Die Börse wird Xetra Best wie geplant Anfang September einführen
Makler wollen den Parketthandel wiederbeleben

Das neue Handelsmodell Xetra Best bereitet der Börse mehr Probleme als Vergnügen. Potenzielle Teilnehmer zögern - ein Fehlstart droht. Den Maklern liefert das System derweil Munition für eine Verfassungs- beschwerde. Einer will jetzt per Gericht den Vorrang des Parketthandels wieder herstellen lassen - auf Kosten des Xetra-Systems.

HB FRANKFURT/M. Die Börsenmakler machen gegen einen Passus des 4. Finanzmarktförderungsgesetz mobil. Per Verfassungsbeschwerde soll erreicht werden, dass der Vorrang des Präsenzhandels gegenüber dem elektronischen Handel für drei Jahre erhalten bleibt. Diese Klausel fiel mit Inkrafttreten des Gesetzes zum 1. Juli weg. Sie besagte, dass Aufträge von Kleinanlegern grundsätzlich im Parketthandel ausgeführt werden mussten, es sei denn, der Anleger bestimmte etwas anderes. Die Makler befürchten jetzt weitere Einbußen, weil noch mehr Aufträge vom Parkett auf das elektronische Handelssytem Xetra abwandern könnten.

Eingereicht wurde die Beschwerde von einem Frankfurter Makler, der durch Rechtsanwalt Hans Mewes von der Kanzlei Esche Schümann Commichau vertreten wird. Mewes, der auch Justiziar von zwei Maklerverbänden ist, sieht darin ein Musterverfahren, das stellvertretend für eine Reihe von Maklern betrieben werde. Aufhänger ist die im Finanzmarktförderungsgesetz enthaltene Abschaffung der amtlichen Preisfestellung und damit die amtlichen Kursmakler. Diese sind jetzt den Skontroführern gleichgestellt, die bisher bereits die Preise im Parketthandel in den übrigen Börsensegmenten feststellten. Um den Kursmaklern eine Neuorientierung zu ermöglichen, dürfen sie während einer dreijährigen Übergangsfrist ihre "Skontren" behalten, also die Parkett-Kurse in den ihnen zugewiesenen Aktien feststellen.

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Nach Ansicht der Makler könnte sich diese Schonfrist als Makulatur erweisen, da wegen des gleichzeitigen Wegfalls des Parkett-Vorrangs vermutlich noch weniger als bisher auf dem Parkett gehandelt werde. Vor allem Xetra Best macht den Maklern Sorgen. Auf diesem System können die Banken künftig Aufträge von Privatanlegern intern abwickeln und müssen sie nicht mehr an die Börse weiterreichen. Diese so genannte Internalisierung (siehe Kasten) bietet den Banken die Möglichkeit, an der Spanne zwischen An- und Verkaufskurs zu verdienen. Diese Chance werden sich die Banken nicht entgehen lassen, fürchten die Makler. "Vor allem angesichts der Implementierung von Xetra Best wird es faktisch umgehend zum Austrocknen des Präsenzhandels kommen", glaubt Mewes.

Möglicherweise sind die Ängste der Makler aber weit überzogen. Denn Xetra Best droht ein kapitaler Fehlstart. Fest steht bisher nur, dass die Börse die neue Handels-Variante wie geplant am 2. September anbieten wird. Mit der neuen Version 7.0 des Xetra-Systems werde auch die Internalisierung implementiert, heißt es bei der Börse.

Fragt sich nur, ob am offiziellen Starttermin überhaupt jemand auf Xetra Best handelt. Im April hatte die Börse noch verkündet, dass sich 13 Banken für eine Teilnahme angemeldet hatten. Öffentlich genannt werden wollten damals nur sechs Kandidaten. Dies waren neben der Deutschen Bank und Goldman Sachs die Maklerfirmen Seydler, Fleischhacker, Lang & Schwarz sowie Equinet Securities.

Mittlerweile geht aber selbst die Börse nicht mehr davon aus, dass alle 13 Firmen von Beginn an bei Xetra Best dabei sein werden. Es werde wohl "keine zweistellige Teilnehmerzahl" erreicht, räumte eine Börsen-Sprecherin ein. Offenbar ist nicht einmal mehr sicher, dass die Deutsche Bank von Beginn an dabei ist. Ein Sprecher der Bank verwies auf Anfrage lediglich auf die frühere Ankündigung der Teilnahme. Derzeit würde mit der Börse Gespräche über Einzelheiten geführt. Deutlicher wird Ralph Ristau, Vorstand bei Seydler: "Ich glaube nicht, dass Xetra Best in der derzeitigen Marktlage fliegt". Seydler selbst werde am 2. September wohl nicht am Start sein. Möglich sei aber ein Einstieg zu einem späteren Zeitpunkt, sofern sich Xetra Best etabliere.

Finanzkreise rechnen schon seit längerem mit einem schwachen von Start Xetra Best. "Es gibt im Moment niemanden, der das System wirklich braucht", hießt es bei einem potenziellen Teilnehmer. Auffällig sei, dass weder die Börse noch die Großbanken bei Privatanlegern die Werbetrommel für das neue Modell rührten. Ein Grund für die Zurückhaltung ist der anhaltende Kursverfall an den Aktienbörsen. Wegen der Baisse handeln Kleinanleger immer weniger - damit sinkt die Zahl der Geschäfte, die für eine Internalisierung überhaupt in Frage kommen.

Außerdem hält sich die hartnäckige Kritik an dem Marktmodell. Die Banken, die ihre Order intern abwickeln wollen, müssen zugleich im normalen Xetra-Handel verbindliche Kauf- und Verkaufskurse stellen. Dieses Modell, das demjenigen der Aktienbetreuer (Designated Sponsors) am Neuen Markt ähnelt, bedeutet für die Banken zunächst einmal höhere Kosten. Diese sollen bei einem Konkurrenzvorhaben zu Xetra Best nicht anfallen. Die Nasdaq will gemeinsam mit den Börsen in Berlin und Bremen sowie der Dresdner Bank und der Commerzbank eine neue Börse gründen, die ebenfalls die Internalisierung erlaubt, ohne aber die Banken zur Tätigkeit als Designated Sponsor zu verpflichten.

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