Die Börsenkolumne aus New York: Der Krieg läuft nicht wie er laufen sollte

Die Börsenkolumne aus New York
Der Krieg läuft nicht wie er laufen sollte

Acht Tage lang feierte die Wall Street zunächst einen bevorstehenden Krieg und später die ersten Angriffe auf den Irak als Allheilmittel für Konjunktur und Börse - am Montag ziehen Anleger den Schwanz ein, weil der Krieg nicht so bequem verläuft, wie man sich immer wieder versichert hatte. Die ersten Toten und unzählige Pannen belasten die Stimmung auf dem Parkett.

O je, damit war ja nicht zu rechnen. Im Irakkrieg sterben Menschen, sogar auf Seiten der Guten. O je, o je, was soll der Markt nun machen. Über Opfer auf eigener Seite hatte man sich wochenlang ebenso wenig Gedanken gemacht wie über irgendein anderes Szenario als das eines schnellen, gründlichen und erfolgreichen Eingreifens der USA, die mit Präzisionswaffen das Böse, i.e. Saddam Hussein, aus den Palästen bomben und die leidende irakische Bevölkerung in ein Rudel klatschender Yankee-Fans verwandeln sollte.

Völlig überraschend läuft das alles jetzt nicht so, und - noch ein o je - es sterben nicht nur Leute, sondern das Fernsehen zeigt auch noch die Bilder der Toten. Und die der Gefangenen. Das ist gegen die Genfer Konvention, wie Kriegsminister Donald Rumsfeld weiß. Der hat sich selbst zwar Wochen lang über sämtliches internationales Recht hinweggesetzt und gerade einen Angriffskrieg begonnen. Doch dass der Irak nun Gefangene macht und die GIs auch noch vor laufenden Kameras verhört, da hört sich doch alles auf.

Rumsfeld durfte sich über internationales Recht hinweg setzen, denn das diente Amerika. Die Börse gab ihm recht: Nur unverbesserliche Nörgler wiesen noch auf die darbende Konjunktur hin und auf die schwachen Ergebnisentwicklungen und auf die Bilanzskandale in Corporate America und auf die hohe Arbeitslosigkeit... Rumsfeld und die Mitstreiter Bush, Cheney und Powell gaben der Börse Kraft, lenkten von Problemen ab und lullten die finanziell leidende Bevölkerung ein in das Bild vom einig Vaterland, das gemeinsam zum Kampf für das Gute auszieht.

Doch mit den Hiobs-Botschaften aus dem Irak häufen sich die Proteste, die - auch im eigenen Land - die Legitimität eines Krieges bezweifeln. Der Satiriker Michael Moore war nur eine von hunderttausend Stimmen, die am Wochenende gegen den Kampf im Golf laut wurden. Während er, den Oscar für die US-kritische Dokumentation "Bowling for Columbine" in der Hand, seiner Wut freien Lauf ließ und Bush für seine Kriegstreiberei verfluchte, demonstrierte in New York City eine viertel Million Menschen gegen den Krieg. Die Medien reflektieren diese Gegenbewegung zwar kaum, ganz verborgen bleibt sie aber auch dem patriotischsten Investor nicht.

Der weiß nun: Es gibt Probleme im Golf. Für die eigenen Truppen, aber also auch für Amerika. Außerdem brennen nun doch einige Ölquellen, der Ölpreis steigt. Der Krieg wird länger und teurer als versprochen, die Zahl der Kriegsbefürworter wird im Laufe der Wochen fallen, das Verbrauchervertrauen und die Konsumausgaben auch. Das ist nun wieder schlecht für Aktien, und nachdem die großen Indizes zuletzt um sensationelle 11 % geklettert sind, nehmen viele Anleger Gewinne mit und ziehen aus dem Markt.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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