Die Bankgesellschaft Berlin betreibt Europas modernste Rennstrecke
Formel 1: Der Lausitzring drängt in die Pole-Position

In die größte Baumaßnahme Brandenburgs sind 240 Mill. DM Fördergelder geflossen. Der Druck auf das Projekt ist gewaltig. Doch die Betreiber strotzen vor der Eröffnung vor Selbstvertrauen. Der Ring sei bis Jahresende ausgebucht. Und Geschäftsführer Fischer will Hockenheim die Formel 1 abjagen.

BERLIN. "Bernie Ecclestone muss eine Formel-1-Strecke nicht sehen, bevor er sich für sie entscheidet", sagt Hans-Jörg Fischer, Geschäftsführer der Lausitzring Betriebs und Management GmbH, voller Zuversicht. Ecclestone,. der allgewaltige Chef des Formel-1-Zirkus hat die modernste Rennstrecke Europas bislang tatsächlich noch nicht besucht. Fischer ist das egal: "An dieser Strecke kommt niemand vorbei", trommelt der promovierte Marketingexperte .

Vor einem Jahr wurde Fischer von der Konkurrenzstrecke Nürburgring abgeworben, um die Vermarktung der Strecke zu managen. Im VIP-Raum über der Boxengasse fällt ihm das leicht. Denn auf der ehemaligen Braunkohle-Tagebaufläche Meuro 130 Kilometer südlich von Berlin wurde innerhalb von zwei Jahren Bauzeit eine gewaltige Motorsportanlage aus dem Boden gestampft.

Das größte Bauprojekt Brandenburgs hat 321 Mill. DM verschlungen, davon 240 Mill. DM Fördergelder des Landes Brandenburg und 70 Millionen Kredit der Landesbank Berlin sowie Eigenmittel.

Schon von der Abfahrt der Autobahn von Berlin nach Dresden ist das neue Wahrzeichen der Lausitz zu sehen. Die fast 40 Meter hohe und 367 Meter lange Haupttribüne an der Zielgeraden überragt jeden Baumwipfel. Sie hat ein Fassungsvermögen von 25 000 Zuschauern. Der 4,5 km lange Grand-Prix-Kurs wird umrahmt von dem extra für US-Rennen angelegten "Drei-Ecks-Kurs" mit überhöhten Kurven. Um das so genannte Trioval herum finden 120 000 Zuschauer Platz. Fast von jeder Stelle können die Besucher die gesamte Rennstrecke einsehen und den Rennverlauf permanent verfolgen - Motorsport in Stadionatmosphäre. "Nirgendwo in Europa wurde diese Idee konsequenter umgesetzt als hier", sagt Fischer. Neben dem Trioval liegt die 5,8 Kilometer lange Fahrzeug-Teststrecke. Durch deren Anbindung an die Grand-Prix-Strecke verfügt der Lausitzring zudem über einen 11,3 Kilometer langen Langstreckenkurs. Von Formel 1, über Motorradrennen bis zu Rennen der US-Serie können alle Motorsportveranstaltungen ausgetragen werden.

Nicht nur der Rechnungshof knurrt Noch mühen sich an einigen Stellen die Bagger, wird geschraubt und gehämmert. Am 20. August ist Eröffnung "Bis dann sind wir fertig", ist sich Projektleiter Frank Herdmann von der IBG Immobilien- und Baumanagement der Bankgesellschaft Berlin sicher. Die Tochter der Bankgesellschaft Berlin ist mit 70 % an der Projektgesellschaft beteiligt, der Kreis Oberspreewald hält 20 %, die Dekra die restlichen 10 %. Mit dem Ring haben auch die Immobilienentwickler der Bank Neuland betreten, schließlich hat auch die Potsdamer Landesregierung darum gebeten: "Der Lausitzring ist ein spannendes Objekt", sagt Herdmann. Professionelles Management soll garantieren, dass die Fördermillionen nicht in den Sand gesetzt sind. Denn unumstritten ist das Projekt keinesfalls. Erst in der vergangenen Woche erhielt die Brandenburgs Regierung eine Rüge vom Landesrechnungshof. Viel zu wenig Arbeitsplätze würden mit den Fördermillionen in der strukturschwachen Region geschaffen, monierten die Kassenwächter. Herdmann weist die Kritik zurück: "Der Lausitzring ist eine Infrastrukturmaßnahme wie ein Brückenbau." Direkt am Ring werden nur bis zu 100 Leute beschäftigt sein. Im Umfeld rechnet Herdmann mit bis zu 2 000 Arbeitsplätzen.

Die Bank-Tochter ist dabei nicht nur maßgeblich an der Entwicklung beteiligt, sie wird den Ring auch zusammen mit dem ADAC betreiben und zwei Drittel der Anteile halten. "Der Ring wird in relativ kurzer Zeit Überschüsse erwirtschaften und aus eigener Kraft den Kredit bedienen". Herdmann ist von der Wirtschaftlichkeit überzeugt: "Bis Jahresende sind wir ausverkauft". Auch für das kommende Jahr gebe es so viele Aufträge, dass keine Sorgen bestünden. Die Bank will sich allerdings mittelfristig wieder aus dem Geschäft zurückziehen. "Wir suchen aber noch keinen Käufer", versichert Herdmann. Erst müsse der Ring gut laufen.

Autoindustrie und Zulieferer zeigen hohes Interesse an der Teststrecke. Mit dem Konzertveranstalter Deutschen Entertainment AG wurde ein Vertrag Fünf-Jahresvertrag für Open-Air-Konzerte und Festivals geschlossen. Fischer erwartet im kommenden Jahr einen Umsatz von 50 Mill. Dazu sollen zu 50 % die Rennen, 30 % die Festivals und 10 % die Autotester beitragen.

Aber der Erfolg des Rings wird mit dem Motorsport entschieden. Das weiß Fischer. Morgen wird er den ersten großen Erfolg vermelden: die erstmalige Austragung eines US-Rennens. Auf die Formel 1 muss er noch warten. Die Verträge am Nürburgring laufen bis 2004. Und dem renovierungsbedürftigen Hockenheimring kann er den "Großen Preis von Deutschland" frühestens 2002 abluchsen. Vielleicht müsste Ecclestone doch mal in die Lausitz fliegen.

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