Die Bedeutung der Region nimmt gegenüber Japan immer mehr zu
Südostasiens Aktien sind unterbewertet

Südostasiens Aktienmärkte haben in den vergangenen Monaten kräftige Kurssteigerungen verzeichnet. Zum Teil wurden selbst die starken Verluste aus der Asienkrise mehr als wett gemacht. Fondsmanager sind optimistisch, dass sich dieser Aufschwung weiter fortsetzt.

DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. Die Tigerbörsen zeigen wieder Stärke. Die Aktienindizes haben zum Teil wieder ein Niveau erreicht, das sie bereits vor der Asienkrise 1997/98 hatten. Und es kann weiter aufwärts gehen. "Wenn sich die US-Wirtschaft erholt, werden wir noch einiges an Potenzial in Asien sehen", sagt Thomas Gerhardt von der DWS Investment GmbH. Die Region sei eine "verlängerte Produktionsstätte für die Welt".

Grant Yun Cheng vom Global Emerging-Market-Teams beim DIT Deutscher Investment Trust sieht die Entwicklung ebenfalls positiv. Länder wie Korea, Thailand, Taiwan, den Philippinen und Indonesien hätten eine wichtige Gemeinsamkeit, nämlich das "gute Wachstum beim Gewinn pro Aktie". Dies werde voraussichtlich auch 2002 anhalten. Für Korea werde ein Gewinnwachstum von 70 % erwartet, für Thailand und Indonesien immerhin über 40 %. Zudem lobt Cheng: "Die Themen Privatisierungen und Umstrukturierungen bleiben auf der Tagesordnung."

Experte: "Nicht auf ein Land zu konzentrieren"

Gerhardt rät den Anlegern aber: "Sie sollten die Größe der Länder und die Anzahl interessanter Investitionsmöglichkeiten beachten." So sieht er zwar in Thailand Potenzial. Die Auswahl für internationale Investoren sei dort verglichen mit Korea aber recht gering. Wegen politischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Unsicherheiten investiert sein Fonds auch nicht auf den Philippinen und Indonesien.

Auch Cong Zheng, Fondsmanager von Union Investment, rät Anlegern, Aktien südostasiatischer Gesellschaften in internationalen Depots deutlich überzugewichten. Die Probleme der Volkswirtschaften in Südostasien seien im Gegensatz zu den USA nicht länger struktureller, sondern vielmehr konjunkturzyklischer Natur. "Das Finanzmarktrisiko liegt derzeit vor allem in den USA", sagt Zheng und verweist auf die zunehmende Zahl von US-Unternehmenspleiten. Der Experte sieht außerdem klare Anzeichen dafür, dass die Exporte der asiatischen Staaten einen Boden erreicht haben. Die Börsen der Region dürften zudem von der deutlich gestiegenen Liquidität der dortigen Finanzsysteme profitieren.

Experten zufolge sind die südostasiatischen Märkte stark unterbewertet: "Europas Aktien werden derzeit mit dem 18fachen und US-Aktien mit dem 21fachen der für 2002 erwarteten Gewinne bewertet. In Asien liegt diese Bewertungskennziffer im Durchschnitt bei 15", sagt Zheng. Sergio Belza von Invesco Asset Management teilt diese Einschätzung und sieht asiatische Aktien im kommenden Aufschwung ganz vorn.

Zheng rechnet damit, dass die Unternehmensgewinne in südostasiatischen Ländern 2002 um durchschnittlich 20 % steigen werden. Die beeindruckendste Gewinndynamik weisen nach seinen Berechnungen derzeit Firmen in Singapur, Taiwan, Thailand und Korea auf. Daher rät er Anlegern, die Märkte überzugewichten. Zumindest bei Korea stimmen Gerhardt und Cheng zu. Der DWS-Manager gibt aber zu bedenken, dass die Kurse in Korea schon stark gestiegen sind. "Wie weit kann der Markt noch laufen?", fragt Gerhardt. Andererseits sei "Korea der erste Markt, der läuft, wenn die Weltkonjunktur wieder anspringt". Tendenziell rät er dazu in einigen Bereichen zu verkaufen und bei einer Konsolidierung wieder einzusteigen.

Kein Auftrieb durch Fussball-WM

Die in wenigen Wochen startende Fussballweltmeisterschaft dürfte der koreanischen Börse laut Experten dagegen keinen zusätzlichen Auftrieb mehr geben. Hotel- und Sportwerte legten bereits deutlich zu, nachdem Korea neben Japan als Austragungsort verkündet wurde.

Unisono machen sich die Fondsmanager für Samsung stark. Cheng gefällt, dass die Gesellschaft nicht nur bei den Gewinnen zulegt, sondern "auch über eine ausgewogene Produktpalette verfügt und ihr Image verbessert hat". Im Konsumbereich lobt er Shinsegae Department Store. Relativ günstig sei zudem die Kookmin Bank. Der Wert profitiere von dem starken Konsumwachstum.

Zheng hält neben Samsung Korea Telecom für interessant, sowie China Mobile und Petro China, Hutchison (Hongkong), Advanced Info (Thailand), Quanta, Asustek (Taiwan), ST Engineering und UOB (Singapur). Belza macht sich für asiatische Technologietitel stark, die im Vergleich zur Konkurrenz mit einem Abschlag von 40 % gehandelt werden.

Doch es gibt auch Risiken. Cheng sieht sie vor allem in der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA. Die Länder hingen von er Entwicklung der US-Wirtschaft allerdings in sehr unterschiedlichem Maße ab. Negativ wirke sich auch der Ölpreis aus: "Sollte Öl sehr teuer bleiben, würde es die wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen", sagt der DIT-Experte.

Cheng rät Anlegern dazu, zu streuen und "sich nicht auf ein Land zu konzentrieren". Gerhardt stellt die vielfältigen Anlagemöglichkeiten der Fonds heraus, zumal es noch verschiedene Restriktionen für Direktanlagen in den Ländern gibt. Außerdem glaubt er, dass Aktien der Regionen Bestandteile eines internationalen Portfolios werden: "Die Bedeutung Japans nimmt tendenziell weiter ab. Die Bedeutung des restlichen Asiens nimmt dagegen zu."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%