Die Angebotspalette erweitert sich zu neuen Geschäftsfeldern und Finanzierungslösungen
Es muss nicht immer nur Leasing sein

Leasinggesellschaften bieten nicht nur Leasing an. Die Angebotspalette wird immer breiter. Neben unterschiedlichen Finanzierungslösungen werden auch Zusatzleistungen angeboten. Autobanken erweitern ihr Geschäft um Dienstleistungen im Versicherungs- und Direktbankbereich.

LAGE. Beim Leasing sind die Autofinanzierer nicht stehen geblieben, auch wenn es Erhebungen des Ifo-Instituts zufolge im Jahr 2000 mit einem wertmäßigen Anteil von 53 % an den gesamten Fahrzeuginvestitionen der deutschen Wirtschaft zur "bevorzugten Beschaffungsform" bei Fahrzeugen avanciert ist. Die Banken und Leasinggesellschaften der Automobilwirtschaft entwickelten darüberhinaus und neben der klassischen Standardfinanzierung eine neue, heute bereits recht verbreitete Finanzierungsform, die so genannte 3-Wege-Finanzierung.

Sie wird auch als Leasing für den Privatmann bezeichnet, obwohl sie sich im gewerblichen Sektor ebenfalls wachsender Beliebtheit erfreut. Ihr Vorteil: Am Ende der vertraglichen Grundlaufzeit (durchschnittlich 36 Monate) kann der Kunde wählen, ob er das Fahrzeug zurückgibt, es weiterfinanziert oder zu einem zu Vertragsbeginn festgelegten Preis ankauft. Die Ankaufsmöglichkeit gibt ihm eine größere Flexibilität, auch etwaige Wertsteigerungen bei Gebrauchtfahrzeugen für sich zu nutzen. Hiermit sollen insbesondere Kunden gewonnen werden, die mit dem Leasinggedanken, der eigentumslosen Nutzung eines Wirtschaftsgutes auf Zeit, noch nicht vertraut sind.

Umfängliche Servicepakete, die die gesamte Palette der Fahrzeugunterhaltung beinhalten, sind seit langem von herstellerverbundenen und herstellerunabhängigen Leasinggesellschaften, im Angebot. Sie werden vor allem vom gewerblichen Markt angenommen.

Neu sind die verstärkt entwickelten Versicherungsofferten von Autobanken auch für den privaten Sektor im Leasing-und Finanzierungsbereich. Mit der "Prämie light Plus" - Versicherung und Garantie - bietet beispielsweise Marktführer VW ein innovatives Versicherungspaket für Leasing und Finanzierung an. Es enthält neben der Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung, eine Restschuldversicherung bei der Drei-Wege-Finanzierung, auch eine Anschlussgarantieversicherung. Bis zu einer Vertragslaufzeit von 54 Monaten sind Reparaturkosten an fast allen mechanischen und elektrischen Teilen abgesichert. Mit so einem Rund-um- Schutz kann auch eine längere Laufzeit von Leasing- und Finanzierungsverträgen ohne drohende Reparaturkosten bei zunehmender Dauer wirtschaftlich sinnvoll sein.

Eine neue strategische Ausrichtung der Autobanken besteht in der Aufnahme des Direktbanken-Einlagengeschäfts. Bisher sind hier VW und BMW tätig, Daimler-Chrysler wird es ab Mitte des Jahres sukzessive aufnehmen. Den Anfang machten Kreditkarten, Tages- und Festgeldkonten sowie Auto-Ansparpläne. Inzwischen hat die Volkswagen Bank direct ein Online-Girokonto eingeführt, das internationalen Standards entspricht. Als Bank vornehmlich für Kleinsparer und jedermann, nicht etwa nur für Auto-Kunden, wird eine Fülle von Anlageprodukten offeriert, auch Investmentfonds und seit neuestem Versicherungen für alle Lebensbereiche, die von Hausrats- und Lebensversicherungen bis hin zu Tierhalterhaftpflichtversicherungen reichen.

Die Angebotspalette der BMW Bank ist verhaltener, reicht aber von Tages- und Festgeldkonten über Sparpläne und-briefe bis zum Investmentfonds vorzugsweise für gehobene Privatkunden. Daimler Chrysler - will die Direktbanken-Angebotspalette Verlautbarungen zufolge ähnlich wie VW ausgestalten.

Während einige Autofinanzierer ihren Spielraum von reinen Objektfinanzierern hin zu allgemeinen Finanzdienstleistern und Versicherern im Vermittlungsgeschäft mit Kooperationspartnern erweitern, greifen andere, vornehmlich kleinere Gesellschaften den Leasinggedanken einer pay-as-you-earn und off- balance-sheet-Unternehmensfinanzierung mit neuen Varianten auf. Expansions- bzw. Wachstumsfinanzierung soll mit oder in Anlehnung an Leasing ermöglicht werden.

In den USA lautet ein Slogan sinngemäß. "Leasing rüstet die amerikanische Wirtschaft nicht nur aus, sondern es schafft darüberhinaus Arbeitsplätze. Als Faustregel gilt: Ein Zuwachs von 1 Mrd. $ an Leasinginvestitionen schafft rund 30 000 neue Arbeitsplätze." Ein besonderer Vorteil für Leasing wird bei Start-Ups und Unternehmen gesehen, die in wachstumsträchtigen Bereichen operieren, aber über keine ausreichende Kapitalausstattung zur Realisierung wachstumsnotwendiger Investitionen verfügen.

In Deutschland haben es solche Unternehmen meist schwer - nicht nur im Hinblick auf Bankkredite, sondern auch im Rahmen traditioneller Leasinggeschäfte, die bankenrefinanziert sind und insofern den üblichen Regeln der Kreditvergabe unterliegen. Basel II wird insoweit auch für Leasinggesellschaften eher zusätzliche Hürden aufbauen.

