Die „10 Uncommon Eurovalues“ liegen aber nicht immer vorne
Lehman Brothers empfiehlt 10 Europa-Aktien

Schon seit 1949 stellt die Investmentbank Lehman Brothers jedes Jahr die "10 Uncommon Values" vor, zehn amerikanische Aktien aus allen Branchen, von denen die Analysten der Bank glauben, dass sie innerhalb eines Jahres einen beachtlichen Kursgewinn verzeichnen könnten. Seit drei Jahren vermarktet die Bank dazu ein europäische Pendent: die "10 Uncommon Eurovalues".

DÜSSELDORF. Andere Banken geben in periodischen Abständen zwar ebenfalls Kauf- oder Verkaufslisten für bestimmte Branchen und Märkte heraus, Lehman hat die "Uncommon Values" jedoch zu einer Marke gemacht. Die Liste wird als Paket verkauft, der Name ist geschützt. "Natürlich spielt bei der Lehman-Liste der Marketingaspekt eine Rolle", sagt André Enders, Analyst beim Bankhaus Lampe.

Empfohlene Werte sind nicht ungewöhnlich

Sehr ungewöhnlich sind die in der aktuellen Liste enthaltenen europäischen Werte freilich nicht. Neben dem französischen Luxusgüterkonzern LVMH beinhaltet das Paket auch den britischen Mobilfunker Vodafone, den Schweizer Technologiekonzern ABB und die Royal Bank of Scotland. Aus Deutschland kommen der im Dax gelistete Anbieter für Spezialchemie Degussa sowie der im MDax-notierte Autobauer Porsche. "Die zehn Werte haben das beste Potenzial, besser abzuschneiden als der Markt", sagt John Wilson, Chef des Researchbereiches europäische Aktien bei Lehman Brothers.

Seine Empfehlungen sind nicht unumstritten. Die Kaufliste der Investmentbank Morgan Stanley enthält mit KPN und Vodafone nur zwei Werte, die auch zu den "Uncommon Eurovalues" gehören. Umgekehrt sind die Lehman-Analysten fast die einzigen Vetreter ihrer Zunft, die LVMH empfehlen.

Experte Stefan Rausch von der Helaba ist vor allem bei Royal Bank of Scotland skeptisch. Porsche und Vodafone sieht er neutral. Auch Sanofi-Synthelabo ist für ihn kein Outperformer. Degussa dagegen "könnte nach der Umstrukturierung dieses Jahr in jedem Fall zum Top-Performer werden".

347 von 520 Titeln mit Kursgewinnen

Laut Lehman haben von 1949 bis 2001 von den 520 aufgenommen Aktien 347 Kursgewinne verzeichnen können, während 170 Werte im Verlauf des Jahres nachgaben. In den meisten Jahren lag die Perfomance der zehn "Uncommon Values" zusammen tatsächlich über dem S&P 500-Index.

Bei den europäischen Aktien ist die Bilanz nicht ganz so rosig: Während im Börsenboomjahr 1999 alle zehn europäischen Werte zusammen ein Plus von 52 Prozent verbuchen konnten, gaben die Titel im Jahr 2000 um fast zehn Prozent nach. Im vorigen Jahr betrug das Minus sogar 30 Prozent. 2000 und 2001 lagen die "ungewöhnlichen Werte" damit unter der Kursentwicklung des FTSE World Europe Index. Ein vermeintlicher Lehman-Topwert 2001 - der britische Telekomwert Colt - verlor gar über 90 Prozent, Alcatel über 75 Prozent. Im Jahr 2000 verlor der Lehman-Favorit KPN fast 65 Prozent.

Das Problem einer Liste, die ein Jahr unverändert bleibt, sei ihre Starrheit, sagt André Enders, Analyst beim Bankhaus Lampe. " Wenn die Liste viele Trendwerte enthält und der Trend plötzlich umkippt, dann kann man von der Entwicklung überrollt werden."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%