Die Ausstrahlung des Tonbandes ließ Ölpreis deutlich steigen
Vertrauter Bin Ladens ruft zu neuen Anschlägen auf

Der arabische Fernsehsender El Dschasira stahlte am Mittwoch eine Aufnahme aus, die nach Angaben des Senders von Ajman el Sauahari stammen soll, die rechte Hand von El-Kaida-Chef Osama bin Laden. Die Authentizität des Bandes war zunächst nicht überprüfbar.

Reuters DSCHEDDAH/DUBAI. Wegen der damit neu geschürten Angst vor weiteren Anschlägen stiegen die Ölpreise sprunghaft an. Nachdem die USA am Vortag ihre landesweite Terror-Warnstufe auf das zweithöchste Niveau gesetzt hatten, erließ das US-Militär für seine Einrichtungen im Inland die schärfste Warnung.

In der Aufzeichnung ruft eine männliche Stimme Moslems in aller Welt dazu auf, den Heiligen Krieg mit größtem Eifer zu führen. Sie sollten Botschaften und andere Einrichtungen der USA, Großbritanniens, Australiens und Norwegens angreifen und "unter ihren Füßen das Unterste nach oben kehren und in ein Inferno verwandeln." Die Kreuzritter und Juden verstünden nur die Sprache des Mordes und Blutvergießens, heißt es. Nur Särge, eine zerstörte Wirtschaft und "brennende Türme" überzeugten sie - eine Anspielung auf die Anschläge vom 11. September 2001. "Die kommenden paar Tage werden, so Gott es will, Nachrichten bringen, die euer Herz beglücken werden", sagt die Stimme.

Die Aufnahme schien in den ersten Tagen des Irak-Kriegs angefertigt worden zu sein. Die Sauahari zugeschriebene Stimme ruft speziell die irakische Bevölkerung zum Kampf gegen die als Kreuzritter bezeichneten Alliierten auf. "Wisst, dass ihr nicht allein seid in dieser Schlacht", sagt sie. Die El Kaida hat sich bislang nicht zum Irak-Krieg geäußert. Unklar blieb, warum Norwegen als Angriffsziel genannt wurde. Das Land hatte im Nahen Osten zwischen Israel und den Palästinensern vermittelt.

Aus Kreisen des US-Geheimdienstes CIA verlautete, die Überprüfung der Aufnahme könne wegen ihrer schlechten Qualität einige Zeit dauern. Der ägyptische Augenarzt Sauahari hatte in den 90er Jahren eine Gruppe geleitet, die die Regierung in Kairo hatte stürzten wollen. Er gilt als wichtigster Gefolgsmann von Bin Laden, dessen Schicksal nach dem Afghanistan-Krieg unbekannt ist. El Kaida wird für die Anschläge am 11. September 2001 sowie die jüngsten Attentate in Riad und Casablanca verantwortlich gemacht.

Die Ausstrahlung des Tonbandes ließ den Ölpreis deutlich steigen. Experten sagten, die jüngsten Anschläge hätten einen seit Mitte März anhaltenden Fall des Preises um 25 Prozent aufgehalten. "Jeder Angriff auf Saudi-Arabien würde zumindest psychologisch zu einer Erhöhung der Preise führen", sagte Paul Bednarczyk von 4CAST. Saudi-Arabien hat die weltgrößten Ölvorräte.

Der Geheimdienst des US-Militärs (DIA) hob nach Angaben aus US-Verteidigungskreisen die Anschlagswarnstufe innerhalb der USA von "signifikant" auf "hoch", die höchste Stufe. In der Umgebung Washingtons seien zusätzliche Luftabwehr-Raketen stationiert und Patrouillen-Flüge der Luftwaffe verstärkt worden. Die Einstufung sei am Dienstagabend erfolgt, nachdem auch die nationale Warnstufe erhöht worden war. Aus Furcht vor Anschlägen wurden am Mittwoch die Botschaften der USA, Großbritanniens und Deutschlands in der saudiarabischen Hauptstadt Riad für den Publikumsverkehr geschlossen.

Bundesinnenminister Otto Schily warnte am Mittwoch vor Angriffen der El Kaida auch in Deutschland. "Wir werden in den Verlautbarungen von Bin Laden und anderer Führungskader ausdrücklich als Zielland genannt", sagte er.

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