Die Akteure im Kirch-Poker
Hilmar Kopper - Der Pate

Ein wahrer Selfmademann, Leo Kirch ähnlich, ohne Studium, ohne alte Beziehungen. 1990 wurde Hilmar Kopper Vorstandssprecher der Deutschen Bank, seit sechs Jahren zieht er als Aufsichtsratschef des mächtigsten deutschen Geldhauses die Fäden im Hintergrund. Wie im Fall Kirch. Die Schmutzarbeit durfte Vorstandssprecher Rolf-Ernst Breuer leisten, als er den Medienmogul, der mit 615 Millionen Euro bei der Deutschen Bank in der Kreide steht, öffentlich an den Pranger stellte: Der Mann sei nicht mehr kreditwürdig.

Ausgangslage: Die Zeiten der Duzfreundschaften, etwa zwischen Kirch und Kopper-Vorgänger Alfred Herrhausen, sind vorbei. Längst geben die Banker in London und New York den Ton in der Deutschen Bank an. Und mit dem Schweizer Josef Ackermann bekommt sie im Mai nun folgerichtig den ersten Ausländer an die Spitze. Kopper hat den Wandel forciert und die Bank konsequent auf das Investmentbanking eingeschworen. Ein Geschäft, in dem das Wort "national" nicht mehr existiert. Sichtbares Zeichen ist die jüngste Führungsstruktur der Bank: Der deutsche Vorstand nickt ab, was angelsächsische Manager im Exekutivkomitee beschließen.

Ziele Kirchs Kragenweite ist Hilmar Kopper viel zu klein, viel zu deutsch. Ihm liegen Medienkonzerne wie Bertelsmann oder wie Rupert Murdochs News Corporation mehr. Sie versprechen das bessere Geschäft: Murdoch mischt international mit, in den USA, in Australien, Asien und Europa. Murdoch ist auf dem internationalen Parkett zu Hause - dort, wo auch Kopper seine Heimat sieht. Seit Mitte der Achtzigerjahre sind beide Häuser Partner. In Bankenkreisen heißt es, die Deutsche Bank habe sich ein Mandat Murdochs für den Einstieg bei Kirch besorgt. Denn sie braucht dringend Erfolge im im Investmentbanking.

Eine "nationale Lösung", wie von Politikern und Medien gefordert - allein dieser Begriff ist Kopper zuwider. Unverhohlen lässt der 67-Jährige über Vertraute erklären, die "nationale Abschottung ist keine Lösung und für Deutschland kontraproduktiv". Ein nationaler Streichelzoo für Medienunternehmer sei die denkbar schlechteste Idee. Zudem ist Kopper auch Aufsichtsratschef von DaimlerChrysler. Dem Autokonzern ist die Kirch-Beteiligung an der Formel 1 schon lange ein Dorn im Auge. Deshalb Koppers Plan zur Zerschlagung des Kirch-Konzerns: Die Formel 1 geht an die Automobilkonzerne, Murdoch bekommt mindestens den Pay-TV-Sender-Premiere und vielleicht auch noch die Springer-Anteile, die Banken beteiligen sich am Rest.

Chancen: Sollte Kirch das Angebot der HypoVereinsbank zur Übernahme des Springer-Anteils annehmen, hat er sich erst einmal Luft verschafft. Der Kopper-Plan zur Aufspaltung des Medienkonzerns wäre gescheitert - doch der begossene Pudel wäre Koppers Vorstandsprecher Breuer.


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