DHL International vollständig übernommen
Deutsche Post weltweit auf Expansionskurs

Die Deutsche Post verfolgt mit entschlossenen Schritten und einem Milliarden-Engagement einen europa- und weltweiten Expansionskurs. Wie geplant übernahm die Post mit DHL International den Marktführer im grenzüberschreitenden Kurier- und Expressgeschäft jetzt vollständig. Parallel will Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel im Zuge des Abbaus der Monopolhürden mit Kooperationen und Übernahmen auch den europäischen Briefmarkt aufrollen.

HB/dpa BONN. Während im eigenen Land bei der Briefbeförderung unter heftigem Protest von Belegschaft und Gewerkschaft an allen Ecken gespart und gekürzt werden woll, sollen in den nächsten fünf Jahren für das Geschäft in Europa rund eine Milliarde Euro bereitgestellt werden, wie Zumwinkel ankündigte.

Einen Fuß im Briefmarkt hat die Post bereits in den Niederlanden und in Großbritannien. Zu begehrten Einstiegen und Beteiligungen dürften bei Privatisierungen auch die staatlichen Postdienste in Nachbarländern wie Dänemark und Österreich zählen, hieß es aus Branchenkreisen. Zum Stand von Gesprächen wollte sich ein Post - Sprecher nicht äußern.

Trotz geringerer Gewinne verfügt die Post nach wie vor über eine prall gefüllte Kasse. Im Unterschied zum Schwesterkonzern Telekom wird das frühere Staatsunternehmen nicht von Schuldensorgen geplagt. Für Investitionen und Akquisitionen stehen Milliarden von Euro zur Verfügung.

Die Post sei mit ihrer ungebremsten Expansion bereits in eine Größenordnung gekommen, bei der sich ähnlich wie bei der Telekom Schwierigkeiten bei der Integration und Ertragslage ergeben könnten, warnte der Sprecher des verbrauchernahen PostKundenForums, Elmar Müller. Es sei auch nicht zu akzeptieren, dass eine internationale Expansion einhergehe mit dem Abbau von Serviceleistungen und Kundennähe in Deutschland. Nicht zuletzt werde der Expansionsdrang aus den Einnahmen des lukrativen Briefmonopols finanziert. Demgegenüber betonte Post-Sprecher Martin Dopychai, dass das Geld für die Expansion nicht aus Monopoleinkünften, sondern vor allem aus Immobilienverkäufen komme.

Mehr als 400 Millionen Euro soll der Post allein der jetzt erworbene Restanteil (24,4 Prozent) von DHL wert gewesen sein. Insgesamt soll die Übernahme mehr als 2 Milliarden Euro gekostet haben. Unter der weltweit einheitlichen Dachmarke DHL, die vom Hauptsitz Brüssel aus geführt wird, will der Post-Konzern dafür den Konkurrenten das Nachsehen geben und global führender Express- und Logistikanbieter werden.

Mit DHL, einem vor 33 Jahren in den USA gegründeten Unternehmen, verfügt die Post über ein einzigartiges Netzwerk mit rund 635 000 Zielorten in mehr als 220 Ländern und mehr als 250 eigenen Frachtflugzeugen. Die bisher weißen DHL-Fahrzeuge und Flugzeuge werden auf eine postgelbe Grundfarbe umgestellt. Die gelben Danzas - und Euro-Express-Fahrzeuge erhalten das rote DHL-Logo.

Auf dem Logistik- und Frachtmarkt hat die Post schon nach ihrer Mehrheitsübernahme von DHL kräftig investiert. Zukäufe und Partnerschaften in Asien und Amerika versetzten die Tochter in eine gestärkte Position. Mit ihrer Logistik-Tochter Danzas (schwere Versandgüter), die nun in DHL integriert wird, ist die Post bereits weltweit bei der Luftfracht führend.

Insgesamt will Zumwinkel mit der Expansion in der Express- und Logistiksparte den Konzern auch unabhängiger vom nationalen Briefgeschäft machen. Mit ihm wird zwar noch am meisten verdient, aber Zuwächse sind kaum noch zu erwarten. Durch die Portosenkung zu Jahresbeginn 2003 drohen sogar kräftige Einbußen.

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