Archiv
Die Bären regieren noch lange

Ade New Economy: Die Baisse bei US-Technologieaktien wird wohl länger dauern als viele denken. Die gebeutelten Stars von gestern dürften noch Jahre brauchen, um sich von den drastischen Kursverlusten seit März 2000 zu erholen.

Die Bären halten an der Nasdaq das Zepter fest in der Hand. Anderthalb Jahre zieht sich der Crash an der US-Technologiebörse nun schon hin. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Im April und im Mai breitete sich zwar etwas Hoffnung aus, als die High-Tech-Aktien sich überraschend schnell erholten. Doch diese Sechswochen-Rally erwies sich nur als längst fällige Gegenreaktion und damit als Strohfeuer. Seit Ende Mai bewegt sich der Nasdaq-Sammelindex wieder stetig nach unten. Er hat dafür einen soliden Abwärtstrendkanal ausgebildet. Dessen obere Begrenzung liegt derzeit bei etwa 2050 Punkten, die untere bei gut 1800 Punkten. Aktuell bewegt sich der Index etwa in der Mitte seiner Begrenzungen, was kurzfristig zu keinerlei Hoffnungen Anlass gibt. Der August ist ja ohnehin bisher enttäuschend verlaufen. Tage mit positivem Abschluss blieben Mangelware.

Wenn das so weitergeht, wird der Nasdaq-Sammelindex in diesem Monat 2000 Punkte wohl nicht mehr überschreiten. Diese Marke ist nicht nur wichtig, weil sie so schön rund ist. Ende August verläuft hier auch der kurzfristige Abwärtstrend. Diese Linie erreicht Anfang Oktober 1900 Punkte. Gut möglich, dass dies für Investoren dann der nächste Orientierungspunkt wird.

Selbst wenn es dem Markt gelingt, den mittlerweile schon drei Monate dauernden Negativtrend zu brechen, bessert dies die mittelfristigen Perspektiven nur unwesentlich. Der Bärenmarkt wäre noch lange nicht Vergangenheit. Dafür müsste zum Beispiel bis Ende 2001 die Marke von 2500 Punkten nachhaltig übertroffen werden. Aus heutiger Sicht ein unglaubwürdiges Indexziel. Vielleicht realistischer ist ein Kampf um die 2000 Punkte. Dieses Gefecht könnte im Herbst des nächsten Jahres ausgetragen werden. Denn dann kommt hier der langfristige Abwärtstrend an, der für die Zukunft der Bärenherrschaft entscheidend ist.

Damit die Bullen überhaupt eine Chance haben, die Bären nieder zu ringen, müssen sich allerdings die Gewinnperspektiven für Technologieaktien deutlich verbessern. Aktuell fahren die Stars von gestern nur Verluste ein. Aber auch die Prognosen für das kommende Jahr sind alles andere als euphorisch. Der Markt ist in seiner Breite heute etwa so hoch bewertet wie kurz vor Beginn des Crashs im März 2000. Beileibe kein gutes Zeichen. Da sich bessere Gewinnperspektiven nicht abzeichnen, müssen die Kurse wohl weiter nach unten, um wieder akzeptablere Bewertungen zu erreichen. Aber selbst, wenn die Nasdaq nun noch einmal um 30 oder 40 Prozent abrutschte, wären Technologieaktien immer noch nicht billig. Anleger müssen sich fragen, womit ein Bewertungsaufschlag gegenüber Standardaktien zu rechtfertigen ist? Schaffen die Ex-Stars künftig die Wachstumsraten, die sie schon vor dem Crash versprochen haben? Dahinter sind viele Fragezeichen zu setzen, insbesondere wenn man die Nasdaq insgesamt betrachtet. Wer einmal kräftig enttäuscht hat, dem vertraut man nicht mehr so schnell.

Das Fazit lautet also wieder, so traurig es auch ist: Tech-Aktien sind noch immer nicht im Kurstal angelangt. Von einer grundsätzlichen Wende gar darf man im Moment nicht einmal träumen - so weit ist sie weg. Geld verdienen an der Nasdaq im Moment wohl am ehesten die Zocker, die auf kurzfristige Trends bei Einzelaktien setzen. Langfristig orientierte Anleger sollten sich lieber weiter zurückhalten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%