Die Akteure im Kirch-Poker
Rupert Murdoch - Der Leibhaftige

Egal, welche Aufführung - bevor Rupert Murdoch die Bühne betritt, ist ihm schon die Rolle des Schurken gewiss. In dem halben Jahrhundert, seit ihm sein Vater einen kleinen australischen Regionalverlag hinterließ, hat sich der Wahlamerikaner auf drei Kontinenten ein Imperium und den Ruf eines "Dschingis-Khan der Medienwelt" erarbeitet.

Ausgangslage: Rupert Murdoch, urteilt ein ehemaliger Freund, "will die Welt beherrschen". In Großbritannien erreichen seine Zeitungen Millionen. Der von ihm kontrollierte Sender BSkyB hat sich mit aggressivem Marketing als der erfolgreichste Pay-TV-Anbieter in Europa etabliert. Doch weil die Labour-Regierung trotz des guten Verhältnisses zwischen Tony Blair und Murdoch zögert, das Kartellrecht zu lockern, bleibt Murdoch die Expansion in das terrestrische Fernsehen versperrt. In Kontinentaleuropa hat Murdoch zwar im Laufe der Jahre mit so gut wie allen möglichen Partnern verhandelt, so richtig Fuß fassen konnte er aber nirgends.

In Italien stieg er beim Pay-TV-Kanal Stream ein, eine Fusion mit Vivendis Telepiù aber blockiert die Wettbewerbsaufsicht. Jetzt will sich Murdoch frustriert zurückziehen. In Deutschland erwies sich das Engagement bei Vox und TM3 ebenfalls nicht als das erhoffte Sprungbrett. Auch in den USA, Murdochs eigentlichem Heimatmarkt mit der TV-Kette Fox musste er Ende November von seinem größten Traum Abschied nehmen. Der US-Satellitensender DirecTV ging an den viel kleineren Wettbewerber EchoStar. Murdochs Sky Global Networks mit 85 Millionen Haushalten in Asien, Lateinamerika und Europa, bleibt weiter ohne eine US-Präsenz.

Ziele: Wer BSkyB-Chef Tony Ball auf Leo Kirch anspricht, bekommt eine eindeutige Antwort: Der hoch gewachsene Brite rollt die Augen und stöhnt. Im Hauptquartier von BSkyB in London lässt man keinen Zweifel aufkommen, dass man den Münchner Managern die Schuld am mangelnden Erfolg von Premiere gibt. Mit Rückendeckung Murdochs dreht Ball die Schrauben um Kirchs Daumen nun immer enger. BSkyB will die vereinbarte Ausstiegsoption nutzen, nach der Kirch im Oktober zwei Milliarden Euro - den Kaufpreis plus zwölf Prozent Zinsen - zurückzahlen muss. "Wir werden keinen Pfennig mehr in Premiere investieren", sagt Ball. Das Problem der Briten: Anders als die Banken haben sie für ihre Ansprüche keine festen Sicherheiten. In New York gibt sich Murdoch derweil verwundert über die Angst der Deutschen vor einer Übernahme Kirchs. "Ich sehe nicht, wie wir die Beziehung aufrechterhalten können, ohne mehr Geld zu investieren und dazu sind wir nicht bereit", lässt er als kurzes Statement verbreiten.

Fraglich ist jedoch, ob Murdoch trotz solcher Rückzugsankündigungen nicht doch unverändert nach der Mehrheit an Premiere schielt. Denn auch in der Vergangenheit dementierte er immer wieder Interesse am deutschen Pay-TV, nur um weniger später dort einzusteigen. Möglich ist auch, dass Murdoch sein Engagement in eine größere Beteiligung am gesamten Fernsehgeschäft Kirchs umwandeln will. Am liebsten wäre ihm der ganz große Wurf: Wiederholt hat Murdoch dementiert, dass ihn eine Beteiligung an Springer reizen würde. Doch genau darauf ist er so scharf wie auf den richtigen Einstieg bei Kirch.

Chancen:Eine große deutsche Koalition will Murdoch um - fast - jeden Preis aus dem heimischen Medienmarkt heraushalten. Deswegen bleiben seine Chancen hier zu Lande nach wie vor begrenzt. Die Deutschland AG liebt auch - oder gerade - im Mediensektor den Wettbewerb, den sie sonntags stets zu preisen pflegt, gar nicht. Die Angst vor einer Übermacht Murdochs ist nur vorgetäuscht: Auch für den Australo-Amerikaner würden dieselben restriktiven Wettbewerbsregeln gelten wie für alle anderen Medienunternehmer in diesem Lande.


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