Auf diese Finanzierungslücke setzt z.B. die Leaquity Management GmbH, Bielefeld, mit ihrem Venture Leasing Angebot. Finanziert werden sollen werthaltige und damit für den Gebrauchmarkt geeignete Wirtschaftsgüter wie Maschinen und Anlagen ab 500 000 Euro für innovative wachstumsstarke Unternehmen vor allem in den Bereichen wie Telekommunikation, Informations-, Biotechnologie, Medizintechnik, Chemie und Autozulieferer.

Hierfür wird ein Fonds aufgelegt, in dem privates Anlegerkapital vom rund 100 Mill. Euro gebündelt werden soll. Die Fondsgesellschaft ist Leasinggeber und damit Eigentümer der finanzierten Objekte. Die Verträge sind als Operate Leases ausgestaltet, unter Berücksichtigung der Vorgaben nach US-GAAP. Somit trägt die Fondsgesellschaft Chancen und Risiken der Verwertung des Leasingobjekts nach Ablauf des Vertrages.

Zudem erhält sie eine Kapitalbeteiligung am Zielunternehmen oder eine Beteiligungsoption, deren Höhe je nach Risikoeinschätzung schwankt. Für den Erfolg einer solchen Transaktion ist ein aktives Asset-Management der Leasingobjekte sowie Beteiligungsmanagement und-controlling mit einem umfangreichen Netzwerk erforderlich. Diese muss den gesamten Prozess der Transaktion bis zur technischen Beratung und dem Verkauf der Beteiligung optimieren.

Dazu werden etablierte Kooperationspartner aus den Bereichen Venture Capital und Leasing eingebunden. Auf diese Weise sollen mit den Fonds - bei einer attraktiven Anlegerrendite - Prognose und durch Objektsicherheit reduziertem Risiko unternehmerische Investitionen getätigt werden können, die die Entwicklung und das Wachstum strategisch wichtiger Unternehmen vornehmlich in Deutschland fördern.

Ein leasingähnliches Konzept der Nutzungsüberlassung und Finanzierung für Schutzrechte allgemein und Patente im besonderen stellt die Gefi, Gesellschaft für Expansionsförderung mbH, Stuttgart, Kooperationspartner der Fraunhofer Gesellschaft für technische Entwicklung (TEG) vor. Auch dieses dient der Wachstumsfinanzierung vor allem technologieorientierter Unternehmen mit zukunftsweisenden Produkten bzw. Verfahrenstechniken. Selbstgeschaffene Schutzrechte können als immaterielle Wirtschaftsgüter in der Bilanz nicht aktiviert werden und tauchen auch dort nicht als Vermögensgegenstände auf. Sie sind also ungenutztes Finanzierungspotenzial für Unternehmen, da sie kaum als Grundlage für Bankkredite dienen können.

Viele Schutzrechte werden daher auch nicht in neue Produkte oder Verfahren umgesetzt. Unternehmen mangelt es an dem nötigen Kapital, das zumeist in die Entwicklung und Patentanmeldung geflossen ist. Einschätzungen zufolge wissen viele Unternehmen gar nicht, was ihre Schutzrechte eigentlich wert sind und wie sie auf dem Markt genutzt werden können.

Voraussetzung für die Finanzierungslösung ist aber zunächst die technische und betriebswirtschaftliche Bewertung der Schutzrechte in puncto technologischer Umsetzbarkeit und Marktrelevanz, ebenso wie die Bewertung des Unternehmens selbst. Dies geschieht gemeinsam mit entsprechend spezialisierten Kooperationspartnern. Fällt das Ergebnis positiv aus und bewegt sich der ermittelte Wert der Schutzrechte von rund 5 Mill. Euro an aufwärts, kann das Gefi-Konzept zum Tragen kommen. Mit diesem kann sich ein Unternehmen privates Anlegerkapital auf Grundlage seiner Schutzrechte für weitere Finanzierungsprojekte beschaffen.

Die Schutzrechte werden dazu aus dem Unternehmen herausgelöst und in eine Besitzgesellschaft eingestellt. Das Unternehmen erhält Lizenzrechte und kann diese für Produktentwicklungen wie bisher nutzen. Private Kapitalgeber erwerben befristete Nutzungsrechte an den Schutzrechten in der Besitzgesellschaft. Diese Nutzungsrechte können über die Laufzeit voll abgeschrieben werden. Das Unternehmen erhält Geld in Höhe der Investments. Für die Nutzung der Schutzrechte zahlt es fortlaufende Lizenzgebühren. Anleger partizipieren über die Lizenzgebühren hinaus am unternehmerischen Wachstumspotenzial und dem gesteigerten Firmenwert auf Grundlage der patentierten Produktentwicklungen.

Insgesamt eine interessante Mischung aus dem Leasinggedanken von Nutzungsüberlassung, Nutzungsentgelt und private equity (Beteiligungskapital). Eine Mischung, die sich für beide Seiten vorteilhaft auswirkt: das Unternehmen erhält günstiges Kapital außerhalb von Bankkrediten; Anleger bei erfolgreichem Verlauf attraktive Renditen. Als Inhaber verwertbarer Rechte haben sie zudem Sicherheiten.

Schutzrechts- und Venture Leasingfonds könnten neben den bereits etablierten, von Leasinggesellschaften angebotenen, sich mit der jeweiligen Steuergesetzgebung wandelnden und unterschiedlich ausgestalteten Immobilien-, Medien-, Flugzeug- und Energieanlagenfonds neue Investitionsmöglichkeiten bieten, die ein großes Potenzial beinhalten.

_______________

Dr. iur. Gisela Demberg LL.M. Fachpublizistin Leasing, Lage.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%