Die Aussichten für Medienaktien sind verhalten optimistisch
Zu neuen Ufern

Der Kauf von Medienaktien ist eine Wette auf die Konjunkturbelebung. Als interessant gelten Unternehmen, die ihre Kosten im Griff haben

Fortsetzung folgt: Gerade als "Der Herr der Ringe" richtig spannend wurde, war er auch schon vorbei. Teil zwei gibt es erst wieder zu Weihnachten - der nächste Kassenhit ist garantiert. Dass Hollywood bis dahin nicht Trübsal blasen muss, zeigen Filme wie der Patrioten-Streifen "Black Hawk Down", der jüngst mit einem Einspielergebnis von 35 Millionen Dollar am wichtigen ersten Wochenende einen Bilderbuchstart in den USA hinlegte. Die Leute strömen wieder ins Kino - profitieren davon Medienaktien?

Zwar haben sich die Titel von den Kurseinbrüchen seit September erholt, die Aussichten für 2002 sind aber nur verhalten optimistisch. UBS Warburg rechnet mit einem Einnahmeplus von rund sieben Prozent und einem Anstieg der operativen Gewinne von zehn bis elf Prozent für die führenden US-Konzerne. Damit wären sie zwar wieder in der Spur, aber immer noch weit entfernt von den Boomjahren.

Viel hängt davon ab, ob die weltweite Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte wieder anspringt. "Medienaktien sind sehr zyklisch und nehmen eine konjunkturelle Erholung rund sechs bis neun Monate vorweg", erklärt Victor Moftakhar, Fondsmanager des Deka-TeleMedien. Zwar rechneten die meisten Analysten mit einem Durchstarten der Branche, jedoch warte man noch auf eine Bestätigung der Prognose etwa durch steigende Werbebuchungen oder erste Meldungen über deutliche Umsatzzuwächse. Fondsmanager Moftakhar will sich aber nicht nur auf konjunkturelle Impulse verlassen. "Für die Titelauswahl muss auch eine griffige Story hinzukommen, beispielsweise eine Restrukturierung." Ein solcher Kandidat sei etwa Disney. Das Unternehmen verringere die Zahl der "Disney Shops", betreibe die Freizeitparks nur noch über Lizenzen und arbeite intensiv an der Kostenkontrolle. Die Aktie gehöre in der Vergleichsgruppe mit dem Elffachen des geschätzten Cash-Flows für 2003 zu den niedrig bewerteten Titeln, was zuletzt schon für Übernahmephantasie gesorgt habe.

Ein weiterer Favorit ist die Viacom-Aktie (CBS, MTV, Paramount Pictures), die Moftakhar derzeit "akkumuliert" und die rund fünf Prozent am Fonds ausmacht. Der Konzern sei global ausgerichtet und habe in den vergangenen Jahren kräftig die Kosten gesenkt. In einem Aufschwung sei mit stark steigendem Cash-Flow zu rechnen. Jedoch gab es jetzt einen Bericht im "Wall Street Journal", der auf ein zerstrittenes Management hindeutet, was die Aktie unter Druck bringen könnte.

Für UBS Warburg bleibt die Aktie von AOL Time Warner erste Wahl. Das AOL-Management erwartet zwar 2002 keine Erholung des Werbemarktes, Doch die UBS-Analysten gehen davon aus, dass sich der Konzern in Position bringt, um in "normalen" Zeiten von den Möglichkeiten neuer Techniken zu profitieren. Fazit: "Starker Kauf" mit Kursziel knapp über 40 Dollar.

JP Morgan empfiehlt für Europa nur wenige Titel zum Kauf, darunter den TV-Konzern RTL und Vivendi Universal. Den gesamten Sektor hoben sie jüngst von "untergewichten" auf "neutral". Die meisten Investitionen in digitale Techniken seien getätigt, und die Branche sei reif für weitere Konsolidierungen. Eine Heraufstufung auf "übergewichten" sei aber verfrüht.

Im internationalen Vergleich spielen die meisten der 36 am Neuen Markt notierten Medien-Unternehmen nur in der zweiten Liga. Das Geschäftsmodell vieler Gesellschaften basiert allein auf dem Rechtehandel: Unternehmen wie Splendid, Helkon und Senator kaufen in erster Linie Lizenzen ein und hoffen, diese dann teurer weiter zu vermarkten. Beliebter bei Analysten sind hingegen Unternehmen, die selber Filme produzieren - und das am besten für den internationalen Markt. "Konkurrenzfähige Inhalte sind ein knappes Gut. Auch kleinere Anbieter haben da Chancen", sagt Florian Leinauer, Medienexperte bei Helaba Trust.

Lange galt International Media (IM) als Vorzeigeunternehmen: Planung, Finanzierung und Vertrieb von erfolgreichen Filmen wie "The Wedding Planner" sorgten für wachsende Umsätze und Erträge. Doch Mitte Januar wartete das Unternehmen mit Nachrichten auf, die Skepsis bei Beobachtern auslöste: Verbunden mit einer unerwarteten Gewinnwarnung kündigte IM an, dass mit Nigel Sinclair und Guy East zwei branchenerfahrene Haudegen den Vorstand verlassen. Jetzt rätselt die ganze Analystenzunft über die Gründe und die Folgen für das Unternehmen. Als positiv wird jedoch die ebenfalls verkündete Übernahme des renommierten Produzenten Spyglass ("The Sixth Sense", "Unbreakable") gewertet, deren Chefs die scheidenden Vorstände ersetzen. Zuvor hatte IM schon die Produktionsfirma IEG eingekauft. Optimisten wie Sami Kassab von BNP Paribas heben hervor, dass die beiden alten Vorstände weiter als Produzenten für IM aktiv sein werden und die Nachfolger ebenfalls über einen guten Ruf in der Branche verfügen. "Zudem hat IM jetzt die Möglichkeit, bei unterproportional gestiegenen Fix-Kosten mehr Filme auf den Markt zu bringen". Sein Urteil: "Outperformer". Analyst Lars Kuhnke von Concord stufte die Aktie dagegen von "Kaufen" auf "Halten" herab. Er wartet auf konkretere Informationen zu den neuen Ereignissen.

Ähnlich gespannt auf Nachrichten sind Beobachter auch bei dem Film- und Musikverlag In-Motion. Das als gut aufgestellt geltende Unternehmen hat bisher nur einen Jahresabschluss nach deutschem HGB vorgelegt, die Veröffentlichung der Zahlen nach den strengeren US-GAAP-Richtlinien verzögert sich nach Konzernangaben noch. Die Ungewissheit brachte die Aktie unter Druck. Auf dem derzeitigen Niveau hält Kuhnke sie aber für einen "starken Kauf", der Abschlag sei deutlich übertrieben. Ähnlich wie beim "Herr der Ringe" ist also für Spannung gesorgt - Investoren müssen sich aber hoffentlich hier nicht bis Weihnachten gedulden.

25.1.2002

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