Die Alternative zum Butterbrot
Exquisa - Alles Käse

Vier von fünf Deutschen kennen Exquisa. Hersteller Karwendel hat vor Buko daher keine Angst mehr. Aber der Siegeszug der Handelsmarken verunsichert.

Über das Thema Handelsmarken redet Volker Buchholz gar nicht gerne. Wird der grauhaarige Mann mit der runden Brille auf die Billigmarken der Supermärkte angesprochen, lässt er sich nur so viel entlocken: "Der Anteil der Handelsmarken wird auch in der Milchindustrie weiter steigen." Zuletzt lag der Wert für Käse bei 30%, über alle Warengruppen verzeichnet der Handel einen Anteil von 26%.

Als Vertriebschef des Quark- und Frischkäseherstellers Karwendel- Werke verfolgt Buchholz den Aufstieg der Billigkonkurrenz mit Sorge. Dennoch mischt das Unternehmen aus Buchloe im bayerischen Allgäu auch in diesem Geschäft mit. Die Karwendel Huber-Werke GmbH & Co. KG produzieren Eigenmarken für Supermärkte und Discounter und bieten ihre Dienste auf der weltgrößten Private-Label-Messe in Amsterdam an. "Handelsmarken helfen uns, die Kostenführerschaft zu übernehmen", sagt das Mitglied der Geschäftsleitung. Wie hoch deren Umsatzanteil im Hause Karwendel ist, behält Buchholz für sich. "Das Niveau sollte das des Marktes nicht übersteigen, sondern möglichst darunter bleiben."

Könnte Buchholz sich das Thema aussuchen, über das er sprechen sollte, ginge es um sein bestes Pferd im Stall: "mmmh..., keiner schmeckt mir so wie dieser". Der Werbeslogan, gesungen von einer hellen Frauenstimme, ist vielen Verbrauchern so bekannt, dass Karwendel schon fast auf die Erwähnung der Frischkäse-Marke verzichten könnte.80% aller Deutschen kennen das Produkt "Exquisa", wie eine Untersuchung des Mittelständlers zeigt.

Seit 1909 ist das bayerische Unternehmen am Markt und produzierte lange Jahre Käseprodukte aller Art. 1969 kreierte Helmut Huber, Sohn des Gründers Franz, die Frischkäsemarke "Exquisa" und entwickelte sie kontinuierlich weiter. Heute ist sie die Nummer zwei, hinter dem Marktführer "Philadelphia", der über Kraft Foods zum Nahrungsmittelkonzern Altria - ehemals Philip Morris - gehört. Die zweite Karwendel-Marke "Miree" gilt als umsatzstärkste Frischkäsezubereitung. Und während Kraft Foods (rund 5 %) und "Bresso"-Anbieter Unilever (circa 1,5 %) in den vergangenen zwei Jahren laut Marktforschungsinstitut Nielsen Marktanteile verloren haben, legte Karwendel um gut 4% zu.

Trotzdem gehört das bayerische Unternehmen nicht zu den großen Anbietern der deutschen Milchwirtschaft. Laut Ranking des Th. Mann-Verlages, der die Fachzeitschrift "Milchpraxis" herausgibt, hat das Familienunternehmen es 2002 nur auf Platz 31 geschafft. Die Großen des Marktes heißen Nordmilch, Humana Milchunion, Campina und Müller.

"Wachstum ist keine Frage der Größe", sagt Wilfried Huber, geschäftsführender Gesellschafter von Karwendel dazu, "sondern des Grades der Veredelung." Im Klartext: Karwendel will unter den eigenen Marken hochwertige Qualitätsprodukte anbieten, Volumen alleine interessiert ihn nicht. Dennoch gibt Huber zu, das ein Umsatz von 198 Mill. Euro nicht ausreicht, um dauerhaft bestehen zu können. "Wir haben die kritische Masse, um langfristig dabei zu sein, noch nicht erreicht", sagt er. Mit einem Umsatzplus von 2 Mill. Euro hat Karwendel sich 2002 noch ganz gut geschlagen, wenn auch der Ertrag unter sinkenden Preisen und steigenden Kosten litt, wie der Firmenchef sagt. Die deutsche Milchindustrie hat 2002 bei 19,2 Mrd. Euro Umsatz ein Minus von knapp 9% hinnehmen müssen. Karwendel schreibt nach wie vor schwarze Zahlen.

Huber, der das Unternehmen seit zwei Jahren führt, will den aktuellen Exportanteil von 25% mittelfristig auf 40% steigern. Dazu hat er voriges Jahr 3,5 Mill. Euro in die Produktionskapazitäten in Buchloe investiert, um sie bei steigender Nachfrage problemlos aufstocken zu können. Insbesondere in den osteuropäischen Ländern will Karwendel sich stärker engagieren. Schon heute ist das Unternehmen unter anderem in Polen und Rumänien aktiv. Hier sieht er auch das größte Potenzial für sein Unternehmen, sagt Huber. Karwendel stehe kurz vor dem Abschluss eines Geschäftes in Osteuropa, erzählt ein Mitarbeiter. Ob es sich dabei um die Akquisition eines Wettbewerbers oder den Bau eigener Produktionsstätten handelt, will Huber noch nicht verraten.

Das finanzielle Polster ist bei den Bayern in jedem Fall vorhanden. Wenn in zwei Jahren die letzten Darlehen aus früheren Zeiten abgezahlt sind, hat Karwendel eine Eigenkapitalquote von stolzen 100 %.

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