Die Börsenkolumne aus New York: Alarmstufe Orange: Terrorangst kehrt aufs Parkett zurück

Die Börsenkolumne aus New York
Alarmstufe Orange: Terrorangst kehrt aufs Parkett zurück

Es sind nur hundert Meter vom Ufer des Hudson zum Wintergarten, der früher einmal zum World Trade Center gehörte. Einige tausend Pendler aus New Jersey passieren hier frühmorgens, sie sind auf dem Weg in den Financial District und an die Wall Street. Am Montag sehen sie etwas, was bei vielen schlimme Erinnerungen weckt: Polizisten patroullieren die Strecke, das Maschinengewehr im Anschlag, ein Schäferhund bei Fuß.

Am Wochenende haben Regierung und FBI den Terror-Alert herauf gesetzt. Für ganz Amerika gilt die zweithöchste Sicherheitsstufe, Orange. Auswirkungen hat das indes nicht überall, aber zumindest in den Ballungszentren, und vor allem in den beiden Städten, in denen Terroristen vor fast anderthalb Jahren schon einmal zugeschlagen haben: in New York und in Washington.

Auch wer nicht mit der Fähre von New Jersey aus über den Hudson kommt, hat die Polizisten wohl gesehen, die New York vor neuen Anschlägen schützen sollen. Sie stehen vor Hotels, Bürogebäuden und Museen, den so genannten "weichen Zielen". Sie kontrollieren die U-Bahn in Uniform und in zivil. Vor den Brücken und Tunnels nach New York City schauen sie mit Spiegeln unter alle Autos. Kurz: Sie tun genau das, was sie nach dem 11. September 2001 für mehrere Monate taten, als die Gefahr weiterer Angriffe noch imminent schien, und als Angst die Amerikaner umtrieb.

Die Angst meldet sich am Montagmorgen zurück, vor allem, weil aus Washington zahlreiche Details darüber verlauten, wie sich Anschläge abspielen könnten. Vor allem ist da von der U-Bahn die Rede, ziemlich präzise von Angriffen mit biologischen und chemischen Waffen und davon, dass die Polizei Klimaanlagen und Lüftungsschächte unter die Lupe nimmt und Fluchtwege inspiziert. Parallel telefonieren die Behörden mit den Vermietern, die Wege aufs Dach freihalten sollen.

Dass die Gefahr entsprechender Angriffe besteht, weiß das FBI teilweise aus den Interviews mit El-Kaida-Gefangenen, teils aus abgehörten Telefonaten, in denen mehrfach die Begriffe "New York" und "underground" gefallen sind, die aber auch Rückschlüsse auf andere bedrohte Städte zulassen. Über den Zeitpunkt scheint man sich einig, nachdem es Hinweise auf das Ende der Pilgerwoche gegeben habe, in der die Muslime bis Freitag nach Mekka ziehen.

Brücken werden bewacht

So werden seit Montagmorgen und wahrscheinlich weit über den Freitag (Valentinstag) in Seattle im Staat Washington Brücken bewacht, in Denver wurden die Schichten in Krankenhäusern und vor allem auf den Intensivstationen verstärkt, in Chicago müssen Hotelmitarbeiter ganz gegen die Gewohnheiten ihre privaten Handys angeschaltet lassen, um Alarm schlagen zu können, wenn sie Verdächtiges sehen. Das Fernsehen informiert wieder über Maßnahmen, die jeder Bürger zuhause und am Arbeitsplatz ergreifen sollte, dazu gehört das Packen von "Survival kits" mit Taschenlampe, Radio, einem Wasservorrat und einem Paar Schuhe für den Fall einer Flucht zu Fuß, auf der Pumps und feine Lederlatschen nicht mitmachen würden.

Am Montagmittag gibt es zumindest in downtown Manhattan niemanden, der die Warnungen nicht vernommen hat. Das Tagesgespräch auf dem Parkett der Börse hat eine entsprechende Wende genommen. Nach wie vor ist der Irakkrieg Thema, doch mischen sich neue Töne bei - und die zeugen von derselben Angst, die schon einmal die Börsen auf historische Tiefs drückte. Anleger scheinen zu erkennen, dass ein Irakkrieg nicht unbedingt vor weiteren Angriffen aus dem arabischen Raum schützt, sondern dass er diese vielleicht auslöst.

Entsprechend schwierig haben es die Indizes zum Wochenstart. Dass sie nach einem schwachen Start noch einmal ins Plus drehen, hat einen Grund: Der Irak soll dem Einsatz von Spionageflugzeugen zugestimmt haben, was Deeskalation bedeutet. Das ist auch alles, worauf sich der Markt konzentrieren kann. Zu stark war der Eindruck am Morgen, als man an Polizisten mit Maschinengewehren vorbeilaufen musste. Zu stark, als dass man sich auf Konjunktur und Ergebnisse konzentrieren könnte.

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