keine Schlaumeier, die uns über die Presse Ratschläge geben", antwortete Straub der Kritik von Detlef Train, dem Geschäftsführer des Salzburger Sportwetten-Anbieters "Intertops", der Zweifel an der Aufsichts- und Kontrollfunktion des DFB geäußert und sich über die rasche Einstellung der Ermittlungen gewundert hatte: "Vielleicht will der Verband vor der Weltmeisterschaft keinen neuen Skandal im Profifußball."

Mit dem neuen Vorstoß reagiert die DFL aber auf die Forderung der internationalen Wettbüros nach "unverzüglichen und intensiven Untersuchungen" und schließt sich auch dem Vorschlag von DFB-Präsident Theo Zwanziger an, der eine Kooperation mit den privaten Wettanbietern angeregt hatte. Straub will sich noch vor Weihnachten mit den Buchmachern ins Vernehmen setzen und sich an Hand einer Analyse einen Überblick darüber verschaffen, welche "technischen und tatsächlichen Möglichkeiten" Einfluss auf Wetteinsätze und Quoten haben.

Schon im Januar werde man über das weitere Vorgehen beraten. Dabei müsse auch die vertraglich an den DFB gebundene staatliche Sportwette "Oddset" ein Thema sein. So äußerte sich Zwanziger besorgt, dass unter Verkennung des staatlichen Ordnungsrahmens das Verführungspotenzial, Fußballspiele zu manipulieren, größer würde. Die Ansicht des Präsidenten, der DFB könne "leider wenig" gegen Wettbetrug tun, teilt auch DFL-Chef Werner Hackmann. "Man ist Manipulation gegenüber auch hilflos. Da gibt es keine Mechanismen, die greifen", sagte Hackmann in der "Welt" (Montags-Ausgabe).

Dennoch will die DFL alle Möglichkeiten ausschöpfen und zieht dabei auch ein Wettverbot für Profifußballer in Betracht. Das müsse man ernsthaft überdenken, erklärte Straub, der sich zunächst im "Ausland schlau machen" will und das Thema auf die Tagesordnung der kommenden Sitzung des Verbands der Europäischen Profiligen (Efpl) setzen will. "Das Verhalten der Spieler regeln der Arbeitsvertrag und die Lizenzspielerstatuten. Deshalb wäre ein Wettverbot eine reine Hygienevorschrift", meinte Straub.

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