Die Aktie hat noch viel Spielraum nach unten
ARM Holdings könnte die Optimisten wieder enttäuschen

Wenn eine Aktie in die Knie geht, gibt es immer einige Investoren, die nicht widerstehen können, einfach weil der Titel so billig aussieht. Wie gefährlich diese Verlockung sein kann, hat gerade ARM Holdings demonstriert.

NEW YORK. Das Unternehmen, das Chips für Mobiltelefone und andere Geräte entwirft, hatte den Markt vor zwei Wochen mit einer Gewinn- und Umsatzwarnung schockiert. Der Warnung folgte eine Reihe von Herabstufungen durch Analysten, aber es wurde auch von einer Überreaktion des Markts gesprochen, der Fall des ARM-Kurses von 125 auf 45 Pence sei übertrieben. Dahinter stand das Wunschdenken, dass sich zwar die Aussichten für die Firma verschlechtert hätten, aber der Karren alles in allem gar nicht so tief im Dreck stecke.

Doch der Karren steckt im Dreck, und die Aktie könnte noch billiger werden. Bei der Vorlage der Quartalsergebnisse sprach das ARM-Management über schnell wachsenden Pessimismus. Bis zum Jahresende sollen daher zehn Prozent der Belegschaft gehen.

Nach diesen Hiobsbotschaften verloren ARM-Titel weiter. Selbst auf diesem niedrigen Niveau werden die Papiere noch mit dem zwanzigfachen Wert der Gewinnprognosen für 2003 gehandelt, die zudem seit Beginn des Monats deutlich zurückgenommen wurden. Merrill Lynch hat die Gewinnerwartungen je Aktie für 2003 auf 1,79 Pence zurückgenommen. Das ergibt ein KGV von 25. Damit ist ARM immer noch hoch bewertet, wenn man bedenkt, dass das Wachstumsargument erst einmal ausgespielt hat.

In der Vergangenheit meinten Optimisten, ARM verdiene einen Aufschlag von 25 Prozent, weil die Firma den Markt der Chip-Gestaltung dominiere. "Das Argument lautete, ARM ist relativ immun gegenüber zyklischen Schwankungen, ein sicherer Hafen mit einer Umsatzsteigerung in jedem Quartal," sagt Steve Woolf, Technologie-Analyst bei Commerzbank Securities. "Das trifft leider nicht zu. Warum also der Aufschlag?"

Sollte ARM also wie ein Halbleiterunternehmen oder wie ein Softwareunternehmen bewertet werden? Das Unternehmen verbucht Einnahmen aus Lizenzen wie ein Softwarehaus. Der Geschäftsbereich ist nicht so kapitalintensiv wie der eines Halbleiterhersteller, und ARM ist nicht auch nicht an den Halbleiterzyklus gebunden.

Auch wenn ARM-Chairman Robin Saxby eingeräumt hat, dass die Flaute in der Halbleiterbranche ARM jetzt doch eingeholt hat, betonte er gleichzeitig: "Ich glaube nicht, dass das Geschäftsmodell von ARM notwendigerweise eng an den Branchenzyklus gekoppelt ist." Doch die jüngste Verschlechterung der Geschäftslage zeigt eben genau dies, urteilt Woolf. In einem normalen Zyklus wäre das Unternehmen vielleicht noch nicht einmal betroffen, weil die Halbleiterfirmen ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung nur als letzten Ausweg kürzen. Wenn es aber - wie derzeit - die Budgets für Forschung und Entwicklung tatsächlich gestrafft werden, dann mutiert ARM zum Zykliker.

Wenn das der Fall ist, verdient ARM in der Bewertung vielleicht einen Bereich, der zwischen dem Zwanzigfachen der Gewinne für 2003 - dem man Software-Firmen zubilligt - oder dem Dreizehnfachen - dem man europäischen Halbleiterfirmen zubilligt - liegt. Egal welcher Bewertung man zuneigt, die Aktien haben immer noch Spielraum nach unten.

Quelle Handelsblatt:

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