DFL prüft Lizenz
„Roten Teufeln" droht das Fegefeuer

Der finanziell und sportlich schwer angeschlagene 1. FC Kaiserslautern wird von der eigenen Vergangenheit eingeholt und muss mehr denn je um seine Existenz bangen. Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken hat gegen die ehemaligen FCK-Vorstandsmitglieder Jürgen Friedrich und Gerhard Herzog ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue und Steuerhinterziehung eingeleitet.

dpa KAISERSLAUTERN. Der Leitende Oberstaatsanwalt Eberhard Bayer bestätigte am Mittwochabend, dass seine Behörde auf Grund einer Anzeige eines Vereinsmitglieds von Anfang November tätig geworden ist. Möglicherweise werden die Ermittlungen auch auf die ehemaligen Lauterer Profis Taribo West (Nigeria) und Youri Djorkaeff (Frankreich) ausgedehnt, deren Verträge inzwischen bei den Pfälzern ausgelaufen sind. Bayer: "Ich kann diese Namen nicht dementieren."

Laut "Sport-Bild" soll das Finanzamt Kaiserslautern Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung aufgenommen haben. Die Behörde prüfe angeblich unter anderem im Zusammenhang mit West und Djorkaeff, ob in den vergangenen fünf Jahren verdeckte Gehaltszahlungen am Fiskus vorbei ins Ausland geflossen sind. Sollte sich der Verdacht bestätigen, drohen dem Traditionsverein aus der Pfalz Steuernachzahlungen in Millionenhöhe und damit der finanzielle Kollaps.

Der Vorstand des Fußball-Bundesligisten rechnet damit, dass es Nachzahlungsforderungen des Finanzamtes geben könnte. Mit der Wahrnehmung der Vereinsinteressen wurde der Saarbrücker Rechtsanwalt Egon Müller beauftragt. Der neue Vorstand unter Führung von René C. Jäggi hatte einen Untersuchungsbericht der Saarbrücker Wirtschaftsprüfer "PwC Deutsche Revision" zur Bewertung lohnsteuerlicher Fragen in dem Zeitraum an das Finanzamt weitergeleitet. FCK-Pressesprecher Michael Novak dementierte allerdings, dass es sich dabei um eine Selbstanzeige handele.

In die Ermittlungen hat sich am Mittwoch auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) eingeschaltet. "Es wird Angelegenheit der DFL sein, den Bericht auf Verstöße hin zu überprüfen", erklärte Wilfried Straub, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung. Die Pfälzer wurden daher aufgefordert, der DFL das PwC-Papier zur Verfügung zu stellen. "Sollte sich die Faktenlage so darstellen, dass die Erteilung der Lizenz auf Basis unrichtiger oder unvollständiger Angaben erfolgt ist, wird dies zwangsläufig Konsequenzen nach sich ziehen müssen", sagte Straub.

Bei der Recherche spielen offenbar vor allem die Vertragsverhältnisse mit West und Djorkaeff eine gewichtige Rolle. Angeblich sollen bei beiden Profis so genannte Splitting-Verträge vorgelegen haben, nach denen zum einen über den monatlichen Lohn und zum anderen durch den Verkauf der Persönlichkeitsrechte verdeckte Gehaltszahlungen am Fiskus vorbei geflossen sein sollen. Nach Angaben von Aufsichtsratsmitglied Bernhard Deubig seien im Fall West 4,5 Mill. DM an eine Mailänder Agentur gezahlt worden. Bei Bestätigung würden nach Steuerrecht Geldstrafen, Steuernachzahlungen in einstelliger Millionenhöhe sowie eine Anzeige wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung fällig.

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Peter Briegel wollte sich zu den Vorgängen nicht äußern. "Ich bin seit drei Tagen in Albanien und nicht auf dem Stand der Dinge", sagte Briegel der dpa. Der Gegenspieler von Jäggi weilt zu Vertragsverhandlungen als Nationaltrainer bei den Skipetaren, die dem Ex-Nationalspieler ein Angebot gemacht hatten.

Jäggi verhandelt seit Wochen mit den Banken und dem Land, um zu retten, was im Kampf um Darlehen und Landesbürgschaften noch zu retten ist. Doch die Landesregierung scheint nicht bereit, dem Bundesligisten noch einmal finanziell unter die Arme zu greifen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck kündigte an, dass es keine zusätzlichen finanziellen Mittel für den Verein geben werde. "Wir haben uns wirklich sehr stark engagiert, das war auch nötig im Hinblick auf die WM 2006. Aber jetzt ist Schluss damit", so Beck.

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