Die Angst der Verbraucher vor dem Internet
Kreditkartenmissbrauch bremst E-Commerce

Sechzehn Zahlen und ein Mausklick - einfacher als mit der Kreditkarte geht das Bezahlen im Internet nicht.

AFP FRANKFURT/WASHINGTON. Dennoch nutzen nur wenige Verbraucher ihr Plastikgeld zum Einkauf im weltweiten Datennetz. Viele Kunden treibt die Angst vor Missbrauch um. Als brauchte es dafür noch eine Bestätigung, warnte Marktführer Eurocard am Dienstag vor einem dramatischen Anstieg der Betrugzahlen in Deutschland.

Doch auch schon vorher fragten viele Kunden: Wenn sogar die Kreditkartendaten von Microsoft-Gründer Bill Gates wie Anfang Februar beim Weltwirtschaftsforum in Davos von Hackern geraubt werden, wie soll man dann seine Bedenken überwinden und sich in den Internethandel stürzen? Experten sehen deshalb die Gefahren des Kreditkartenbetrugs als größten Hemmfaktor für den elektronischen Handel. Die US-Beratungsfirma Meridian Research schätzt die Betrugsschäden in diesem Bereich auf weltweit 1,6 Milliarden Dollar (gut 1,5 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr. Davon sei der Großteil auf die USA entfallen. Mit der Zunahme des Internethandels könnte der Schaden laut Meridian Research bis zum Jahr 2005 auf fünf bis 15 Milliarden Dollar (10,5 bis rund zehn bis 31,6 Milliarden Mark) anwachsen.

Die Möglichkeiten des realen Betrugs im virtuellen Raum sind vielfältig: Verbraucher können auf betrügerische Websites umgeleitet werden, wo ihnen ihre Kreditkartennummer entlockt wird, oder Hacker filtern aus Datenströmen Karteninformationen heraus. Verkäufer wiederum können von Kunden hereingelegt werden, die falsche oder gestohlene Kreditkartennummern benutzen. Manche Firmen verlieren, wie die Experten weiter berichten, im E-Commerce durch kriminelle Machenschaften bis zu zehn Prozent ihrer Einnahmen.

"Mit der Kreditkarte zu zahlen, ist online wahrscheinlich sicherer als im realen Geschäft", meint zwar Mark Rasch von der US-Internet Predictive Systems. -Sicherheitsfirma Doch Eurocard Deutschland widerspricht: Der Kreditkartenmissbrauch bei Internet-Zahlungen liege mittlerweile "deutlich höher als beim tatsächlichen, physikalischen Zücken der Kreditkarte am Ladentisch oder im Restaurant". Die Kunden müssten aber nicht fürchten, für den Schaden zur Verantwortung gezogen zu werden, beruhigt Eurocard-Sprecher Hermann Euler. "Der Kreditkarteninhaber ist immer von der Haftung befreit." Dazu müsse er jedoch nachweisen, "dass er die Transaktion nicht getätigt hat".

Angesichts der relativ geringen Gefahr, als Kunde die Zeche zahlen zu müssen, sieht Rasch dann auch eher ein Bewußtseinsproblem als Gefahr für die Entwicklung des E-Commerce. "Das Problem ist nicht der Kreditkartenbetrug, sondern wie die Leute ihn wahrnehmen", sagt er. "Die Leute haben Angst, ihre Kreditkarte online zu benutzen. Sie fürchten um ihre Privatsphäre, aber auch um ihre Sicherheit."

Für Deutschland gibt Eurocard den im vergangenen Jahr bei eigenen Karten entstandenen Schaden mit 12 Millionen Mark (6,1 Millionen Euro) an. Ein relativ geringer Betrag, doch mit dem rasanten Wachstum des E-Commerce-Geschäfts stieg die Summe gegenüber 1999 bereits um ein Drittel - Tendenz weiter steigend. "Online-Einkäufe sind ein immer größer werdendes Geschäft, deshalb hat es keinen Sinn, den Schaden zu ignorieren", betont Casey Watson von Visa International. Um dem Betrug im Datennetz einen Riegel vorzuschieben, haben sich Eurocard und Visa zusammengeschlossen und das Sicherheitssystem SET (Secure Electronic Transaction) entwickelt. Über elektronische Zertifikate verschlüsselt es bei Transaktionen die Daten von Kreditkarteninhabern.

Visa prüft auch, die Kunden künftig zur Benutzung eines Passwords zu verpflichten. Das könnte die Betrugszahlen in manchen Bereichen halbieren, meint Watson. Doch gerade der Online-Einkauf bereitet hier Schwierigkeiten. Dort stehen Kreditkartengesellschaften im ständigen Wettlauf mit den Hackern um die sicherste Verschlüsselungstechnik. Für Betrüger, die geschützte Kartennummern im Internet knacken könnne, dürfte es auch kein Problem sein, auch ein Password herauszufinden.

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