DG Panagora plant die Einführung zweier innovativer Produkte
Computergesteuerte Fonds gehen an die Börse

Aktienstrategen verwenden viel Zeit auf die Suche nach attraktiven Werten. Dennoch hinken viele ihrem Vergleichsindex hinterher. Eine Investmentgesellschaft verlässt sich daher lieber auf Computerentscheidungen. Sie will ein bei Institutionellen erprobtes Modell auch Privatanlegern zugänglich machen.

FRANKFURT/M. Andreas Sauer ist von seinen neuen Produkten überzeugt: "Objektive Aktienauswahl statt subjektiver Meinung des Fondsmanagers." Die vom DG-Panagora-Geschäftsführer angekündigten Portfolios unterscheiden sich von traditionellen Investmentfonds nicht nur durch computergesteuerte Anlageentscheidungen. Die beiden Portfolios für europäische und internationale Aktien werden außerdem nur am Monatsende überprüft und gegebenenfalls verändert, sie bleiben in der übrigen Zeit konstant.

Sauer stellte die Produkte, die zum Jahresende sowohl über die genossenschaftliche Gesellschaft Unico als auch über das Frankfurter Marktsegment für börsengehandelte Investmentfonds XTF angeboten werden sollen, in einem Handelsblatt-Gespräch vor. Die zur genossenschaftlichen Bankengruppe gehörige Kapitalanlagegesellschaft DG Panagora ist ein Joint-Venture der DG Bank und dem US-Vermögensverwalter Panagora. Sie verwaltet rund 2 Mrd. in Spezialfonds für institutionelle Investoren und zwar ausschließlich auf Basis von Computermodellen.

Ermutigende Ergebnisse bei Europa-Portfolios

Zur Auswahl stehen rund 1 000 europäische bzw. an die 3 000 internationale Titel. Diese Werte werden einmal monatlich einer Computeranalyse unterzogen: "Das Modell berücksichtigt länder-, branchen- und firmenspezifische Einflüsse", sagt Sauter. Es kalkuliert für jede Aktie eine erwartete Mehrrendite gegenüber dem Index auf Monatssicht. Daraus leitet das Modell unter Berücksichtigung von Risikogesichtspunkten einen optimalen Aktienmix von 150 bis 200 Titeln ab.

Nur einmal im Monat wird umgeschichtet

Die monatliche Neukalkulation erfolgt zum Ultimo. Dann erhält der Broker am kommenden Tag die Liste der Umschichtungen: "In der Regel werden 20 bis 30 Werte ausgetauscht, das zeigen unsere Erfahrungen mit den analog gemanagten Spezialfonds." Panagora bietet laut Sauer Spezialfondskunden entsprechende europäische Portfolios bereits seit Frühjahr 1999 an. Die durchschnittliche Überrendite gegenüber der Benchmark liegt bei "ermutigenden" 2,2 % pro Jahr. Dagegen hinken die internationalen Aktienportfolios der Benchmark um durchschnittlich 1,5 % p.a. hinterher: "Im High-Tech-Euphoriejahr 1999 hatten wir zu wenig Technologiewerte; das Computermodell hat Schwächen in irrationalen Börsenphasen - aber das haben wir hinter uns."

Die Fondsauflage erfolgt in Kürze in Luxemburg, so dass der Börsenhandel in Deutschland voraussichtlich im November aufgenommen werden kann. Kapitalanlagegesellschaft ist die Unico Asset Management S.A., eine Tochter der Union-Fonds-Holding (genossenschaftlicher Finanzverbund). Die Fonds ohne Ausgabeaufschlag werden wahrscheinlich mit Managementgebühr von 1 % p.a. zuzüglich einer Erfolgsvergütung belegt. Das Market Making an der Börse zur Sicherstellung fairer Kauf- und Verkaufskurse übernimmt die DG Bank.

Anleger können an XTF bisher 28 Investmentfonds handeln und zwar wie eine Aktie während der gesamten Börsenzeit von 9 bis 20 Uhr. Der Reiz: schnelle und kostengünstige Orderabwicklung zu einem bekannten Kurs auf Basis des aktuellen Portefeuillewertes. Traditionell wird die Order für einen offenen Investmentfonds zum einmal täglich ermittelten Anteilpreis abgewickelt. Der Kunde bleibt über den Abrechnungspreis lange im Unklaren.

Mit der aktuellen Innovation, fixen Portfolios mit regelmäßigen Veränderungen, dürften die Frankfurter zum zweiten Mal eine internationale Vorreiterrolle übernehmen. Wichtigster Handelsplatz für börsengehandelte Investmentfonds ist mit großem Vorsprung die American Stock Exchange. Dort wie anderswo werden ausschließlich Indexfonds notiert, deren Portfolios exakt nach Maßgabe einer Börsenmesslatte zusammengesetzt sind. Die Frankfurter Börse etablierte ihr entsprechendes Segment zwar erst im Frühjahr vergangenen Jahres, listete aber als erste Börse mit elf DWS-Produkten auch aktiv gemanagte Aktienfonds. Das schafften die Amerikaner bisher nicht. Grund: Die Amerikaner legen weit größeren Wert auf eine exakte Berechnung des aktuellen Portfoliowertes und damit des Kurses der "Fondsaktie". Bei aktiv gemanagten Produkten ist das aktuelle Portfolio aber nicht verfügbar, eine exakte Wertermittlung über den Tagesverlauf schwierig. Die Deutsche Bank, Market Maker bei den DWS-Produkten, erhält die aktuellen Portfolios mit einem Tag Verzögerung. Ihr genügt eine "hinreichend genaue" Kalkulation des fairen Anteilwertes, heißt es von der DWS.

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