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Dickes Portemonnaie

Mein Portemonnaie wird seit Monaten immer dicker und dicker. Nicht etwa, weil ich in den Genuss von Gehaltserhöhungen gekommen wäre. Nein, zwischen all den Plastikkärtchen finde ich mein Geld fast nicht mehr wieder.

Fluggesellschaften, Mietwagenfirmen, Hotels, Tankstellen, Kaufhausketten und sogar mein Lieblings-Herrenaustatter - insgesamt mehr als fünfzig Unternehmen wollten mich inzwischen mit ihren Karten an sich binden. CRM nennen sie das, das ist die Abkürzung für "Customer Relationship Management". Die drei Buchstaben gelten den Unternehmen als Zauberformel für treue Kunden, aber gebunden haben sie bestenfalls meine Zeit und meine Nerven.

Meine aus Platznot geborene Entscheidung, nur noch mit einer einzelnen Kreditkarte zu reisen, entlarvt die Datenverwalter allesamt: Im Grunde kennt mich kein Mensch. "Finde ich nicht", lautet die Standardantwort an Rezeptionen und Kassen aller Art, wenn ich "nur" meinen Namen nenne, und in der Regel kommt sie nicht gerade freundlich heraus.

Millionenschwere CRM-Investitionen verkommen zu Plastikkarten; Maßnahmen zur Kundenbindung bremsen Arbeitsabläufe und Beteiligte. Dabei wäre mir kompetenter und freundlicher Service oft lieber als die Mitgliedschaft in einer Kundendatei. CRM findet nicht eben nur im Data Warehouse statt, in dem alle Informationen über Kunden zusammenlaufen, sondern in erster Linie an der Ladentheke.

Was könnten sie nicht alles Sinnvolles machen mit den Daten, die ich ihnen freiwillig preisgegeben habe. Endlich mal meine Adresse richtig schreiben zum Beispiel, mich nicht in ein Raucherzimmer stecken, meine Lieblings-Auto- oder Pullovermarke heraussuchen - oder mir Dinge anbieten, an die ich noch gar nicht gedacht habe.

Technologisch machbar wäre das allemal. Vor allem aber rechnet es sich besser als die drei Prozent Rabatt, die ich irgendwann von ihnen allen erhalten soll... wenn ich bis dahin noch ihr Kunde bin.

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