Die Basketball-Bundesliga ist spannend wie schon lange nicht mehr
Weckruf für den schlafenden Riesen

Bundesliga-Generalmanager Otto Reintjes will den Basketball hier zu Lande wieder als echte Top-Sportart etablieren. Doch er weiß, dass er dafür viel Zeit und Geduld braucht - und die Unterstützung zahlungskräftiger Sponsoren.

Es gab Tage in den letzten Wochen, an denen Emir Mutapcic vielleicht ganz gerne zum Telefon gegriffen hätte, um Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld anzurufen. Ein Gespräch unter grübelnden Leidensgenossen sozusagen. Denn wie der Übungsleiter des zwischenzeitlich aus dem Tritt geratenen Fußball-Rekordmeisters hatte auch der Coach des Basketball-Meisters Alba Berlin zeitweise arge Probleme mit seinen Schützlingen. Fünf Niederlagen mussten die erfolgsverwöhnten Hauptstädter, die seit 1997 quasi ein Abonnement auf die Meisterschaft besitzen, in der laufenden Saison bereits einstecken, und der 41-jährige Mutapcic hatte mehrfach allen Grund, seinen berechtigten Ärger an der Seitenlinie abzureagieren.

Doch so wie der FC Bayern sich am Wochenende in der Bundesliga wieder auf Platz drei hocharbeitete, meldete sich auch Alba mit einem 87:72-Sieg im Schlagerspiel beim Tabellenführer RheinEnergy Cologne eindrucksvoll zurück. Zwei Zähler trennen die Berliner jetzt noch von den führenden Rheinländern und auch im Direktvergleich mit den punktgleichen Konkurrenten Opel Skyliners Frankfurt und Telekom Baskets Bonn hat Mutapcics Team die Nase vorn.

Dass Albas prominentes Personal um das "lebende Denkmal" Wendell Alexis, Kapitän Henrik Rödl oder Spielmacher Derrick Phelps inzwischen etwas von seiner fast beängstigenden Dominanz eingebüßt hat, liegt nicht zuletzt an der lange als "Retortentruppe" verlachten Mannschaft aus der Domstadt. Bei RheinEnergy führt heute der frühere Alba-Meistermacher Svetislav Pesic das Zepter, der seinem alten Arbeitgeber den sechsten Triumph in Folge nicht gönnt. Stattdessen meldet der exzentrische Jugoslawe selbst Ansprüche auf die Basketball-Krone an: "Wir können es schaffen, eine andere Aussage wäre gelogen", erklärte der 52-Jährige unlängst, als sein Team zwölf Siege in Folge feiern konnte. Diese Serie ist zwar inzwischen gerissen, doch kaum jemand in der s.Oliver-Bundesliga zweifelt daran, dass den Kölner der Titelcoup gelingen könnte.

Stellenwert des Basketballs nimmt spürbar zu

Während in den vergangenen Jahren die Frage immer nur lautete, wer nach Alba Zweiter wird, verspricht der Titelkampf in dieser Saison mehr Spannung: "Jeder Spieltag birgt mittlerweile echte Überraschungen", freut sich Thomas Deuster, Manager der Giants aus Leverkusen, die derzeit auf Tabellenplatz fünf rangieren. "Davon sind wir leider auch selbst manchmal betroffen, aber für den Basketball als allgemeines Gesprächsthema ist es natürlich förderlich."

Von der Aufmerksamkeit, die Dirk Nowitzki und seine Kollegen aus der nordamerikanische Profiliga NBA genießen, können die hiesigen Korbjäger zwar nach wie vor nur träumen, doch sie merken langsam, wie der Stellenwert ihres Sports zunimmt. Diese Entwicklung kann natürlich den Sponsoren - dem Würzburger Bekleidungshersteller s.Oliver als Namenspatron, der Direkt Anlage Bank, der Baumarktkette Obi und der Deutschen Bahn - nur recht sein. "Der schlummernde Riese Basketball soll in Deutschland auch mit unserer Hilfe topfit gemacht werden", versprach Bahn-Chef Hartmut Mehdorn den Ligaverantwortlichen.

Doch da an den Spieltagen nur zwischen 100 000 (beim Livespiel im DSF) und 600 000 Fans (bei "ran Basketball" auf Sat 1) den Fernseher einschalten und der Werbewert für die Geldgeber deshalb eher bescheiden ist, können die 14 Klubs der Liga mit ihren Sponsoring- und TV-Einnahmen keine großen Sprünge machen. So findet sich auf der Liga-Homepage auch ein Hilferuf des Teams von Herzogtel-Trier, das seine Anhänger aufruft, den Klub vor der Insolvenz zu bewahren.

Zeit und Geduld gefragt

Bundesliga-Generalmanager Otto Reintjes ist trotzdem optimistisch: "Unsere Vision ist es, Basketball als echte Top-Sportart hier zu Lande zu etablieren. Das braucht eben Zeit und Geduld." Bei der Infrastruktur habe man schon große Fortschritte gemacht, wie die moderne Halle in Braunschweig zeige. "Jetzt suchen wir verstärkt nach einem überregionalen Medienpartner und denken auch gerade über eine aufmerksamkeitsstarke Werbekampagne nach", erklärt Reintjes. Dabei dürften vor allem die "Gastarbeiter" der Liga im Mittelpunkt stehen. "Sicherlich kommen die Leistungsträger meist aus dem Ausland", sagt Reintjes. "Aber künstliche Schutzzonen im Sport machen keinen Sinn, schließlich ist unsere Gesellschaft auch international."

Auf der Weltbühne machen die deutschen Spieler inzwischen aber auch eine gute Figur. Dass die Auswahl von Bundestrainer Henrik Dettmann im Januar von ihrer Balkan-Reise nach Mazedonien und Kroatien zwei wichtige Siege in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2003 in Schweden mitbrachte, dürfte auch der Liga Auftrieb verleihen. Das Ticket zur Weltmeisterschaft im Sommer in den USA haben die hiesigen Basketballer durch ihren vierten Platz bei der EM 2001 in der Türkei schon gelöst.

Doch zunächst kämpfen ab April die fünf ernsthaften Anwärter aus Berlin, Köln, Frankfurt, Bonn und Leverkusen in den Play-Offs um die nationale Meisterschaft. Dabei dürfte seit langem wieder einmal die Tagesform entscheiden - und nicht das Dauer-Abo auf den Titel.

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