Die Börsenkolumne aus New York
Die Februar-Odyssee der Wall Street

Ach ja, der Freitag. Für die Wall Street ist der letzte Handelstag der Woche meist ein schöner Tag, weil die Börsen klettern. Für die Kommentatoren ist es ein furchtbarer Tag, weil sich das ganze nicht erklären lässt. Zum dritten Mal in Folge geht es nun im Freitagshandel bergauf, und Gründe gibt es dafür nicht.

NEW YORK. Das ganze ist so dramatisch nicht, man gewöhnt sich ja an vieles. An das niedrige Handelsvolumen, zum Beispiel, das ein unstetes Rauf und Runter auch ohne fundamentale Gründe zulässt. An Fehlinterpretationen ebenso, durch die mancher Analyst und Journalist fast wie ein Cheerleader wirkt.

Letztere sind es auch am Freitag wieder, die dem Markt ein wenig Kraft einhauchen wollen. Sie freuen sich, dass das Verbrauchervertrauen nach dem Index der Universität Michigan besser ausgefallen ist als erwartet. Sie sehen dabei nicht, dass es auf ein Neun-Jahres-Tief gerutscht ist und also bestens mit dem nationalen Index korrespondiert, der am Dienstag ebenfalls auf einem Neun-Jahres-Tief festgestellt wurde.

Sie schreiben, dass der Einkaufsmanagerindex aus Chicago auf anhaltendes Wachstum im Produzierenden Gewerbe schließen lässt. Sie sehen dabei nicht, dass nicht nur das Wachstum schwächer wird, sondern dass der Index über das Jobwachstum weiter im roten Bereich steht. So deutet alles darauf hin, dass die USA in eine zweite Rezession stürzen - allein, weil ein Experte die jüngsten Zahlen vor ein paar Tagen noch schlechter prognostiziert hatte als sie nun ausgefallen sind, scheint plötzlich alles in Butter zu sein.

Wenn doch mancher den Griffel einfach aus der Hand legen und gleich zu den Pompoms greifen würde. Rund ums Parkett ist noch viel Platz, da kann man ruhig tanzen und springen. Denn dort - an der "Sideline" - da liegt nicht etwa das Geld all jener Investoren, die sich vor lauter Kriegsangst und Konjunkturpessimismus vorrübergehend auf die Bank gesetzt haben. Das liegt längst nicht mehr da. Es ist ganz aus der Börsenwelt verschwunden, es wird dort auch so bald nicht wieder auftauchen, jedenfalls nicht, solange sich Handelstendenzen nicht einigermaßen erklären lassen.

Und davon ist man weit entfernt. Manche Zahlen werden mal von unten betrachtet und rosig gepinselt, andere dafür auch mal ganz übergangen. Ein Zehntelprozent hier löst im Dow eine dreistellige Rallye aus, ein schlecht gelaunter Analyst verdammt eine Branche. Terror-Alarmstufen werden willkürlich gehoben und gesenkt, ein mysteriöses Tonband zur Sensationsmeldung aufgebauscht - das alles macht keinen Sinn.

Wer die Charts über einen gewissen Zeitraum betrachtet, der stellt fest, dass der Markt bei aller Tagesvolatilität das einzig richtige macht: Er verharrt nahezu ganz. Nicht nur auf Wochensicht haben sich die so hektisch anmutenden Indizes kaum bewegt, auch den ganzen Monat Februar hätte man sich getrost sparen können. In dem Monat, der als der launige gilt, haben sich die drei maßgeblichen Barometer an der New York Stock Exchange nur minimal verändert, wenngleich die Tendenz deutlich auszumachen ist: Es geht abwärts.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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