Die Akteure im Kirch-Poker
Erich Schumann - Der Absahner

Vor allem zwei deutschen Verlagshäusern wird Interesse an Leo Kirchs 40-prozentigem Springeranteil nachgesagt: der Essener WAZ-Gruppe um Geschäftsführer Erich Schumann und dem Münchner Burda-Verlag unter seinem Verleger Hubert Burda. Während es an der Isar heißt, man beteilige sich nicht an Spekulationen, gleich welcher Art, sagt Schumann frank und frei: "Wir schauen uns alles an."

Seit Februar wirkt Verlegerlehrling Bodo Hombach an Schumanns Seite; der einstige Kanzleramtschef Gerhard Schröders könnte eine Trumpfkarte im Gerangel um die Springer-Anteile werden. Schumann selbst war neben Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und Deutsch-Banker Rolf-Ernst Breuer am 27. Januar beim Geheimtreffen im hannoverschen Gasthaus "Wichmann" dabei. Aber auch Hubert Burda hat einen guten Draht zum Kanzler; jüngst beim Weltwirtschaftsgipfel in New York erst steckten die beiden die Köpfe zusammen. Ausgangslage: Fehlt Burda wohl das nötige Kleingeld, hat die WAZ-Gruppe Geld genug. Sie ist Deutschlands größtes Zeitungshaus nach Springer, was kaum jemandem auffällt, wenn er nicht gerade an Rhein und Ruhr oder in Thüringen lebt. Dort läuft ohne WAZ-Titel nichts. Zeitungen sind in Essen Ware. Die Gruppe könnte auch mit Würsten handeln. Anders Hubert Burda: Der Kunstfreund hegt ein besonderes Verhältnis zu seinen Titeln. Wo die Essener auf Understatement bis zur Piefigkeit setzen, verleiht der kleine Sonnenkönig seine Bambis vor laufender Kamera im ARD-Abendprogramm. Springer und Burda verbindet eine lange, sehr wechselhafte Geschichte. Ziele: Das Ziel der WAZ dürfte klar sein: das größte deutsche Zeitungshaus zu schmieden. Angeblich haben die WAZ-Männer Springer bereits angeboten, sich beim Einzug in Hamburg auf die "betriebswirtschaftlichen Abläufe" zu beschränken; Springer könne die publizistische Hoheit im eigenen Haus behalten. Doch so naiv wird niemand sein, die Verbindung von Budget und journalistischem Anspruch zu übersehen. Springers "Welt" mit ihren gigantischen Millionenverlusten etwa wäre unter den WAZ-Rechnern dem Untergang geweiht. Kein Wunder, dass sich Verlegerwitwe und Großaktionärin Friede Springer gegen ein Engagement der Essener wendet. Ihr Vorteil: Springer-Aktien sind vinkuliert; die Fesseln könnten im Falle WAZgreifen. Gegen einen Finanzinvestor dagegen hätte Friede Springer nichts. Chancen: Kauft die HypoVereinsbank Kirchs Springer-Anteile, bekommt Kirch Luft und die WAZ geht leer aus.

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