Dialysekonzern reduziert Gewinnerwartung
Fresenius Medical Care kann Ziele nicht halten

Das Dialysegeschäft ist zwar weitgehend konjunkturresistent, doch sind Investoren auch bei Fresenius Medical Care nicht vor bösen Überraschungen sicher. Nach dem schwachen zweiten Quartal reduziert der Konzern jetzt seine Gewinnerwartung, weil ihm Wechselkurseffekte und interne Probleme zu schaffen machen.

FRANKFURT/M. Nach zwei etwas unter den Erwartungen liegenden Quartalen hat der Dialyse-Konzern Fresenius Medical Care (FMC) seine Prognosen für das laufende Jahr gesenkt. Wie das Bad Homburger Unternehmen mitteilte, will es das Geschäftsjahr 2002 mit einem Nachsteuerergebnis von 300 Mill. $ abschließen. Das sind 50 Mill. $ weniger als zuletzt angekündigt.

Das Ziel, den Umsatz um 6 % zu steigern, behält FMC nur unter dem ausdrücklichen Vorbehalt der Bereinigung um Wechselkurseffekte bei. Zuletzt hatte die mit der Finanzkrise einhergehende Abwertung der argentinischen Landeswährung erheblich auf die Ergebnismargen gedrückt. Das mit 80 Dialyse-Zentren in Argentinien vertretene Unternehmen erwartet jedoch keinen wesentlichen Abschreibungsbedarf aus der Lateinamerikakrise.

In den ersten sechs Monaten stieg der Überschuss um 18,6 % auf 137,7 Mill. $. Dieser Anstieg sei allerdings in erster Linie ein Resultat der Umstellung der Rechnungslegung auf die Richtlinien des US-GAAP. Der Umsatz stieg um 3,4 % auf 2,44 Mrd. $. Die Zahl der Dialyse-Behandlungen, bei denen das Blut schwer nierenkranker Patienten über eine künstliche Niere außerhalb des Körpers gereinigt und wieder in den Kreislauf gegeben wird, stieg um 7 % auf 7,9 Mill.

"Das enttäuschendste daran ist, dass FMC nicht zum ersten Mal enttäuscht", kommentierte Sal. Oppenheim-Analyst Markus Krämer die Zahlen für das zweite Quartal. Die Ergebnismarge vor Zinsen und Steuern (Ebit) verringerte sich im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres von 14,2 % auf 13,6 %. Schuld daran waren neben Währungseffekten vor allem die Kosten aus der Einführung des in Europa und Japan schon lange gebräuchlichen Einweg-Dialysators auf dem US-Markt.

Im Gegensatz zu den ebenfalls auf dem US-Markt tätigen Konkurrenten Baxter (USA) und Gambro (Schweden) verwendet FMC inzwischen bereits in 70 % der in den USA betriebenen Dialyse-Kliniken Einwegfilter. Auf lange Sicht erhofft sich das Bad Homburger Unternehmen davon erhebliche Einsparungen besonders bei den Personalkosten. Auf kurze Sicht hat die Umstellung zunächst Kosten erzeugt, zum Beispiel für Abfindungen. Auch die Hoffnung auf steigende interne Umsätze mit den selbst produzierten Filtern hat sich bislang nicht ganz bestätigt: Der Produktumsatz kletterte lediglich um 4 %.

Dank des so genannten Disease State Managements (DSM), dem neuen Abrechnungssystem der US-Krankenversicherungen, könnte sich die Investition aber auch deshalb lohnen, weil die Qualität der Behandlung mit der Verwendung von Einweg-Filtern steigt. Benötigen die dank der hygienischeren Dialysatoren besser behandelten US-Patienten künftig weniger Zusatzbehandlungen, bleiben die mit den Versicherern abgerechneten Pauschalbeträge nach FMC-Angaben konstant.

Sal. Oppenheim zeigte sich zwar zuversichtlich, dass FMC zumindest die im zweiten Quartal erwirtschaftete Marge im Jahresverlauf halten könne, wollte jedoch zunächst keine Anlageempfehlung veröffentlichen. Die WestLB stufte den Titel, der die Liste der Kursverlierer im Dax lange Zeit anführte, herunter. Auch sie kritisierte, dass der Konzern das Vertrauen der Anleger zum wiederholten Male enttäuscht habe. Statt als "Outperformer" führen sie den Titel nun mit der Anlageempfehlung "Neutral".

Außer der stärker im Rampenlicht der Börse stehenden FMC AG legte auch der Mutterkonzern Fresenius AG Zahlen vor. Der Umsatz des auf Produkte und Dienstleistungen im Gesundheitswesen fokussierten Unternehmens stieg den Angaben zufolge um 7 % auf rund 3,75 Mrd. Euro. Die Ebit-Marge lag mit 11,8 % unter der des Tochterunternehmens FMC, obwohl Goodwill-Abschreibungen gemäß US-GAAP das Ergebnis bereits um 77 Mill. Euro rechnerisch verbesserten. Ohne diesen Effekt wäre das Ergebnis um 7 % zurückgegangen.

Für eine Ergebnisverbesserung soll in der Zukunft der Verkauf der defizitären Pro-Reha-Aktivitäten der Tochtergesellschaft Fresenius Kabi sorgen. Das Hilfsmittelgeschäft sei für einen nicht genannten Preis an eine Investorengruppe gegangen.

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