Die Aktie des Beratungsunternehmens gilt schon wieder als überbewertet
MLP bleibt eine Glaubenssache

Eine gute Art, seinen Kreislauf auf Trab zu bringen, ist der Kauf einer MLP-Aktie. Denn zu den Eigenheiten des Papiers zählt, dass es sich nur ungern im Mittelfeld des Deutschen Aktienindex aufhält, sondern tendenziell zu den Eckpunkten strebt - so auch vergangene Woche nach dem Ausblick für das Geschäftsjahr 2003.

FRANKFURT/M. Einsam stand der Titel des Heidelberger Finanzdienstleisters im Plus, während alle anderen Vorzeichen rot zeigten. Und auch zum Wochenauftakt fanden sich mehr Käufer als Verkäufer, was zu einem Kurssprung von über 8 Prozent reichte.

Das war bei weitem nicht immer so, die MLP-Aktionäre gehören zu den leidgeprüftesten Anteilseignern überhaupt. Innerhalb eines Jahres schmierte die Aktie von 71 Euro auf zuletzt 11,96 Euro ab, und als Krönung fiel jetzt zum ersten Mal seit dem Börsengang 1988 die Dividende aus. Für 2001 hatte MLP noch 0,50 Euro je Anteil gezahlt.

Aber das ist natürlich alles "history", wie auch Lauschangriffe auf den Vorstand oder Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insiderhandel. MLP stellt sich seit der Bilanz-Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag als Unternehmen dar, das geläutert aus der bisher schlimmsten Krise gekommen ist. Finanzchef Uwe Schroeder- Wildberg hat nach massiver Kritik an der Rückversicherungsfinanzierung des Neugeschäfts die Bilanz auf eine neue Grundlage gestellt. So weit, so gut, aber an der Börse wird bekanntlich die Zukunft gehandelt, und hier versprechen sich einige Investoren offenbar wieder Chancen.

Auslöser waren die 13 000 Neukunden in den ersten drei Monaten - mehr, als viele Analysten erwartet hatten. Und Vorstandschef Bernhard Termühlen streute noch mehr Bonbons aus: Mit Provisionserlösen von 720 Euro pro Kunde liege MLP besser als andere europäische Dienstleister. Ein Drittel aller Humanmediziner seien Kunden. Bei anderen Berufsgruppen sei der auf Akademiker spezialisierte Berater ähnlich gut angekommen.

Das sind sicher gute Argumente dafür, dass das Geschäftsmodell weiter intakt ist. Allerdings sind die Aussagen zum Neugeschäft im bisherigen Jahresverlauf vage. In den wichtigen Bereichen - Lebens- und Sachversicherungen - blieb MLP "auf beziehungsweise einstellig unter dem starken ersten Quartal" - im Klartext heißt das Stagnation. Und bei den Krankenversicherungen ergab sich sogar ein Minus von circa 20 %. Erst am 27. Mai kommen konkrete Zahlen. Dabei hat das MLP-Management als Ergebnisziel 65 Mill. Euro Vorsteuergewinn für 2003 ausgegeben - mutig in einer Zeit, in der sich viele Top-Unternehmen so genau nicht festlegen wollen. Für den Anleger ist das zwar eine klare Messlatte für den Erfolg - andererseits droht damit natürlich die Gefahr, dass es immer wieder Spekulationen über eine bevorstehende Gewinnwarnung geben wird. Letztlich bleiben auch die fast schon chronischen Unsicherheitsfaktoren der staatsanwaltlichen Ermittlungen wegen des Verdachts unrichtiger Bilanzierung und der mögliche Rauswurf aus dem Dax . Zumindest letzteres wäre für die Aktie ein "non event", wie ein Analyst bemerkt, weil Fondsmanager nicht mehr so stark engagiert seien wie früher.

Soll man es jetzt wieder wagen, auf ein Comeback für das im letzten Jahr von Hedge Fonds gebeutelte Papier zu setzen? Noch nicht, aber aus einem eher banalen Grund: Nach den Kurssteigerungen der vergangenen Tage ist MLP mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 25 für 2003 und einem Kurs- Buchwert-Verhältnis von rund fünf "deutlich überbewertet", meint Olaf Kayser, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. An schwachen Börsentagen kann sich ein Kauf dagegen langfristig lohnen, vorausgesetzt, man glaubt an die endgültige Wende zum Besseren.

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