Die Börsenkolumne aus New York
Auf Xerox-Betrug folgen Wut und (ein bisschen) Zuversicht

Der Sturm ist abgezogen, an der Wall Street weht ein warmes Lüftchen und die Händler geben sich zum Wochenschluss ganz entspannt - sie haben allen Grund dazu.

Zwar hatte man ursprünglich mit einer stärkeren Rallye gerechnet als sie nun zum Quartalsende stattfindet, doch hatte man diese Hoffnung begraben, nachdem der Kopiererhersteller Xerox am Morgen der ohnehin endlosen Liste der Bilanzbetrügereien ein weiteres Kapitel angehängt hatte.

Doch es scheint als kümmere man sich nicht allzu sehr um die Mauscheleien bei Xerox. Zwar kursiert das Thema auf dem Parkett, doch sorgt es nicht für viel Aufregung. Das ist umso erstaunlicher als Xerox eine Vorgeschichte mit der SEC hat, nach der man weitere Unstimmigkeiten eigentlich nicht erwartet hätte.

Erst im April war die Börsenaufsicht über die Bücher des Hardwareriesen gegangen, nach einer Strafzahlung von 10 Mio. $ hatte die Behörde eine Klage wegen Fehlbuchungen fallen lassen. Mit einer Fortsetzung der Geschichte hatte man nicht gerechnet.

Dennoch ist die Stimmung auf dem Parkett ruhig. Das liegt sicher nicht daran, dass man nach Enron und WorldCom immun sei gegen Betrug, im Gegenteil: Jeder weitere Fall unterminiert das Vertrauen in den US-Markt aufs Neue und erhöht die Gefahr einer langfristig anhaltenden Krise. Doch hoffen viele auf Hilfe von oben: Es ist, so scheint es am Freitag, die Wut der Oberen, die Investoren versöhnlich stimmt.

US-Präsident George W. Bush klagt die Manager und Finanzchef an. "Sie glauben, sie könnten hier eine Million abzwacken und dort noch eine, und das merkt dann keiner. Aber da haben sie sich getäuscht", schimpft er nur zwei Tage nachdem er sich noch "sehr besorgt um die Bilanzmoral von Corporate America" gezeigt hatte.

Und die harten Worte von SEC-Chef Harvey Pitt, den man ja nun den Pitt-Bull nennt, sind Anlegern auch noch im Ohr. "Ich bin höllisch wütend und wir werden uns das nicht mehr gefallen lassen", hatte der gewettert - ganz offensichtlich erwarten Investoren, dass den Worten schon bald Taten folgen und die Zeit der Bilanzskandale irgendwann vorbei ist.

Dennoch kündigt sich der nächste Kurseinbruch bereits an. Die Freitags-Rallye - so moderat sie ist - hängt direkt mit dem "window dressing" der Fondmanager zusammen, die ihre Portfolios bereinigen. In der kommenden Woche dürfte das Handelsvolumen gering sein, schließlich bleibt die Börse am Donnerstag zum "Independence Day" geschlossen und auch am Freitag wird nur verkürzt gehandelt. Investoren könnten das niedrige Volumen nutzen, in eine Rally hineinzukaufen.

Doch auch danach kommt die nächste Woche bestimmt. Nach dem schwächsten 2. Quartal seit fast 30 Jahren sind Analysten uneinig, was die Prognosen für die kommenden drei Monate anbelangt. Hinter vorgehaltener Hand kündigen viele aber einen weiteren kurzfristigen Einbruch an, und der könnte nach der kurzen ersten Juliwoche im Rahmen hektischer Gewinnmitnahmen kommen.

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