Die ausgefallene Mode hat ihren Preis
Berlin in Seide

Unter dem Namen Sai So recycelt der österreichische Wahl-Berliner Martin Brem alte japanische Kimonos.

So schön kann eine Altkleidersammlung sein: Im Luxus-Kaufhaus Quartier 206 in Berlin tragen Modepuppen Gewänder mit Lotosblumen und Kranichen, zugeschnitten im westlichen Stil. Die Modelle verbinden fernöstliche Exotik mit westlicher Modernität. Die Hamburger Mode-Designerin Sibilla Pavenstedt hat die exklusiven Einzelstücke für das Label "Sai So" geschaffen. "Sai So" ist Japanisch und bedeutet Wiederverwendung. Der Name war ursprünglich der Arbeitstitel eines Sony-Musikprojektes, eines Remix deutscher DJs und einer japanischen Kodo- Gruppe.

Da war der Österreicher Martin Brem noch Marketing-Vize bei Sony. Heute macht der Mann in Mode, die er jetzt im Vorfeld der aufstrebenden Berliner Modemesse Premium vorstellte. Es war in den Hinterhöfen von Tokio und Kyoto, wo Brem vor Jahren mit seiner Frau nach alten Kimonos stöberte. Nicht nur dort, auch in manchen Shops findet man oft schöne, alte Sachen zu durchaus erschwinglichen Preisen. Denn für Japaner ist "Second-Hand-Mode" (noch) kein Thema, ebenso wenig wie das Recyclen von Kleidung.

Die Brems jedenfalls kamen auf die Idee, aus beschädigten Teilen die besten Stücke herauszutrennen und etwas Neues daraus entstehen zu lassen. Das Ergebnis ist zum Beispiel ein Wandschmuck für ein Berliner Sushi-Restaurant.

Zusammengesetzte Schals gibt es ab 375 Euro, Stolen für 829 Euro im Showroom "gut und schön" eines Architekten in Berlin und im Quartier 206 für 580 Euro Mikro-Minis aus alten Kimonos, die vielleicht mal eine Geisha umhüllten. Eine aufwendige Tagesdecke aus solch alten, reinseidenen Kostbarkeiten ist um die 5 900 Euro zu haben.

Als seine Frau vor zwei Jahren plötzlich starb, nahm Brem eine Auszeit in seinem Job und kehrte auch danach nicht wieder in die Musikbranche zurück. Aber mit Marketing ist es wie mit Fahrradfahren. Das verlernt man nicht. So ist Sai So zwar einerseits ein sehr sinnliches Konzept, ohne irgendwelches esoterisches Getue, die Marke lebt aber auch vom nüchternen Marketingmix: von Düften und Räucherstäbchen als "Sai So Scents", und sie verschafft sich Gehör mit dem Musiklabel "Sai so Sounds".

Eigentlich ist es für Japaner ja eine Sünde, alte Kimono zu zerschneiden, auch, weil sie glauben, dass die Seele des Besitzers weiterlebt in solch edlem Gewand. Aber vielleicht ist ja gerade das das Besondere an den Unikaten von "Sai so" - eigentlich haben sie zwei Seelen.

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