Die Afghanistan-Konferenz in Bonn
Kommentar: Eine Chance

Niemand kann ernsthaft mit der schnellen Bildung einer Nachkriegsregierung in Afghanistan rechnen. Und dennoch ist die Bonner Konferenz am kommenden Montag eine Chance. Alle wichtigen innenpolitischen Kräfte außer den Taliban-Vertretern sitzen am Verhandlungstisch. Dies unterscheidet die Situation von den Uno-Vermittlungsaktionen früherer Tage.

Darüber hinaus wollen maßgebliche Nachbarstaaten wie Pakistan und der Iran einen Kompromiss, auch wenn ihre jeweiligen Interessen zum Teil weit auseinander liegen. Die Terroranschläge vom 11. September haben jedenfalls eine Eigendynamik entfaltet, die Druck auf die Akteure ausübt.

Die Eitelkeiten der Mittelmächte Großbritannien und Frankreich, die den Wiederaufbau Afghanistans als Wettbewerb für politische Relevanz ansehen, sollte man nicht überbewerten. Der Ansatz des Uno-Beauftragten Lakhdar Brahimi ist grundsätzlich richtig. Eine Lösung für das Armenhaus am Hindukusch muss aus dem Land heraus kommen. Jedes von außen aufgepfropfte Modell, das hat die Vergangenheit gezeigt, würde scheitern. Was immer die afghanischen Parteien aushandeln mögen: Eine Demokratie westlichen Zuschnitts wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Hinreichende Stabilität muss als vordringliches Ziel für Kabul gelten. Damit wäre schon sehr viel gewonnen.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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