Die Börsen-Kolumne aus New York
Fremde und eigene Sorgen und Nöte

Die Wall Street muss lernen, sich wieder um ihre eigenen Sorgen zu kümmern. Es ist schlimm, dass offensichtlich mit weiteren Terror-Anschlägen gegen die USA zu rechnen ist. Doch der Aktien-Markt hat genügend eigene Probleme.

wsc NEW YORK. Es ist noch schlimmer, dass sie sich wieder gegen New York richten könnten. Und es macht Angst, dass am Mittwochmorgen die Brooklyn Bridge gesperrt werden musste, weil man ein verdächtiges Päckchen "entschärfen" musste. Doch im Handel haben all diese Sorgen nichts zu suchen.

Der Markt hat genügend eigene Probleme: Die Konjunktur hinkt immer noch, auch wenn es immer wieder optimistische Stimmen aus dem Umfeld der Analysten oder auch seitens der Notenbank gibt. Dass bei vielen Konjunkturbullen der Wunsch Vater des Gedankens ist, hat sich in den vergangenen Wochen stets nach dem selben Muster erwiesen. Zuerst tut ein Analyst seine Hoffnung kund, es gehe mit dem Sektor XY bald wieder aufwärts, keinen Tag später meldet sich ein beliebiger CEO aus ebenjener Branche und erteilt dem aufkeimenden Optimismus eine Absage.

Das ist gut so, denn zuviel Optimismus führt zu labilen Rallys. Kurse klettern munter, stürzen dann wieder ins Bodenlose. Einzelne Anleger können von solchen Schwankungen profitieren, Shortseller sowieso, doch dem allgemeinen Marktvertrauen sind sie abträglich. Das Volumen an NYSE und Nasdaq wird immer geringer.

Am Mittwoch wagt sich nun einmal ein Brokerhaus mit einer pessimistischen Branchenbetrachtung vor: Goldman Sachs. Eine aktuelle Studie belege, so die Analysten, dass die IT-Ausgaben der Unternehmen, für die High-Tech-Branche der Schlüssel zur Trendwende, nachhaltig schwach bleiben würden. In 2002 sieht man keine Erholung. Die CEOs von Intel und IBM hatten sich vor nicht allzu langer Zeit ähnlich geäußert. Der Anleger hatte beide Aktien jeweils mit Kursverlusten abgestraft - kurzfristig. Seit einigen Tagen erholen sich die Papiere, das Risiko anhaltender Markt- und Umsatzschwäche ist eingepreist.

Nach dem Chip-Riesen und "Big Blue" sind also zur Wochenmitte die Software-Werte auf dem absteigenden Ast. Goldman Sachs hat nach benannter Studie die Gewinnerwartungen für 26 Unternehmen gekürzt, für einige, darunter Siebel Systems, Oracle und Peoplesoft, geht es steil abwärts.

Ungerührt beobachtet allein Microsoft das Geschehen. Dem Branchenführer bescheinigen die Analysten als einzigem eine stabile Umsatz- und Gewinnlage - "alles ist okay" heißt es nach einem Besuch im Headquarter. Das die Aktie am Mittwoch als einziger Software-Wert im Grünen weilt, hat aber auch einen anderen Grund: Microsoft hat erst vor zwei Wochen ein Eineinhalb-Jahres-Tief erreicht.

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