Die Ausstiegschance mit je zwei Lizenzen blieb ungenutzt
Für die UMTS-Bieter geht es jetzt um fast alles

Die Milliarden purzeln wie Dominosteine bei der UMTS-Versteigerung in Mainz. Mittlerweile klettern die Gebote auf europäische Rekordsummen, und die Börsen werden ein wenig unruhig ob des immensen Preises, den ein Einstieg in den deutschen UMTS-Mobilfunkmarkt mittlerweile kostet. Die "Großen" unter den Bietern wie Mannesmann Vodafone und die Telekom-Tochter T-Mobil stecken dabei in einem Dilemma. Steigen sie aus dem Rennen aus, verlieren sie die Zukunft in ihrem Heimatmarkt - die Börsen würden das entsprechend quittieren. Zahlen sie zu viel für die Lizenzen der nächsten Mobilfunkgeneration, werden die Börsen sie ebenfalls abstrafen.

ddp MAINZ. Dass der Milliarden-Poker in Mainz nach dem Ausstieg von debitel an Schärfe eher noch zugenommen hat, dafür gibt es noch andere Gründe. Am Montag gab es die Chance für die verbliebenen sechs Unternehmen und Konsortien sich mit je zwei der zwölf angebotenen Frequenzpakete zu begnügen. In diesem Fall wäre die Auktion mit der Vergabe von sechs Lizenzen zu Ende gewesen. Doch zumindest die Platzhirsche im deutschen Mobilfunkmarkt und Mobilcom steigern weiter um die Höchstzahl von drei Paketen. Werden sechs Lizenzen vergeben gibt es sechs UMTS-Anbieter in Deutschland. Da legt so manches Unternehmen lieber noch mal ein paar Mrd. drauf, um den einen oder anderen potenziellen Konkurrenten gar nicht erst in den Markt zu lassen.

Telekom fürchtet um ihre Pfründe

Bei genauer Betrachtung geht es für die "Großen" um viel in Mainz, für die Telekom um fast alles. Wer bei UMTS eine europäische Rolle spielen will, muss im größten Markt Europas - also in Deutschland - mit dabei sein. Die Telekom, die bei einem italienischen UMTS-Konsortium gerade nicht zum Zuge gekommen ist, muss aber auch um ihre Festnetzpfründe fürchten - und zwar auch bei ihrer Tochter T-Online. Wenn UMTS-Übertragungsraten von bis zu zwei Megabyte pro Sekunde ermöglicht, wer braucht dann noch einen ISDN-Anschluss mit 64 Kilobyte.

Und so erreicht die Auktion in Mainz Summen, die das Herz von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) höher schlagen lassen werden. Allerdings steigt der Puls auch bei so manch anderem (Landes-) Politiker, und die Forderungen nach Beteiligung an den UMTS-Einnahmen werden lauter. Je höher die Summe klettert, desto höher die Zinsentlastung des Bundes, desto stärker die Begehrlichkeiten. Eichel betonte immer wieder, die gesparten Schuldzinsen gehörten investiert. So manch anderer Politiker oder Lobbyist scheint, trotz der 1,5 Billionen Mark Schulden des Bundes, hingegen auf einmal etwas Spielraum für die eine oder andere der ob der Schuldenlast in den vergangenen Jahren so rar gewordenen Wohltaten zu entdecken.

Bei so hohen Summen, wie sie derzeit in Mainz auf dem Spiel stehen, muss es für die Bieter verlockend sein, ihren Einsatz durch Absprachen zu drücken. Doch die angedrohte Strafe - Ausschluss aus der Auktion - ist drakonisch und bedeutete für die betroffenen Unternehmen das Aus im deutschen UMTS-Markt. Die Lizenzen wären sogar weg, wenn so eine Absprache im Nachhinein bekannt würde - und auch das dafür gezahlte Geld. Gerüchte um vermeintliche Absprachen mag es deshalb immer wieder geben - wie zuletzt zwischen France-Telecom-Tochter Orange und der finnischen Sonera. Wäre an ihnen etwa dran, dann spielten die betroffenen Unternehmen aber nicht mehr Mrd.-Poker, sondern Russisches Roulette.

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