Die Bären brummen
Bilanzskandale sorgten für weltweites Kopfschütteln

Wenn man gut hinhört, kann man das brummen hören. Es sind die Bären an der Wall Street, die im nun abgelaufenen zweiten Quartal erneut die Bullen - also die Optimisten - in die Flucht fauchten.

Mit einem Verlust von 14 Prozent, verzeichnete der S&P500 Index das schlechteste zweite Quartal seit 1970. Spitzenreiter oder eher Spitzen-"Loser" war der Nasdaq Index. Die Hightechs zogen den Index 21 Prozent in die Miesen.

"Mies" ist nicht nur die Performance des Quartals, sondern letztendlich auch das Verhalten des nun gefeuerten Finanzvorstandes des Telekom-Riesen Worldcom. Scott Sullivan hat gemeinsam mit dem Chef-Controller den Cash Flow des Unternehmens um 3,8 Milliarden Dollar aufgeblasen. Kosten wurden schlichtweg als Investitionen gebucht. Nicht gerade die feine Art. Sullivan hat es damit geschafft - er schreibt Geschichte und ist nun Urvater des wohl größten Finanzskandals in der US-Geschichte. Der Energiehändler Enron beschönigte die Ergebnisse nur um 600 Millionen Dollar. "Peanuts" - wie eine deutsche Großbank nun sagen würde.

Oh Amerika, du Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Nach diesem Motto scheint dieser Tage so manche Bilanzierung ausgelegt zu sein. Denn beim Worldcom-Skandal sollte es in der vergangenen Woche nicht bleiben. Auch Xerox - bekanntlich ein Meister im Kopieren - hat den Umsatz schlichtweg gleich mitkopiert. Hokuspokus und schon sind die Milliarden da. Erst im April hatte die US-Börsenaufsicht SEC eine Untersuchung gegen Xerox abgeschlossen. Und die Prüfer wurden fündig. Schon damals war klar, dass Xerox zwischen 1997 und 2000 den Umsatz durch eine Fehlbuchung um 3 Milliarden Dollar aufgeblasen hatte. Doch auch in 2001 gab es Fehler, fand Xerox nach einer freiwilligen Wirtschaftsprüfung heraus. Wieder wurden 1,9 Milliarden Dollar Umsatz zu viel gebucht.

Aber mal im Ernst: Wenn man das Nicht-Existieren des Geldes erst gar nicht entdeckt hätte, wäre dann ein Schaden entstanden? Vielleicht wäre den Investoren und den erstaunten Politikern viel Ärger und Geld erspart geblieben - man hätte nur das Nicht-Existieren des Geldes nicht bemerken dürfen.

Apropos Geld. Was ist nur los mit ihm dem Dollar? Vor lauter Enronitis ist die US-Währung schon ganz grün geworden. Dabei ist doch gerade die Angst vor einem schwachen Dollar einer der Hauptgründe für den Abwärtstrend am Aktienmarkt, meinen zumindest die Analysten bei dem Brokerhaus Bear Stearns. Doch einer scheint sich kaum darum zu scheren: Finanzminister Paul O?Neill will laut eigenen Aussagen die Bilanzfälscher von Corporate Amerika am höchsten Ast des größten Baumes baumeln lassen, so wie einst im Wilden Westen. Doch beim Dollar, scheint es mit der Entschlossenheit noch zu hapern. Eine klare Reaktion auf den jüngsten Verfall der Leitwährung hat Washington noch nicht gezeigt.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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