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Die Börsen feiern zu früh

Hoffnungen auf eine rasche Erholung der Konjunktur erfüllen sich nicht. Harte Fakten wie das negative Wachstum in den USA und weiche Daten wie die Zuversicht der Verbraucher und Firmenmanager verschlechtern sich weiter.

DÜSSELDORF. Das Ende der Talfahrt ist noch nicht absehbar, und Euro-Land steht die Rezession möglicherweise noch bevor. Damit bleibt auch das Ausmaß der Börsenrally, die vor zehn Wochen begonnen hat, begrenzt. Diese nimmt zu schnell die erhoffte Erholung der Wirtschaft vorweg. Nur weil Börsianer fast alle Hiobsbotschaften seit gut zehn Wochen ausblenden, konnten der Deutsche Aktienindex (Dax) ohne Zwischenstopp 40 und der Neue Markt gar 100 Prozent zulegen.

Doch die Anzeichen einer wirtschaftlichen Abschwächung bleiben größer als die einer Erholung. Diese knappe und präzise Feststellung der amerikanischen Notenbank trifft die Realität mehr als optimistische Prognosen, die allein auf der Hoffnung beruhen, dass die vielen Zinssenkungen bald wirken und dass Rezessionen durchschnittlich nur ein Jahr dauern.

Aber auch wenn sich die Konjunktur weiter verschlechtert und die Kurse fallen, ist ein Abrutschen auf neue Tiefststände an den Börsen unwahrscheinlich. Diese wurden im September nur durch eine außergewöhnliche Entwicklung hervorgerufen: den Terroranschlägen in den USA. Einige Investoren erkannten das schnell und stiegen rasch wieder ein. Die meisten Anleger verpassten jedoch den Zeitpunkt. Sie sitzen nun auf viel Bargeld. So werden es beispielsweise die meisten Fondsmanager spätestens in ihrer nächsten Bilanz schwer haben, ihre historisch hohen Cashpositionen in einer Zeit zu rechtfertigen, in der die Kurse wie zuletzt überdurchschnittlich stark stiegen.

Das stärkste Argument gegen neue Tiefststände ist aber, dass viele Investoren auf Grund der schnellen und starken Kursanstiege bislang vergeblich auf die zweite Chance warten: billig einzukaufen wie im September. Schon bevor die Kurse ein so niedriges Niveau erreichen, werden die zu spät Gekommenen an die Börse zurückkehren.

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