Die Arbeitnehmervertretung fordert die "umgehende Offenlegung der Planungen des Übernehmens und Garantien für die Zukunft".
ADtranz-Betriebsrat schließt "Kampfmaßnahmen" nicht aus

vwd HENNIGSDORF. Der Betriebsrat der DaimlerChrysler Rail Systems GmbH (ADtranz), Berlin, hat die Geschäftsführung des Bahntechnikherstellers und den Vorstand des Mutterkonzerns DaimlerChrysler AG, Stuttgart, im Zusammenhang mit dem Verkauf von ADtranz an Bombardier Inc, Montreal, heftig kritisiert. "Wir fühlen uns von DaimlerChrysler fallengelassen wie eine heiße Kartoffel", sagte Michael Wobst, Betriebsratsvorsitzender am Standort Hennigsdorf, am Mittwoch vor Journalisten. Er forderte die Unternehmensführung auf, "ihrer Verantwortung für Arbeitsplätze" gerecht zu werden. Gleichzeitig schloss der Betriebsrat einen Streik nicht aus.

In der Belegschaft gebe es "die Bereitschaft und das Interesse", die Forderungen "notfalls auch mit Kampfmaßnahmen" durchzusetzen. Die Arbeitnehmervertretung fordert die "umgehende Offenlegung der Planungen des Übernehmens und Garantien für die Zukunft". Dies müßten auch gemeinsame Forderungen mit dem Betriebsrat von Bombardier sein, mit dem man sich am Donnerstag zu einem ersten gemeinsamen Gespräch treffe. Auch die Bundesregierung und der größte Kunde der ADtranz, die Deutsche Bahn AG, seien gefordert, sich einzumischen. "Beide müssen ein unmittelbares Interesse an einer gesicherten Zukunft der deutschen Bahnindustrie haben", erklärte der Betriebsrat.

Die wirtschaftliche Situation bezeichnete Wobst nach seinen Erfahrungen aus dem Alltagsgeschäft noch immer als "schwierig". Auch wenn erstmals seit langem die Quartalszahlen den roten Bereich verlassen hätten, sage das nichts darüber aus, ob das Unternehmen wirtschaftlich gesund ist. Klar sei, dass unter anderem durch die Sparmaßnahmen der Deutschen Bahn und nicht eingelöste Optionen große Überkapazitäten bestünden. Dies gelte aber auch für Bombardier. Wobst schätzte die Überschneidungsmenge der beiden Unternehmen grob auf rund 70 %, wobei dieser Wert bei einem Kauf durch einen anderen Anbieter wahrscheinlich "noch größer" gewesen wäre.

Die Produktion im Werk Hennigsdorf decke sich sogar zu 100 % mit der von Bombardier, die durch die Übernahme der Deutschen Waggonbau Aktiengesellschaft (DWA), Berlin, ebenfalls einen Schwerpunkt ihrer Fertigung in den neuen Bundesländern hat. Mit derzeit gut 2 500 Beschäftigten ist das Werk vor den Toren Berlins den Angaben zufolge der größte Arbeitgeber der Metall- und Elektrobranche in Brandenburg. Zudem sind nach Schätzungen des Betriebsrates etwa 7 500 Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie von dem Standort abhängig.

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