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Die Affäre Ochner - drei Monate später

Er war der "König der Nebenwerte", dann der Inbegriff für skrupellose Geschäft am Neuen Markt. Kurt Ochner ist zunächst von der Bildfläche verschwunden. Aber einem erneuten Aufstieg steht wenig im Wege.

Es war auch ein Montag wie heute, nicht einmal drei Monate ist das jetzt her, da gab die Bank Julius Bär eine Personalie bekannt. Die Schweizer Bank ließ die Öffentlichkeit wissen, in Zukunft ohne ihr Vorstandsmitglied und früheres Aushängeschild Kurt Ochner auskommen zu wollen. Binnen Stundenfrist rauschten an der Börse Titel wie Catoosee und Novasoft in die Tiefe.

Bei Nebenwerten reicht schon ein kleiner Einsatz, um große Kursbewegungen auszulösen. Ochners Einsätze waren verhältnismäßig groß, der Wirbel gewaltig, der Katzenjammer nach dem Absturz schien grenzenlos.



Aber ist die Strategie deshalb verdammenswert? Als solche wohl nicht. Irgendwann hatte Ochner mit seiner eigenwilligen Auswahl eben den Bogen überspannt, das kann passieren. Vorher waren ihm die Analysten und Investoren in Scharen hinterher geschwommen. Viele hat er reich gemacht, nicht wenige haben beträchtlich verloren. Erklären lässt sich der durchaus beachtliche Erfolg, den Ochner erzielen konnte, auch damit, dass der gelernte Fallschirmspringer an mindestens zwei Fronten trommelte. Jede Erwähnung eines Titels in einer Nachrichtensendung, in einem Magazinbeitrag, brachte kleinen Firmen unverhältnismäßig viel Beachtung.



Enger als üblich war sein Kontakt zu den Firmen. Nur auf diese Weise gelang es dem Fondsmanager, aus aberwitzigen Kurszielen selbst erfüllende Prophezeiungen zu machen. "Konzentriere dich auf Engagements, bei denen etwas bewirkt werden kann, und lasse es die Welt wissen" - das Ochner-Prinzip.



Und von dem Spiel mit hohem Einsatz profitierten neben den Anlegern auch die Medienunternehmen. Star-Analysten sind nützliche Staffage, bringen Auflage und Einschaltquote. Nachdem die Fonds vor die Wand gefahren waren, hatten die verbliebenen Anleger die Zeche zu zahlen. Wer wollte das beanstanden? Halb Deutschland, so schien es, zumindest nach dem Crash. Auch mit dem Rauswurf ließ sich Geld verdienen.



Nun stellen sich wieder andere Fragen: Wird Ochner bald wieder einen Fonds leiten? Den Niedergang des SMH-Special-Fonds 1991/92 hat Ochner weggesteckt, was sollte ihn auf Dauer bremsen? Eine Kanzlei will noch Geld rausschlagen, aber an Ochner denkt sie nicht. Vorsatz lässt sich dem Spieler nicht nachweisen. Also geht es jetzt ums Kleingedruckte. Unangenehm könnte es für die Julius Bär Kapitalanlage AG werden, dass im JB Creativ jeder Hinweis auf die Risiken bei Investitionen in marktenge Fonds fehlte. Bei den in Luxemburg verwalteten Fonds ist das anders. Sollte die Prüfung abgeschlossen sein und einen Hebel bieten, in vier bis fünf Wochen, wird sich die Kanzlei Klaus Rotter lautstark zu Wort melden.



Inzwischen beherzigen eben selbst die Anwälte das Ochner-Prinzip. Das Bundesaufsichtsamt beobachtet derweil, wie sich Fonds vor Gewinnwarnungen verhalten haben - eine gute Idee.

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