Die Baisse an den Aktienbörsen zwingt zur Suche nach interessanten Alternativ-Investments
Immer mehr Banken entdecken Hedge-Fonds

Frustrierte Aktionäre kehren den Aktienbörsen den Rücken. Alternativ-Investments (Private Equity, Hedge-Fonds) haben in diesem schwierigen Umfeld Hochkonjunktur. In Europa schießen Hedge-Fonds wie Pilze aus dem Boden. Immer mehr Banken investieren firmeneigene Gelder in diese moderne Anlageform.

FRANKFURT/M. Die andauernde Baisse an den Aktienbörsen hat bei Banken und Investmenthäusern ein Umdenken bewirkt. Immer mehr Anbieter alternativer Investment-Produkte (Hedge-Fonds, Private Equity Funds oder Real Estate Investment Trusts) drängen auf einen aufnahmefähigen Markt. Im ersten Halbjahr 2001 wurden 62 neue Hedge-Fund-Gesellschaften in Europa gegründet; diese sammelten 2,2 Mrd. $ ein. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurden 7,3 Mrd. $ in insgesamt 104 neue europäische Hedge-Fonds investiert.

Den lukrativen Bereich Alternativ-Investments haben inzwischen auch Europas Großbanken entdeckt. Zum einen raten immer mehr Institute ihren Kunden mit Hinweis auf die moderne Portfolio-Theorie dazu, einen Anteil von 5 bis 10 % ihres Anlagekapitals in alternative Investmentformen zu stecken. Bei dieser Diversifizierung von Anlagegeldern liegt eines der wesentlichen Ziele darin, eine von traditionellen Anlageformen wie Aktien und Anleihen losgelöste Wertentwicklung im Gesamt-Portefeuille zu erreichen und zudem das Risiko zu reduzieren. In der Regel weisen Alternativ-Investments eine nur geringe Korrelation zu Aktien und Anleihen auf. Doch damit nicht genug: In Europa begeistern sich immer mehr Banken für Alternativ-Investments für die Anlage eigener Gelder. Sie demonstrieren dies, indem sie firmeneigenes Kapital in diese Anlageformen - überwiegend in Hedge-Fonds - stecken.

Bei Hedge-Fonds handelt es sich nicht um herkömmliche Investmentfonds, sondern um weitgehend unregulierte Kapitalsammelstellen, die im Gegensatz zu traditionellen Fonds hohe absolute Renditen anstrebe. Während sich Fonds traditionell an Benchmarks (Indizes) ausrichten und eine relative Performance messen, gilt für die Manager der Hedge-Fonds lediglich das absolute Anlage-Ergebnis.

Das Top-Management von UBS Warburg in Zürich hat vor einigen Tagen beschlossen, in den kommenden Jahren bis zu 10 % des für die Kapitalanlagen zur Verfügung stehenden bankeigenen Geldes in Alternativ-Investment zu stecken, so Wolfgang Stolz, Vorstand der UBS Warburg AG in Frankfurt. Die Deutsche Bank glaubt auch aus portfoliotheoretischen Überlegungen an eine große Zukunft von Alternativ-Investments. Das Institut hatte kürzlich mit einem Hedge-Fund- Zertifikat an den Finanzmärkten innerhalb kürzester Zeit mehr als 1,8 Mrd. $ eingesammelt. Das Institut hat nach Angaben von Jan Marggraff, Leiter des Bereichs Produkt- Management / Verkauf von Fonds und verbrieften Produkten, mehr als 5 Mrd. $ in Hedge Fund Assets unter Verwaltung.

Die Diversifikation nicht nur innerhalb einer Anlageklasse, sondern über verschiedene Anlageklassen hinweg reduziere das Risiko des Gesamtportfolios. "Wir empfehlen für jedes Depot einen 5%igen Hedge Fund-Anteil", sagt Marggraff. Möglicherweise müsse man von den bisherigen traditionellen Anlage-Grundsätzen Abschied nehmen, hieß es bei anderen Banken. Einige Hedge-Fonds könnten als anleihen-ähnliche Substitute gesehen werden und in den Gesamt-Assets der Bank eine dementsprechend hohe Gewichtung finden, hieß es.

Wohl aufgrund solcher Überlegungen ist die Deutsche Bank inzwischen mit firmeneigenem Kapital in Höhe von mehr als 0,75 Mrd. $ in Hedge-Fonds investiert. Ganz offensichtlich ist es den Fachabteilungen der Banken gelungen, die noch bis vor kurzem für Negativ-Schlagzeilen sorgenden Hedge-Fonds bei den Entscheidungsträgern in den Vorstandsetagen der Institute zu entmystifizieren.

Auch die Commerzbank ist nach Angaben von dem für Hedge-Fonds zuständigen Experten Markus Hampel zunehmend mit eigenem Geld in Alternativ-Investments engagiert. Das Institut wird schon bald mit einem fünften Hedge-Fund-Produkt an den Markt kommen.

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