Die Akteure im Poker um Kirch
Die Jagd auf Mister K.

Die Jagd auf Mister K. begann am 27. Januar in Hannover. Im Gasthof Wichmann trafen sich Bundeskanzler Gerhard Schröder, Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer, Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und WAZ-Eminenz Erich Schumann. Die Runde verabredete, den bayrischen Medienunternehmer waidwund zu schießen und dann auszuweiden.

Drei Tage später, am 30. Januar, zog der Springer-Verlag, der traditionell gute Beziehungen zur Deutschen Bank pflegt, die Put-Option, die der Zeitungsverlag auf 11,5 Prozent an der Pro Sieben Sat 1 Media AG hat. Obwohl es nach Angaben der Kirch-Gruppe schon eine verträgliche Einigung gegeben hatte, schwenkte der neue Springer-Chef Mathias Döpfner auf den harten Kurs um. Er konfrontierte Kirch mit einer Forderung von 770 Millionen Euro, zahlbar in drei Monaten.

Kurz darauf, am 4. Februar, legte Breuer noch eins drauf. In fast allen Zeitungen der Welt wurde sein für Kirch fataler Satz zitiert: "Was man alles darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." Ein beispielloser Akt öffentlicher Bloßstellung eines Kreditnehmers. Nun war bei Kirch endgültig Feuer unterm Dach.

Vier Tage später, am 8. Februar, verkündete Kirch-Partner Rupert Murdoch - auch er mit der Deutschen Bank freundschaftlich verbunden - er habe das Geld, das in dem Bezahlsender Premiere steckt, komplett abgeschrieben. Gutes Geld werde er schlechtem nicht hinterherwerfen.

So viel an geballter Ladung musste Leo Kirch noch nie verkraften. Politik, Konkurrenten, Banken, Medien - öffentlich spekulierte plötzlich alle Welt über die drohende Insolvenz des Imperiums.

Ausgangslage: Kirchs Lebenswerk stand auf dem Spiel - und mit ihm die behagliche Ordnung in der deutschen Medienszene. Ganz aus eigener Kraft baute der heute 75-Jährige einen Konzern mit 12 000 Mitarbeitern auf. Außer Ideen und einem klapprigen VW brachte der fränkische Handwerkersohn nichts an Startkapital ein. Er begann als Filmhändler, kaufte in Italien, Frankreich und natürlich in Hollywood die Rechte an den neuesten Streifen und gab sie gegen gutes Aufgeld an ARD und ZDF weiter.

Mit der Einführung des Privatfernsehens in den Achtzigerjahren kam für Kirch der eigentliche Sprung. Vom bloßen Filmhändler wandelte er sich zum Fernsehunternehmer (Sat 1, Pro Sieben, Premiere), wurde Filmproduzent, erwarb und vermarktete die wichtigsten Sportrechte (Fußballbundesliga, Weltmeisterschaft, Formel Eins). Wirklich ernst genommen wurde er jedoch erst, als es ihm gelang, Großaktionär des Springer-Verlages (40,02 Prozent) zu werden. Damit hatte er die Hand auf der "Bild"-Zeitung und wurde auch politisch ein Schwergewicht.

Doch plötzlich zählt das alles nicht mehr. Jetzt zählen nur noch die Schulden. Sechs Milliarden Euro Verbindlichkeiten schleppt die Kirch-Gruppe mit sich herum. Einerseits sind das Darlehen von Banken, allen voran der Bayerischen Landesbank (1,9 Milliarden Euro), der Deutschen Bank (660 Millionen Euro) und der Dresdner Bank (460 Millionen Euro), anderseits Beteiligungen, die mit einer Ausstiegklausel versehen sind.

Quelle: Wirtschaftswoche heute

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