Die Börse atmet. Und die Direktbroker passen sich an.
Karrierechancen in einer stürmisch wachsenden Branche

Härtere Konkurrenz, fallende Börsen, sinkende Ordergebühren - man könnte meinen, dass die goldenen Zeiten für die Direktbroker bereits vorbei sind. Doch der Eindruck täuscht. Die jüngsten Quartalszahlen belegen allenfalls eine Atempause im stürmischen Wachstum der Branche. Die Investmentbank JP Morgan geht davon aus, dass in Europa im Jahr 2003 rund 17 Millionen Anleger ein Depot bei einem Direktbroker haben werden. Ende 2000 waren es noch 3,6 Millionen.

HB DÜSSELDORF. Die Wachstumsstory ist also noch nicht vorbei. Das lässt sich auch an den zahlreichen Stellenangeboten ablesen, die die Broker auf ihren Internetseiten geschaltet haben. "Der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern ist groß", sagt Catrin Schrecker, Leiterin der Personalentwicklung beim Münchener Broker Direkt Anlage Bank (DAB). "Wir suchen alles: Experten für Informationstechnologien, Mitarbeiter für die Customer Relation-Abteilung und Kollegen für unser Call Center", erklärt die Personalentwicklerin.

Auch Quereinsteiger haben gute Chancen

Auch wenn die Broker, ausgestattet mit einer Vollbanklizenz, in der Regel ausgebildeten Bankkaufleuten den Vorzug geben, haben laut Schrecker Quereinsteiger ebenso eine Chance. "Wir stellen auch gerne Mitarbeiter ein, die aus der Hotelbranche kommen", sagt die Personalexpertin, "weil sie eine hohe Serviceorientierung mitbringen." Natürlich sollten Bewerber sich für das Börsengeschehen interessieren und Spaß an den neuen Medien haben. Das sei gerade im Call Center wichtig: "Ich habe dort selbst einmal gearbeitet - der relativ unpersönliche Kontakt mit dem Kunden über das Telefon erfordert vom Mitarbeiter großes Geschick", erzählt Schrecker.

"Man kann auch über das Telefon eine Kundenbeziehung aufbauen", meint Stefan Lenz. Er arbeitet als Account Executive beim französischen Broker Fimatex, Tochter der Société Générale. Sein Job ist es, telefonisch eingehende Orders der Kunden abzuwickeln. Von einigen der sehr aktiven Kunden würde er schon die Telefonnummer im Display erkennen, und wissen, wer anruft.

Stefan Lenz arbeitet an einem komplett ausgerüsteten Händler-Arbeitsplatz, mit Zugang zur Eurex und zum elektronischen Handelssystem für Aktien, Xetra. "Ich habe hier bei Fimatex die Prüfung zum Händler abgeschlossen und bin jetzt als Händler an Eurex und Xetra zugelassen", erzählt der 24-Jährige. "So eine Chance hätte ich bei meinen früheren Arbeitgebern nie bekommen." Lenz hat seine Banklehre bei einer Sparkasse absolviert, anschließend ging er dann zur Deutschen Bank.

Hohe Einsatzbereitschaft ist nicht gleichbedeutend mit 14-Stunden-Tag

Flexible Strukturen, flache Hierarchien - diese Attribute entsprechen durchaus dem Selbstverständnis der Direktbroker. "Wir geben unseren Mitarbeitern Raum für Kreativität, wir fordern sie aber auch", sagt Isabelle Schröder, Personalleiterin bei Fimatex. "Die Leute kriegen hier keine Standardanweisung", erklärt sie. Die Forderung nach hoher Einsatzbereitschaft bedeute zudem nicht, dass 12 bis 14 Stunden pro Tag gearbeitet wird. Aber Interessenten sollten sich darauf einstellen, dass das Geschäft der Broker mit der Börse atmet: "Der Arbeitsanfall ist damit sehr schwankend. Das erfordert hohes Organisationstalent von den Kollegen."

Auch Catrin Schrecker bei der Direkt Anlage Bank sieht große Unterschiede zu den Arbeitsabläufen bei einer Offline-Bank. "Entscheidungen fallen hier viel schneller. Als wir ein neues Mitarbeiterförderprogramm aufgelegt haben, vergingen von der Konzeption bis zum Start des Programms ganze drei Wochen."

Sowohl bei der Direkt Anlage Bank als auch bei Fimatex berichten die Personalverantwortlichen von hoher Mitarbeiterzufriedenheit. "Wir lesen das zum Beispiel an einer niedrigen Krankheitsquote von weniger als fünf Tage im Jahr ab", sagt Isabelle Schröder vom französischen Broker. Dennoch gibt es auch mal Streit und Konflikte. Bei beiden Brokern existiert aber kein Betriebsrat, der Streitigkeiten schlichten könnte. "Unsere Mitarbeiter haben darüber abgestimmt und auf die Einrichtung verzichtet", erklärt Catrin Schrecker von der DAB. Zur Konfliktregelung können sich die Mitarbeiter an einen Mediator wenden, das sind gewählte Vertrauensmitarbeiter, die dann weiterhelfen sollen, wenn der Vorgesetze einmal eher Teil des Problems als Teil der Lösung sein sollte.

Stefan Lenz von Fimatex hat seinen Wechsel von einer etablierten Bank zu einem Direktbroker nicht bereut. Das Einzige, dem er nachtrauert, ist die Kantine - und auch die soll es demnächt im neuen Fimatex-Gebäude geben.

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