Die Börsenkolumne aus New York: Columbia und Irak sind nur Schlagworte

Die Börsenkolumne aus New York
Columbia und Irak sind nur Schlagworte

Zwei Worte fallen auf dem Parkett besonders häufig, und Händler sagen, dass sie den Markt zum Wochenstart beeinflussen: "Columbia" und "Irak". Ersteres steht für eine große Tragödie, letzteres für eine geopolitische Krise - doch beide zielen an der eigentlichen Problematik der US-Märkte vorbei. Denn die findet sich in den Ergebnissen.

wsc NEW YORK. Die Folgen der Columbia-Tragödie für die NASA sind klar, wenn auch in ihrem Ausmaß noch nicht überschaubar: Die US-Raumfahrtbehörde ist durch den Absturz des Shuttles, durch den Tod von sieben Astronauten und nicht zuletzt durch einen Schaden in Milliardenhöhe um Jahre zurückgeworfen. Ob und für wie lange die Raumfahrt-Mission unterbrochen wird - nach der Challenger-Katastrophe war das Programm für zwei Jahre ausgesetzt - ist noch unklar. Einigen Unternehmen geht Umsatz verloren, darunter Boeing, Lockheed Martin und Alliant Techsystems, dem Hersteller der Raketenantriebssysteme. Konjunktur und Börse hingegen müssen sich eine Abhängigkeit von dem Unglück mühsam konstruieren.

Der Zusammenhang von Konjunktur und Börse zu einem wahrscheinlichen Irak-Krieg ist unterdessen unstrittig. Doch während schon Art und Erfolg eines Militärschlags im Golf unter Experten heftig diskutiert werden, sind die Folgen für US-Aktien vorab noch schwerer vorherzusagen. Alle möglichen Versuche, verschiedene Kriegsszenarien in den Markt einzupreisen, sind gescheitert oder werden von Experten belächelt.

Nach wie vor schrecken Analysten hingegen davor zurück, das eigentliche Problem der US-Märkte beim Namen zu nennen. Dabei ist es so einfach und gegen Ende der Ertragssaison auch ziemlich offensichtlich: Die Ergebnisse sind schwach, von einer steigenden Nachfrage seitens der Industrie oder des Verbrauchers erfahren die Unternehmen nichts.

Ein Rückblick auf die vergangenen Wochen, in denen die Mehrzahl der amerikanischen Unternehmen ihre Quartalskonferenzen abgehalten hat, zeigt die Lage deutlich: Von 332 Unternehmen haben nur 49 ihre Prognosen aufrecht erhalten, 86 haben sie erhöht - und 197 haben eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Laut den Statistiken von First Call ist die Lage damit so schlimm "wie seit mindestens einem Jahr nicht mehr".

Auch gute Nachrichten aus der Konjunktur können nicht über die Schwäche hinwegtäuschen. Zwar steht der ISM-Index, der die Aktivitäten im Produzierenden Gewerbe misst, für den Januar erneut im Expansionsbereich - zum elften Mal in den vergangenen zwölf Monaten. Doch ist der Index gegenüber dem Vormonat von 55,2 auf 53,9 gefallen, womit das Wachstum etwas schwächer ausfällt als gegen Ende letzten Jahres und vor allem eine stabile Tendenz nicht mehr zu erkennen ist.

Vor dem Hintergrund konjunktureller Indikatoren und der Tendenz in Corporate America deutet zum Monatsanfang nichts auf eine Stabilisierung der Börse, nichts auf einen Aufschwung - auch dann nicht, wenn die Schlagworte verschwunden sind, wenn also das Thema Irak vom Tisch ist und die NASA ihr Programm wieder aufgenommen hat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%