Die 40-Jährige ist die weltweit einzige Chefin einer Fluggesellschaft
Barbara Cassani: Unternehmerin aus Leidenschaft

Nachdem British Airways seine Tochter Go Airlines an eine Investmentgesellschaft verkauft hat, startet Barbara Cassani durch: Die Gründerin und Chefin der britischen Billigfluggesellschaft setzt weiter auf Expansion und will das Unternehmen in zwei Jahren an die Börse bringen.

Das aufmunternde Lachen ist immer da. Nur die strahlende Zahnpasta-Frische hat bei Barbara Cassani ein wenig nachgelassen. Kein Wunder: Eine Fluggesellschaft neu an den Markt zu bringen kostet viel Kraft.

Vor allem die vergangenen Monate sind der Chefin der erst 1998 von ihr selbst gegründeten britischen Billig-Airline Go in die kleinen Furchen des Gesichts geschrieben. Lange hat ihr alter Arbeitgeber British Airways (BA) über den Verkauf der Tochtergesellschaft mit verschiedenen Interessenten verhandelt. Hart musste die 40-Jährige um ihre eigene und die Zukunft ihres "Babys" kämpfen. Doch es hat sich gelohnt: Barbara Cassani sitzt auch nach dem Verkauf von Go Airlines an die Beteiligungsgesellschaft 3i weiter am Steuerknüppel und startet durch.

Darauf hatte sie lange gewartet. Die schlanke, fast dürre Frau, die beim Sprechen ein atemberaubendes Tempo hinlegen kann und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt, hat stets erklärt, dass Go mit dem jüngeren und frechen Image nicht zur konservativen BA passe. "Energie, Leidenschaft und Zuverlässigkeit", so beschreibt sich die Top-Managerin - und ihre Marke. Die Airline, für Verspätungen und Ausfälle oft von enttäuschten Kunden kritisiert, muss da noch an sich arbeiten. Cassani selbst hat indes eine steile Karriere hingelegt.

In der Männerwelt von British Airways hat sie sich nie richtig wohlgefühlt

Die in Boston, Massachusetts, geborene Amerikanerin kam 1987 von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Coopers & Lybrand zu British Airways - mit 27 Jahren. Sie übernahm im Laufe der Zeit für BA verschiedene Führungsaufgaben, richtig wohl hat sie sich aber in der BA-Männerwelt nicht gefühlt.

Lachend zieht die einzige Airline-Chefin der Welt heute für den Umgang mit dem anderen Geschlecht auf ihre charmante Art ihr Fazit: "Ein Sinn für Humor hilft in schwierigen Zeiten - besonders im Umgang mit Männern." Doch nach zehn Jahren bei BA hatte sie 1997 die Nase so voll, dass sie aussteigen und in die USA zurückkehren wollte. Dem damaligen BA-Chef Bob Ayling sagte sie: "Ich will meine eigene Firma leiten." Und so kam es, wenn auch anders: Kurze Zeit später startete Cassani für BA die erste Billigfluglinie. Go war geboren.

Cassani, im privaten Leben mit einem Investmentbanker verheiratet sowie Mutter einer 9-jährigen Tochter und eines 6-jährigen Sohnes, hängt an ihrem Go-Baby. Sie kennt jedes Detail, hat nicht nur den Namen ausgewählt, sondern auch den Kaffee für den Bordservice - nach ihren Worten der Beste am Himmel.

"Das ist unsere Firma"

Auf solche kleinen Erfolge ist sie ebenso stolz wie auf die Tatsache, dass Go bereits in diesem Jahr in die schwarzen Zahlen fliegen wird. Wäre Go an einen Konkurrenzflieger verkauft worden - was durchaus im Gespräch war -, wäre dies für sie "vernichtend" gewesen, bekennt die Managerin. Und man glaubt es ihr aufs Wort.

Gemeinsam mit 3i hat sie Go für 100 Millionen Pfund übernommen. Ihre Abfindung von BA hat Cassani voll und ganz in das Projekt investiert: Ihr gehören jetzt vier Prozent am Unternehmen. Weitere 18,5 Prozent gehen an das Management und die 750 Mitarbeiter. Denn wenn Go nach Cassanis Plan in zwei Jahren an die Börse geht, sollen alle Beschäftigten ein Aktien-Ticket in der Tasche haben - vom Bodenpersonal bis zum Chefpiloten.

Seit der Gründung von Go vor drei Jahren habe sie gespürt: "Das ist unsere Firma." Mit aller Kraft setzt die temperamentvolle Firmenchefin auf dieses Wir-Gefühl. Mindestens einmal im Jahr bekommt jeder Beschäftigte von ihr persönliche Post: eine Geburtstagskarte. Und ihre Tür ist immer für Mitarbeiter offen, heißt es. "Sie kann ungeheuer motivieren", lobt ein früherer Kollege ihre Führungsqualitäten, "dabei ist sie klar und sagt, was los ist - und dafür lieben sie die Mitarbeiter."

Früher belächelt, heute hofiert

Als einzige Frau an der Spitze einer Airline wurde Cassani lange in der von Männern dominierten Branche belächelt. Heute wird sie in der Londoner City hofiert. Go will seine Passagierzahlen im nächsten Jahr gegenüber dem Jahr 2000 auf vier Millionen fast verdoppeln. Der Markt für Billigflieger werde seine aktuelle Flaute bald überwinden und weiter wachsen, sagt sie.

Am Himmel sei Platz für alle, lautet Cassanis Credo. Sie glaubt an den Erfolg von Go. Und sie setzt auf Expansion: Neben London-Stansted soll ein weiterer Standort auf dem europäischen Festland zum Standbein werden, neue Routen werden zu den 33 Linien hinzukommen.

Go Cassani, go!

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