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Dickes Auftragsbuch schützt MAN nicht vor Problemen

vwd MÜNCHEN. Die MAN AG, München, vollzieht mit dem Start ins neue Jahr zugleich einen Wechsel an der Führungsspitze des Unternehmens. Rudolf Rupprecht verlässt nach über 38 Jahren, davon die letzten acht Jahre als Vorstandsvorsitzender, den Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern und geht in den Ruhestand. Er übergibt seinem Nachfolger Hakan Samuelsson, der bislang die Tochter MAN Nutzfahrzeuge AG leitet, den Konzern mit einem prall gefüllten Auftragsbuch und weitgehend aufgeräumten Baustellen.

Allerdings kann die gute Auftragslage nach Einschätzung von Analysten nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich MAN angesichts der steigenden Rohstoffpreise, globalen Wettbewerbsdrucks und Unsicherheiten in der Konjunkturentwicklung mit neuen Herausforderungen konfrontiert sieht. 2005 hofft MAN eigenen Angaben zufolge, das Ergebnis "nochmal ausbauen zu können", nachdem im laufenden Jahr eine Verbesserung des Vorsteuerergebnisses auf rund 450 (Vj 261) Mio Euro angestrebt wird. Der Umsatz soll "spürbar" zulegen, nachdem MAN im laufenden Jahr rund 15 (Vj 13,5) Mrd Euro erwartet. Auch die Auftragseingänge, die in den ersten zehn Monaten mit 21 Prozent im Plus lagen, sollen weiter wachsen.

Trotz der Unternehmens-Prognosen sieht Analyst Erhard Schmitt von Helaba Trust für nächstes Jahr "ein ernst zu nehmendes Enttäuschungspotenzial". Er verweist dabei auf mehrere Faktoren, die vor allem den mit Abstand umsatz- und ertragsstärksten MAN-Bereich, die LKW- und Bus-Fertigung, beeinflussen können: Da die Stimmungsindikatoren für die Konjunktur abbröckelten, stelle sich die Frage, "ob die Nachfrage bei den schweren LKW den Übergang vom Ersatzinvestitionszyklus auf breit angelegte Fuhrparkerweiterungen schafft", erklärt Schmitt in seiner jüngsten Studie. Ein Rückgang der Bestelltätigkeit von dem nunmehr erreichten hohen Niveau aus sei wahrscheinlicher als ein weiteres Anwachsen.

Dies habe zur Folge, dass die steigenden Rohstoffpreise möglicherweise auch bei Preisanhebungen nicht mehr vollständig an die Kunden weitergereicht werden können. Allein die anziehenden Stahlpreise lassen nach MAN-Angaben die Kosten im nächsten Jahr um 50 Mio bis 60 Mio Euro steigen.

Der Auftrag über rund 5.000 Militär-LKW für Großbritannien, für den MAN als bevorzugter Anbieter ausgewählt wurde, ermöglicht dem Konzern eine weiterhin gute Auslastung der Fertigung. Jedoch wird bei derartigen hohen Staatsaufträgen allgemein mit einer niedrigeren Ertrags-Marge gerechnet als bei einem "Normalauftrag". Auch die im nächsten Jahr voraussichtlich wieder steigende Steuerquote wird nach Schmitts Einschätzung die angekündigte Ergebnisverbesserung erschweren. Für 2004 rechnet MAN mit einer Steuerquote von unter 30 Prozent.

Die Diskussion mit der Arbeitnehmerseite über eine Senkung der Arbeitskosten in einigen Bereichen sehen sowohl Rupprecht als auch Samuelsson als Aufgabe auch in den nächsten Monaten an. Erst vor wenigen Wochen hat der Konzern für den Standort Offenbach des defizitären Bogendruckbereichs einen Ergänzungstarifvertrag und weitere Sonderregelungen ausgehandelt, mit denen die Wochenarbeitszeit bei gleichem Entgelt auf 39 von 35 Stunden angehoben, Tarifanhebungen verschoben und Sondervergütungen gekürzt werden. Derzeit verhandelt MAN auch mit den Belegschaften des Rollendruckbereichs und der Dieselmotorenfertigung in Augsburg.

Die hohen Arbeitskosten - MAN liegt rund 20 Prozent über dem Niveau anderer Länder etwa in Skandinavien - empfindet MAN mehr und mehr als Standortnachteil, der ausgeglichen werden soll. Beispielsweise gibt Samuelsson einem zusätzlichen LKW-Werk, über das der Konzern derzeit nachdenkt, in Deutschland kaum eine Chance. Die zusätzlichen Kapazitäten sollen voraussichtlich in Osteuropa geschaffen werden. Dort ist der Bedarf, und dort liegen die Kosten deutlich unter denen in Deutschland. Eine Entscheidung über ein neues Werk will MAN voraussichtlich in sechs Monaten treffen.

Die Einschätzungen der Analysten für Gewinnzuwachs im nächsten Jahr gehen weit auseinander. Schmitt rechnet mit einem Vorsteuerergebnis 2005 von 495 (2004 erwartet 463) Mio Euro, davon entfallen auf den Bereich Nutzfahrzeuge 243 (2004: 251) Mio Euro. Den Umsatz veranschlagt er 2005 auf 15,577 (2004 erwartet 15,123) Mrd Euro. Wesentlich optimistischer ist Albrecht Denninghoff von der HypoVereinsbank (HVB), der das Vorsteuerergebnis des Konzerns 2005 bei 656 (2004 erwartet 457) Mio Euro sieht, darunter die Nutzfahrzeuge mit 378 (2004: 378) Mio Euro.

Der Gewinnzuwachs kommt den Analysten zufolge zu großen Teilen auch aus den Sparten Druckmaschinen, die nächstes Jahr wieder in der Gewinnzone erwartet wird, und Dieselmaschinen, bei denen dann das Kostensenkungs-Programm greifen soll.

Zudem hofft der Konzern, eine Reihe noch verbliebener Baustellen beseitigen zu können. So sollen die defizitären Raumfahrt-Aktivitäten aus dem Bereich MAN Technologie veräußert werden, nachdem bereits einige andere Aktivitäten des Bereichs wie etwa die Wasserversorgung für Flugzeuge abgespalten wurden. Wenig Eile ist beim Verkauf der 50prozentigen Beteiligung an den Schwäbischen Hüttenwerken (SHW) angesagt, da das Unternehmen gute Gewinne abwirft. Mit dem Verkauf des Düsseldorfer Maschinenbauers SMS hatte MAN 2003 einen entscheidenden Schritt zur Verschlankung des Konzerns getan.

An der grundlegenden Struktur, die sich MAN mit fünf produzierenden und zwei Dienstleistungs-Bereichen seitdem gegeben hat, will der designierte Vorstandsvorsitzende Samuelsson festhalten. "MAN wird nicht zerschlagen", hat Samuelsson wiederholt bekräftigt.

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