„Die andere Altstadt“
Mopsfideles Einkaufsvergnügen

Touristen verirren sich nur selten in Düsseldorfs Hohe Straße. Sie verpassen eine einzigartige Flaniermeile.

Dass hier Emile seit Jahren den ganzen Tag auf dem Bürgersteig einer Straße verbringt, verwundert nicht. Platz genug hat sie, denn in Düsseldorf-Reiseführern und den Insider-Heftchen von Lifestylemagazinen sucht man die Hohe Straße vergeblich. Und das ist auch gut so, denn ansonsten müsste sich Emile, die elfjährige Golden-Retriever-Hündin, womöglich einen anderen Platz zum Fläzen, Schlafen und Passanten-Beobachten aussuchen als den schmalen Bürgersteig vor dem Einrichtungshaus Decorum, wo ihr Herrchen arbeitet.

Tagestouristen aus dem Um- und Ausland, die oft in ganzen Reisebussen in das Einkaufsparadies Düsseldorf gekarrt werden, schaffen es nur selten über die nur einen Steinwurf entfernte Königsallee und die Schadowstraße hinaus.

Sie ignorieren meist die Hohe Straße, die Lebensader des Stadtteils Karlstadt, der auch "die andere Altstadt" genannt wird. Benannt ist sie nach Kurfürst Karl Theodor der Pfalz, der das vornehme Viertel mit den geometrischen Straßenzügen Ende des 18. Jahrhunderts anlegen ließ und mit einer Art Steuerabschreibungsmodell eine ansehnliche Bebauung ermöglichte. Seinen aristokratischen Charakter hat sich dieser Stadtteil mit malerischen Innenhöfen und seinen zahlreichen Kunst- und Antiquitätengeschäften bis heute bewahrt.

Statt dröger Filialisten gibt es hier fast nur inhabergeführte Einzelhandelsläden, die meist schon seit Generationen ansässig sind und sich auf ihre Stammkundschaft verlassen können. Dafür nehmen diese schon mal recht "kreative" Öffnungszeiten in Kauf, etwa wenn ein Antiquitätenhändler erst um elf öffnet. Wer sich die Zeit bis dahin vertreiben will, schaut und schnuppert am besten in der 1892 gegründeten Bäckerei Hinkel in der Nummer 31 vorbei, wo rund 50 Brot- und 14 Brötchensorten locken. Kulinarisches Herz der Landeshauptstadt sind die hier ansässigen Wein- und Feinkostläden und der tägliche Markt auf dem angrenzenden Karlplatz ohnehin. Die Weihnachtsgans bestellen sich Düsseldorfer traditionell bei "Münstermann", der im Laufe der Jahre auf zwei Geschäfte in den Häusern mit den Nummern 9 bis 13 gewachsen ist.

Durchgangsverkehr gibt es trotz der zentralen Lage kaum. "Hier fühle ich mich auch als Verkäufer nicht wie an einer Autobahn, die Kunden haben meist Zeit mitgebracht, wenn sie hier einkaufen", sagt Frederic Guelton, der im "Vinique" in Nummer 19 internationale Spitzenweine verkauft. Flankiert ist sein Weinladen von einem Strumpfgeschäft im alten Stil und der Altstadt-Buchhandlung; ein Haus weiter stehen im Horse-Shop allerlei edles Zubehör und Bekleidung für passionierte Reiter im Schaufenster.

Gleich gegenüber bietet der gelernte Büchsenmachermeister Michael Fey schon in sechster Generation Jagdausrüstungen vom Federnhut über das Gewehr bis zur karierten Kniesocke feil. Und das unscheinbare Geschäft in der Nummer 15, Gölzner Sicherheitstechnik, hat nicht nur so manche Düsseldorfer Haustür, sondern auch schon den nordrhein-westfälischen Landtag und Düsseldorfer Großunternehmen wie die Victoria-Versicherung oder Vodafone sicherer gemacht.

Wem der Bummel zu anstrengend wird, kann sich bei einem der drei Italiener, dem Inder oder dem portugiesischen Restaurant zum Lunch niederlassen. Geht beim Essen ein Bissen aufs Hemd: Die Altstadtreinigung ist gleich gegenüber. Es ist diese illustre Mischung aus Geschäften für den täglichen Bedarf, Friseuren, opulenten Blumenläden, Spezialgeschäften und mittendrin einer zünftigen Altbierkneipe, die den Charme der Straße ausmacht.

Ein Charme, der auch den mondänen, aber doch anonymen Luxus der Edelboutiquen ein paar Ecken weiter reizvoll kontrastiert. "Die Anliegergemeinschaft ist hier intakt", sagt Ruth Benninghoven vom "Arts Decoratifs". Man kennt sich und hilft auch der Konkurrenz mal aus. Auch Hündin Emile ist bei gelegentlichen Erkundungstouren in den umliegenden Geschäften gern gesehener Besucher.

"Für diesen Charme kommen manche Kunden sogar von weit her", sagt Josef Knappheide, Inhaber des 160 Jahre alten Angler- und Bootsbedarfsgeschäfts Manns in Nummer 7. "Viele Kunden, die vor Jahren nach Südeuropa ausgewandert sind, decken sich bis heute auf Besuch nur bei uns ein", sagt er sichtlich stolz. Auf der verwinkelten Verkaufsfläche mit der Größe eines Wohnzimmers warten Hochseejacken, Angelruten, Teakholzlacke, alle möglichen Seile und regalweise Bootsliteratur auf Käufer.

Doch so ganz löst sich auch die Hohe Straße nicht vom leicht dekadenten Hauch der nahen Kö und ihrer typischen Klientel. "Ich bediene hier vor allem die Premium-Tierfutterschiene", sagt Klaus Menestret vom Tierbedarfslädchen "Mopsfidel" in der Nummer 47 in breitem Rheinisch. Neben den Futterpackungen Hair & Skin 33 Royal - für Katzen mit Haut- und Fellproblemen - baumeln Hundeleinen mit Strassbesatz und pinkfarbenen Boafedern an der Wand. Feine Winter- und Regenmäntelchen sowie ein Köfferchensortiment mit Sicht- und Atmungsöffnungen für den lauffaulen Hund runden das Angebot ab. Man munkelt, Schauspieler und andere Prominente aus dem ganzen Rheinland und Ruhrgebiet gäben sich in seinem Laden die Klinke in die Hand, "aber da möchte ich aus Diskretionsgründen keine Namen nennen", sagt Menestret und lächelt wissend.

Inside Hohe Straße

Bootsbedarf Manns

Hausnr. 7b, 0211/133811 Feinkost Münstermann Hausnr. 9-13, 0211/130040

Gölzner Sicherheit Hausnr. 15, 02 11/866 610

Fey Jadausrüstungen Hausnr. 16, 0211/323343

Altstadt-Buchhandlung Hausnr. 17, 0211-320239

Decorum Hausnr. 18, 0211/8284528

Weinhandlung Vinique Hausnr. 19, 0211/168488

Horse Shop Hausnr. 19, 0211/133172

Arts Decoratifs Hausnr. 20, 0211/324553

Bäckerei Hinkel Hausnr. 31, 0211/328758

Mopsfidel Hausnr. 47, 0211/324769

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