Die Auseinandersetzung um die neuen Preise für die letzte Meile werden mit harten Bandagen geführt
Kommentar: Telekom hat gute Chancen auf Erhalt des Ortsnetzmonopols

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n den nächsten zehn Wochen wird sich entscheiden, ob es in Deutschland tatsächlich einen sich selbst tragenden Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt geben wird oder nicht. Innerhalb dieser Frist muss die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post unter ihrem designierten neuen Präsidenten Matthias Kurth neue Preise festlegen, zu denen die Wettbewerber von der Deutschen Telekom die letzte Meile zum Kunden mieten können.

Die Telekom jedenfalls fordert satte Preiserhöhungen. Doch schon die seit zwei Jahren gültigen niedrigeren Preise haben wenig zum Abbau des Monopols der Telekom beigetragen: 97 Prozent aller Telefonanschlüsse in Deutschland hält nach wie vor der halbstaatliche Branchenriese.

Dessen Chef Ron Sommer schießt sich gerade auf den Telekomregulierer als Sündenbock ein. Ohne Regulierung wäre der T-Aktien-Kurs um ein Viertel höher, verkündet Sommer landauf, landab. Bei seinem Großaktionär, Bundesfinanzminister Hans Eichel, findet er damit ein offenes Ohr. Der politische Druck auf Regulierer Kurth, zu Gunsten der Telekom zu entscheiden, wird wohl erheblich höher sein als vor zwei Jahren, als sich die Bundesregierung in Person von Wirtschaftsminister Werner Müller in das Prüfverfahren eingeschaltet hatte.

Dabei waren die Chancen der Telekom, ihr Ortsnetzmonopol zu halten, schon lange nicht mehr so gut. Sie muss ihre Wettbewerber heute weit weniger fürchten als noch vor einem Jahr. Als großen nationalen Gegenspieler gab es damals die Mannesmann AG. Deren Festnetztochter Arcor muss sich seit der Übernahme durch Vodafone mit der Neustrukturierung ihres Eigentümerkreises herumschlagen. Alle anderen Festnetzanbieter tummeln sich ohnehin nur in Nischen.

Bei Ferngesprächen sind seit drastischen Preissenkungen der Telekom die Margen inzwischen so eng, dass die meisten Kleinanbieter um ihr Überleben fürchten. Allein mit Ferngesprächen, das zeigen auch die Beispiele AT&T und British Telecom, wird künftig kaum ein Unternehmen Geld verdienen können. Für einen Einstieg in das als lukrativ geltende Geschäft mit Hochgeschwindigkeits-Internetanschlüssen und Datendiensten jedoch brauchen die neuen Anbieter den Zugang zur letzten Meile. Konkurrierende Techniken, mit denen das Telekom - Netz umgangen werden kann, gibt es zwar. Sie sind jedoch, wie das Fernsehkabel, noch nicht für Internet- und Telefondienste des Massenmarktes ausgebaut. Oder sie eignen sich, wie Richtfunk, nur für Unternehmenskunden. Auf den eigenen Leitungen verhindert die Telekom derweil durch Verzögerungstaktiken nach Kräften den Einstieg der Konkurrenz.

So kann es sein, dass, während die Ferngesprächsanbieter sterben, der Wettbewerb in die Ortsnetze gar nicht erst einzieht. Drei Jahre nach Liberalisierungsbeginn hieße die Entwicklung auf dem Telekommarkt dann: Zurück zum Monopol.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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