Die Akteure im Kirch-Poker
Albrecht Schmidt - Der weiße Ritter

Er führt als Vorstandssprecher der HypoVereinsbank (HVB) Deutschlands zweitgrößte Bank. Doch in den großen Kapitalmarktzentren London oder New York ist Albrecht Schmidt, 63, kaum präsent. "Regional-Banker" nennen sie ihn in Frankfurt.

Schmidt kann mit seinem Ruf leben. Ihm ist geglückt, woran die selbstverliebten Frankfurter Kollegen mehrfach scheiterten: Banken miteinander zu fusionieren. Erst überraschte Schmidt 1998 mit dem Zusammenschluss von Hypotheken- und Wechselbank mit der Vereinsbank, zwei Jahre später dann mit der Übernahme der Bank Austria - immerhin die erste nennenswerte grenzüberschreitende Bankfusion in Europa.
Im Mai kommenden Jahres übergibt Schmidt die HVB einem Nachfolger - nach 24 Jahren im Vorstand und 13 Jahren an der Spitze. Funkstille ist in dieser Zeit aus München nicht zu erwarten: "Dem Mann juckt es noch in den Fingern", sagt ein Vertrauter. Offiziell würde Schmidt solche Ankündigungen nie machen: Der promovierte Jurist ist ein Banker alter Schule, still und verschwiegen. Er plaudert erst, wenn die Tinte auf den Verträgen trocken ist.

Ausgangslage: Das Papier des ersten Kreditvertrags ist längst vergilbt: Seit fast 50 Jahren finanziert die HypoVereinsbank Kirchs Filmgeschäft - das verbindet weit über die aktuelle Kreditsumme von knapp 500 Millionen Euro hinaus. So trat Albrecht Schmidt aus der vermeintlichen Münchner Abgeschiedenheit ins Rampenlicht und überraschte Banken, Politiker und Öffentlichkeit mit einem Kaufangebot: 1,3 Milliarden Euro will er der KirchGruppe für ihren Anteil von 40 Prozent am Axel-Springer Verlag (ASV) zahlen. Das Angebot machte Schmidt am Freitag Leo Kirch persönlich. Leo Kirch habe auch in schlechten Zeiten das Recht auf eine Bank, die zu ihrem Kunden steht. "Aufstehen, vorwärts gehen, nie resignieren, das Schicksal in eigene Hände nehmen, sich eine eigene Konjunktur machen", propagiert Schmidt stets. Mit Schmidts Offerte bleibt Kirch nun im Spiel: Er könnte damit sowohl die Forderung des Springer-Verlags (767 Millionen Euro) für die Rückgabe der Sat 1-Beteiligung bedienen als auch den Kredit der Deutschen Bank ablösen (615 Millionen Euro). Das Angebot der HVB gilt bis zum Wochenende.

Ziele: Leo Kirch ist ein Mann ganz nach dem Geschmack von Schmidt: Ein Unternehmer von echtem Schrot und Korn. So einen dürfe man nicht in die Enge treiben, ihn zu übereilten Entschlüssen nötigen oder gar untergehen lassen. Warum auch? Die HVB hat mit ihm gute Geschäfte gemacht - und Schmidt glaubt an weiterhin gute Geschäfte mit Kirch: "Das Ende der Mediengruppe würde auch den Verzicht auf ordentliche Erträge bedeuten", heißt es in München.

Chancen: Albrecht Schmidt ist gut vorbereitet, sein Angebot maßgeschneidert: Der Einstieg des Medienrambos Murdoch ist nicht notwendig, lautet seine Botschaft, vor allem an die Politik. Und den ungeliebten Rivalen aus Frankfurt hat er düpiert: Ein Aufspalten der KirchGruppe würde der Deutschen Bank wohl millionenschwere Provisionen bescheren - dafür ist im HVB-Angebot kein Platz mehr.
Und Springer-Mehrheitsaktionärin Friede Springer? Mit ihr ist der Vorstoß aus München abgesprochen, sie hat gegen die HypoVereinsbank als Finanzinvestor nichts einzuwenden. Offen bleibt nur: An wen verkauft Albrecht Schmidt das Springer-Paket später weiter? Er weiß sich in einer komfor-tablen Situation: An Interessenten an Europas größtem Zeitungshaus mangelt es nicht. Am Ende nimmt es ihm vielleicht sogar ein neu erstarkter Kirch wieder ab.


Wirtschaftswoche-heute

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