DFL sieht Klubs auf dem richtigen Weg
„Keine Wackelkandidaten bei der Lizenzerteilung“

Bislang ließen sich die Profivereine im deutschen Fußball nur selten in die Zahlen schauen - das Finanzgebaren der Klubs war Vereinsgeheimnis. Am Mittwoch wurde der Schleier wenigstens teilweise gelüftet.

him FRANKFURT. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL), Holding der 36 Profivereine, legte im Rahmen einer so genannten Bilanzpressekonferenz erstmals einen detaillierten Überblick über die Finanzsituation aller Klubs im bezahlten Fußball vor. Demnach befindet sich der Schuldenstand der 36 Vereine auf einem Rekordniveau von fast 600 Millionen Euro. Die DFL-Vorstände Wilfried Straub und Christian Müller gehen davon aus, dass damit der Verschuldungs-Zenit erreicht ist. Grund für die Misere sind vor allem die rückläufigen TV-Einnahmen in Folge der Kirch-Insolvenz. Straub sieht trotzdem keinen Grund zur Panikmache: "Die Klubs müssen ihre Kostenstruktur optimieren, wenn die Erträge nicht mehr im gewohnten Maße fließen." Das sei zum Teil schon geschehen, erklärte Müller. Auch deswegen, weil es immer mehr "einsichtige" Profis geben würde, die bei Gehaltsverhandlungen die wirtschaftliche Lage ihrer Klubs berücksichtigen.

Für die anstehende Lizenzerteilung erwarten die Verantwortlichen keine nennenswerten Probleme. "Ich sehe keine Wackelkandidaten", sagte Müller. Voraussichtlich werde allen Bundesliga-Vereinen die Spielgenehmigung für die Saison 2003/04 erteilt. Am kommenden Dienstag wird die DFL-Geschäftsführung jene Klubs informieren, die für die Lizenzerteilung bis Mitte Juni noch Auflagen erfüllen müssen. Die Zahl der betroffenen Klubs liegt nach Aussage von Müller geringfügig höher als im Vorjahr. Damals mussten zwölf nachbessern.

Besonders die Vereine der Zweiten Liga leiden unter der aktuellen Situation. Zwar werden sie von dem Rückgang der TV-Erlöse nicht so stark getroffen wie die Vereine der Ersten Liga, trotzdem ist ihre wirtschaftliche Lage prekärer. Indiz dafür ist das negative Eigenkapital, das eine Großzahl der Zweitliga-Vereine momentan aufweist. Und auch bei den Verbindlichkeiten sieht es gar nicht gut aus: Mit 156 Millionen Euro stehen die Zweitligisten in der Kreide. Bei der Finanzierung ihres Spielbetriebes sind diese Klubs folglich zunehmend auf externe Finanziers angewiesen.

Im Übrigen will die Deutsche Fußball-Liga künftig die Finanzsituation ihrer Vereine, die nach DFL-Angaben jährlich mit einem gesamtwirtschaftlichen Steueraufkommen von 500 Millionen Euro aufwarten, stärker kontrollieren und spätestens mit Beginn der Saison 2004 monatliche "Soll/Ist-Vergleiche" einfordern.

Dass die DFL dabei an ihre Grenzen stoßen wird, ist bereits klar. "Wir können uns bei diesen Kontrollen nur auf die Untersuchung der Liquidität konzentrieren, die Vermögenswerte der Vereine bleiben uns wegen ihrer Satzungen verschlossen", bedauert DFL-Geschäftsführer Straub.

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