Die Börsen feiern bereits vorzeitig ein Ende des Krieges: Experten sehen wenig Luft im Dax

Die Börsen feiern bereits vorzeitig ein Ende des Krieges
Experten sehen wenig Luft im Dax

Jetzt wird die Risikoprämie abgebaut, die die Börsen vor dem Irak-Krieg aufgebaut haben. Doch sobald die Euphorie über einen vielleicht raschen Frieden vorbei ist, droht wieder der triste Aktien-Alltag.

DÜSSELDORF. Je mehr Erfolge die Amerikaner im Irak vermelden, desto höher steigen die Börsen. Damit gehen die lange im Voraus erstellten Szenarien der Investmentstrategen auf, wonach die Hoffnung auf ein rasches Kriegsende eine Aktienrally auslöst. Ebenso wie im Vorfeld des Krieges versuchen die Börsen auch diesmal, die Erwartungen und Ereignisse vorwegzunehmen. "Wir sehen jetzt die Rally, die man zum Ende des Krieges sehen müsste", sagt Rolf Elgeti von Commerzbank Securities in London.

Aus technischer Sicht spricht einiges für eine Fortsetzung der Rally. So notiert nach der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq seit gestern auch der marktbreite S&P-500-Index über der viel beachteten 200-Tage-Linie. Dies dürfte weitere Anleger zum Einstieg verleiten. "Weil die Märkte in den vielen Wochen zuvor eine extrem hohe Risikoprämie aufgebaut haben, kann der Deutsche Aktienindex (Dax) jetzt um bis zu 50 % steigen - gemessen an seinem Tief bei rund 2 200 Punkten", sagt Kai Franke von der ING BHF-Bank. Damit hätte das Börsenbarometer Luft bis 3 300 Punkte (gestern gut 2 800 Punkte) - vorausgesetzt, der Krieg geht rasch und ohne Gegenschläge zu Ende.

"Doch nach einem Kriegsende konzentrieren sich Anleger wieder auf Konjunktur- und Unternehmensdaten, und daran gemessen sind Dax-Werte bei über 3 000 Punkten nicht mehr so billig wie noch vor einigen Wochen", blickt Franke skeptischer in die Zukunft. Der Aktien-Researchleiter erwartet nach der Rally nur noch eine "Schaukelbörse". Chefstratege Elgeti rechnet noch für maximal zwei Wochen mit steigenden Kursen, die den Dax auf 3 000 Punkte hieven können. Danach werde aber auf Grund des unbefriedigenden konjunkturellen Umfeldes die Folgenachfrage fehlen. Darauf deuteten bereits gestern die Umsätze hin: Sie lagen im Dax leicht unter dem Tagesdurchschnitt. Normalerweise steigen an Tagen mit stark steigenden Kursen die Umsätze kräftig an. Vor allem im Kassa-Markt blieben die Umsätze dünn. Der Handel wurde im Wesentlichen über die Futures getrieben, also dem Bereich, in dem sich Investoren absichern und Hedge-Funds spekulieren. "Ich habe Zweifel, ob es fundamental-orientierte Anleger sind, die jetzt kaufen. Groß-Investoren steigen jedenfalls nicht im großen Stil ein", sagte HSBC-Händler Oliver Opgen-Rhein.

Die meisten Fondsgesellschaften haben dazu auch keinen Anlass - sie sind bereits überdurchschnittlich im Markt vertreten. "Unsere meisten Fonds sind voll investiert. Die Cash-Quote ist sehr niedrig, denn wir haben zuvor die schwachen Kurse in Europa genutzt, um weiter Positionen aufzubauen", sagt Volker Dosch von Europas größter Fondsgesellschaft DWS. Kurzfristig seien zwar Kursrückgänge möglich, sollten die Amerikaner Rückschläge im Irak erleiden. Doch auf lange Sicht sieht Dosch mehr Chancen als Risiken: "Der Großteil des konjunkturellen Abschwungs liegt hinter uns, und auch für die USA sehen wir kein Szenario für das Abrutschen in eine Rezession."

Der auf US-Aktien spezialisierte Fondsmanager räumt dabei wie die meisten Investmentstrategen europäischen Aktien größere Chancen ein als amerikanischen. Goldman Sachs sieht das ähnlich und verweist auf den Konsum, der - mit Ausnahme Deutschlands - angesichts weiter fallender Zinsen anspringen dürfte. Für steigende Kurse spreche auch, dass die Märkte zuletzt beharrlich negative Nachrichten - Arbeitsmarktdaten, Verbrauchervertrauen, Gewinnrevisionen - ignorierten. Dies zeige, dass die Märkte ein schwindendes Vertrauen in die Wirtschaft bereits berücksichtigt hätten - also die Zukunft vorwegnehmen.

Quelle: Handelsblatt

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