DIe Akteure im Kirch-Poker
Thomas Middelhoff - Der Beobachter

Der Vorstandschef der Bertelsmann AG kann sich zurücklehnen. Sein Konzern ist von dem Kirch-Poker kaum betroffen.

Ausgangslage: Eine der ersten strategischen Entscheidungen von Thomas Middelhoff war der Ausstieg von Bertelsmann aus dem Bezahlsender Premiere. Von Pay-TV hielt der damals frisch gebackene Vorstandschef nicht viel. Filme, so seine Einschätzung, würden in Zukunft übers Internet vertrieben. Auch wenn es da noch hakt, Recht hatte Middelhoff mit dem Ausstieg allemal. Denn Premiere World mit seinen Riesenverlusten hat Leo Kirch in die Situation gebracht, in der er jetzt steckt. Middelhoff reagiert unwirsch, wenn er auf Kirch angesprochen wird. Er sieht sich und seinen Konzern als Global Player, Kirch ist für ihn nur ein nationaler Konkurrent, etwas für Abteilungsleiter. Dennoch war er sich nicht zu schade, am Sonntag vor zwei Wochen im Gasthaus "Wichmann" in Hannover als Beobachter dabeizusitzen. Kann ja nix schaden.
Michael Dornemann, der einst das Fernsehgeschäft für Bertelsmann leitete, wurde von Leo Kirch ein ums andere Mal öffentlich vorgeführt. Kirch setzte gegen Premiere die Konkurrenz DF1, kaufte dafür viel zu teuer die Pay-TV-Rechte aus Hollywood und ließ auch sonst keine Gelegenheit zum Streit aus. Das hängt noch in den Kleidern.

Ziele: Middelhoff hat sich zwar zum Medien-Jalta in Hannover eingefunden, aber aus den Trümmern eines bankrotten Kirch-Konzerns wäre für ihn nur wenig Interessantes zu holen. Den in Deutschland erlaubten Zuschauermarktanteil von 30 Prozent hat Bertelsmann nahezu erreicht. Sein wichtigstes Motiv: den Konkurrenten Rupert Murdoch draußen halten. Und vielleicht einige Sportrechte für RTL.

Chancen: Middelhoff kann mit dem Ergebnis, wie es sich jetzt abzeichnet, leben. Murdoch ist wohl erneut verhindert. Der Rest ist nicht so wichtig.


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