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Die Bären herrschen noch lange

Ein wenig Hoffnung. Der Ausverkauf bei Wachstumsaktien ist bis Anfang April ungebremst weitergegangen. Erst in den letzten Handelstagen erholte sich die Nasdaq deutlich von ihren Tiefständen. Ob dies mehr als eine der üblichen Korrekturbewegungen bleibt, muss sich erst noch erweisen.

Wieviel Leben hat der High-Tech-Crash? Bisher drei. Die erste Welle schwappte von März bis Mai 2000 über die Investoren. Als sich die Kurse dann ein paar Monate lang leicht erholten, keimte schnell wieder Hoffnung auf. Vergebens: Die zweite Welle dauerte immerhin vier Monate und entnervte viele Akteure. Einen Monat gönnten sich die Bären diesmal eine kleine Pause und überließen den Bullen vorübergehend das Feld. Wieder keimte Hoffnung auf. Erneut vergebens: Wieder schlugen die Bären erbarmungslos zu: Im Februar und im März 2001 fielen die letzten Bastionen der Optimisten. Der vor vielen Jahren begründete, langfristige Aufwärtstrend wurde in wenigen Tagen und ohne viel Widerstand geknackt. Die Marke von 2000 Punkten war für den Nasdaq-Index keine Stütze mehr, sondern nur eine Durchlaufstation. Erst bei knapp über 1600 Punkten stoppte Welle Nr. 3. Gegenüber den Höchstständen vom März 2000 entspricht dies einem Absturz von rund 70 Prozent.

War es das nun endgültig? Erneut keimt Hoffnung auf. Diesmal, weil der Nasdaq-Index innerhalb von wenigen Tagen wieder über 1900 Punkten gelandet ist. 14 Prozent plus in vier Tagen - das ist doch ein Wort, meinen alle jene, die dabei waren. Doch auch diesmal sollte die Wende nicht zu früh ausgerufen werden. Vier schöne Tage bedeuten nichts: Zu rasant war die Abwärtsbewegung. Da dürfen schnelle Korrekturbewegungen nicht verwundern und vor allem nicht überbewertet werden. Noch immer hat die Nasdaq ihren Boden nicht ausgebildet. Dies sollte eigentlich mehrere Monate in Anspruch nehmen. Innerhalb dieser Findungsphase haben mittel- und langfristig orientierte Anleger genügend Zeit, sich die künftigen Perlen heraus zu picken.

Wer jetzt schon kräftig mitmischt, weil er sein Geld einsetzen will, sollte sich der Risiken bewusst sein. Mittel- und langfristig sind die Abwärtstrends in jedem Fall noch intakt. Ob der kurzfristige Abwärtstrend (Februar/März) gebrochen ist, wird sich in den nächsten Tagen herausstellen. Viele hundert Quartalsergebnisse stehen an. Da wird sich zeigen, ob die Erwartungen schon so tief gefallen sind, dass dem Markt nur noch der Weg nach oben bleibt. Anlass zum Jubeln böte dies aber nur bedingt. Nicht nur zwei mächtige Burgmauern der Bären liegen auf dem Weg zu langfristigen Kursgewinnen, sondern auch viele kleine Hürden. Ein Blick in das Jahr 1998 lohnt bei der Analyse des Nasdaq-Index in jedem Fall.

Hinzu kommen die täglichen Piekser von den Unternehmen und der Konjunkturfront: Gewinnprognosen sinken, Geschäftsmodelle wanken, Geldquellen versiegen. Pleiten und Übernahmen sind vorprogrammiert. Der Ausleseprozess ist im Gange und wird weiter gehen. Wer ihn überlebt, ist schwer zu beurteilen. Tatsache bleibt, dass selbst die Marktführer der Internetwirtschaft zu kämpfen haben. Wann sie ihre Höchstkurse wieder erreichen, steht in den Sternen. Investoren sollten auf keinen Fall eine schnelle Erholung erwarten.

Kann es immer noch schlimmer kommen? Unverändert gilt die Einschätzung, die auch vor einem Monat gegeben wurde: "Nicht auszuschließen. Die größten Pessimisten sehen ein Ende des High-Tech-Crashs an der Nasdaq erst bei 1000 Punkten. Ob solche Prognosen wahr werden, dürfte entscheidend von der Entwicklung der US-Wirtschaft abhängen. Fällt sie in eine Rezession oder gelingt doch eine relativ sanfte Landung? Das ist die Frage, auf die im Moment niemand eine seriöse Antwort geben kann."

Und unverändert ist auch diese Einschätzung: "Gut möglich, dass noch ein Jahr vergeht, bis sich an den Märkten für Wachstumsaktien wieder neues Vertrauen einstellt - von Euphorie gar nicht zu reden. Eine Spielwiese für das schnelle und große Geld dürften sie auf absehbare Zeit nicht mehr sein. Das gilt auch für den Neuen Markt in Frankfurt."

Aber auch wenn die Bären noch lange herrschen sollten, wird der Markt viele neue Chancen eröffnen. Sie sind nur nicht unbedingt dort zu erwarten, wo gerade gelogen, betrogen und enttäuscht worden ist. Im Moment sind die Möglichkeiten eher dort zu suchen, wo Gewinne solide wachsen. Das können auch Wachstumsaktien sein, wenn ihre Bewertung nach traditionellen Maßstäben attraktiv sein sollte. Substanz ist entscheidend und bringt dauerhaft Erfolg an der Börse.

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