Didier Delepine ist Chef der France-Télécom-Tochter Equant
Der Mann, der am liebsten Klartext redet

In seiner Branche ist Didier Delepine eine absolute Ausnahmeerscheinung. Denn der Vorstandschef des zur France Télécom gehörenden Datennetzbetreibers Equant kann eine absolut blütenweiße Bilanz vorzeigen. "Keine Schulden, kein Goodwill", sagt der Zweimetermann mit dem Bürstenhaarschnitt knapp.

Der Grund dafür ist schnell erzählt: Delepine hat das Fegefeuer schon hinter sich. Vor zwei Jahren stürzte der Aktienkurs des seit 1998 in New York und Paris gelisteten Unternehmens ins Bodenlose. Gnadenlos wurde Equant von Aufkäufern aus der Telekombranche gehetzt. Schließlich flüchtete Delepine unter das schützende Konzerndach von France Télécom (FT). Während der Sturm in der Telefonbranche immer stärker wurde, räumte Delepine seinen um die FT-Beteiligung Global One erweiterten Laden gründlich auf. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. "Equant ist eindeutig die schönste Tochter von France Télécom", sagen Analysten.

Equant betreibt eines der dichtesten globalen Datenleitungsnetze. 120 000 Rechner weltweit managen die interne Kommunikation von Equants Großkunden, unter ihnen erste Adressen wie American Express, Hilton, Shell und Schweizer Rück, aber auch die sicherheitsbewusste Interpol.

Absolute Diskretion zählt zu den wichtigsten Angeboten von Equant. Ihre Leitungen, so heißt es anerkennend in der Branche, seien so sicher wie Fort Knox. Außerdem ist Equant für seine Kunden auch als Systemintegrator tätig: Das schließt die Konzeption, den Anschluss und die Wartung firmeneigener Rechnernetze ein.

So schießt Delepine auch die Zornesröte ins Gesicht, wenn Analysten sein Unternehmen in die gleiche Ecke mit quicken Technologie- und substanzlosen Medienfirmen stellen. "Unser Kurssturz vor zwei Jahren war durch nichts anderes bedingt", sagt Delepine. Denn plötzlich wurden von ihm Wachstumsraten wie bei Startups erwartet. "Dabei haben wir mit der Welt der kleinen Internetwerte genauso wenig zu tun wie mit den Leitungsbetreibern, die nur Bandbreite verkaufen. Wir sind vor allem ein Dienstleister."

Immerhin machte Equants Kurs-Katastrophe FT die Übernahme des Unternehmens möglich, das bis dahin im Besitz der Sita-Stiftung der Iata-Fluggesellschaften gewesen und auf Geld von Wagniskapitalfirmen angewiesen war. Dass der Netzanbieter dabei formal seine Unabhängigkeit verlor, schert Delepine wenig. "Jetzt haben wir einen Aktionär, der weiß, was er will, und mit dem wir Klartext reden können."

Delepine ist einer der wenigen europäischen Manager, die es in Amerika weit gebracht haben. Mitarbeiter beschreiben ihn als pragmatisch und handlungsorientiert. Lange Debatten, wie sie in französischen Unternehmen üblich sind, mag er weniger. Ein Teamspieler ist er auch nicht. Er setzt seinen Führungsanspruch auch gegen Widerstand durch. Dabei fallen auch schon einmal deutliche Worte.

Damit ist Delepine, der in Paris geboren ist, aber in seiner Jugend lange in Koblenz und Freiburg gelebt hat und passabel Deutsch versteht, im Führungskreis von FT ein Kontrapunkt zu Vorstandschef Michel Bon. So war der demonstrative Händedruck der beiden bei der Equant-Übernahme auch eher von der Vernunft diktiert als eine Herzensangelegenheit.

Delepine ist ein Wanderer zwischen den Welten geblieben. Seine Gesellschaft hat ihren Rechtssitz im Amsterdamer Vorort Sloterdijk. Delepines spartanisch möbliertes Büro dort outet ihn allerdings als Gelegenheitsgast.

Funktional, aber nicht ganz so karg, hat er sich dort eingerichtet, wo das Herz seines Unternehmens schlägt: in der US-Telefonmetropole Atlanta. Er lebt mit seiner Frau, mit der er vier Kinder hat, in einem großzügigen Eigenheim im Westen des US-Bundesstaates Georgia. Längst hat er neben dem französischen auch einen US-Pass.

Doch geht die Pendelei über den Atlantik an die Substanz, wie er fast beiläufig einräumt. Das liegt aber auch an einem kleinen Laster, dem der ansonsten sehr disziplinierte Manager frönt. "Ich rauche, aber nur in Europa", schmunzelt er und zündet schnell eine Zigarette an.

In der "rauchfreien Zone" Amerika macht ihm das keinen Spaß mehr. Aber auch in Sloterdijk muss er neuerdings Acht geben. Auf dem ovalen Sitzungstisch im Vorstandssaal steht ein Schild "Rauchen verboten".

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V I T A Didier Delepine wird 1947 in Paris geboren. Er studiert in Paris Informatik, geht 1978 in die USA und arbeitet für die Sita-Stiftung, die damals Träger des weltweiten Datennetzes der Iata-Fluggesellschaften ist. Über mehrere Stationen bei Sita gelangt er 1995 an die Spitze der Netzwerk-Dienste-Sparte. 1997 wird aus mehreren Sita-Gesellschaften Equant, deren Chef er 1998 wird. Ende 2000 übernimmt France Télécom das Unternehmen.

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